DLD "Nachklapp"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 20. Januar 2018 um 21 Uhr 17 Minuten

 

0.

Wer diese beiden Beiträge aus den letzten beiden Tagen
- Symposium zu Ehren von Prof. Dr. Arnold Picot
- Stormy Weather
(nach-)gelesen hat, weiss, dass eigentlich ein Aufenthalt in München für dieses letzte Wochenende avisiert war.

Jetzt ist alles anders gekommen, stattdessen finden all die für diese Zeit avisierten Begegnungen im Netz statt und einige der persönlichen Eindrücke werden hier wie folgt auskommentiert:

1.

Alexander Birken, seit einem Jahr Vorstand der Otto Group, in einem XING-Beitrag vom 17. Jänner 2018: "Wir dürfen Werte nicht an der digitalen Garderobe abgeben".

Da der Versuch scheiterte, einen eigenen Kommentar auf der dafür vorgesehenen Seite abzugeben - ist diese Funktion wirklich nur den zahlenden Mitgliedern vorbehalten? - an dieser Stelle diese Anmerkungen:

1.1. So nett sich diese Überschrift auch lesen mag: es gibt keine "digitale Garderobe", geschweige denn die Möglichkeit, dort seinen Anhang wie einen Umhang zu hinterlassen, den man man dem Besuch der Veranstaltung auch wieder für sich in Anspruch nehmen und damit weiterziehen kann.

1.2. Die vielfältigen Reaktionen auf diesen Beitrag zeigen aber, dass Birken offensichtlich auch etwas richtig macht: Er stellt sich und seine Ansichten der Diskussion. Mit dem Vorteil: es finden sich nur Zustimmungs-Klicks, die offensichtlich auch von den nichtzahlenden Mitgliedern des Netzwerkes aktiviert werden können.

1.3. Wenn die Rede von der "License to operate" gesprochen wird, dann ist damit die Assoziation / Konnotation zur "Licence to kill" inhärent, will sagen, automatisch als Assoziation angesprochen, ohne als solche ausdrücklich erwähnt zu werden. Wir reden hier nicht nur über den Verlust von Vertrauen als virtuellem Kapital, wir meinen damit inhärent immer auch die Angst vor den realen wirtschaftlichen Verlusten.

1.4. Der Kampf um den wirtschaftlichen Erfolg ist immer auch ein Kampf ums Überleben: Vom Tod eines "Handlungsreisenden in der digitalen Galaxis" bis hin zum einmaligen "end-of-live" eines Produktes - oder dem im Game wiederholbaren Todesfall eines "Egoshooters". Selbst Antworten wie die "42" werden in Zukunft nur noch von einem "404"er auskommentiert werden.

1.5. Das Thema ist wahrlich nicht neu. Siehe dazu als pars pro toto das am 19. September 2014 in Berlin ausgerichtete Symposion: "Werte in der digitalen Welt".
Die zunächst nur für die Teilnehmer.innen bereitgestellten Links sind inzwischen öffentlich einsehbar und ihre Beiträge auch nachhörbar:
- "Werte in der digitalen Welt"
- 19.9.: Das "Werte in der ditialen Welt"-Programm
- O-Töne & Gäste
- Vanishing Values Versus Virtual Virtues

2.

Um 17 Uhr beginnt die Live-Übertragung aus München und - aus Zufall - entstand dieser Screenshot inmitten einer Kamerablende, der zugleich Abbild und Symbol ist für das Thema: Management by Chaos:
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Wie schön,
— dass Hubert mit auf die Bühne gekommen ist und die Frage nach der Zukunft der Medien als einen der drei Schwerpunkte dieser Veranstaltung hervorgehoben hat,
— dass Yossi sich Dank der Einrede seiner lieben Frau Talma so kurz hat halten können:


— dass Steffi ein Skript zur Ansage der Protagonisten vor sich hatte - und sogar die Musik am Laufen hielt:

3.

Die nachfolgenden Reden und Beiträge werden nicht nur an diesem Samstag und Sonntag, sondern auch danach nochmals online einsehbar sein. Und daher wird das Publikum dieser Publikation ein Einsehen haben, wenn all das hier nicht nochmals in der ganzen epischen Breite zur Darstellung kommt.

Stattdessen aber dieses:

3.1. Da sitzen bei der Diskussion über die Zukunft der Arbeit junge Leute auf der Bühne und reden davon, dass sie schon zu alt seien, um noch eine valide Aussage über die Zukunft dieses Themas machen zu können.

Vielleicht hätte der zur Eröffnung mit anwesende Niki Kolev zur Teilnahme eingeladen werden sollen, denn in seinem Profil ist zu lesen: " His main expertise is in digital transformation". Oder wie wäre es zumindest mit einer Frau von Rang und Namen gewsen?

3.2. Twitter-Beiträge von Sissi Pitzer und Willi Schroll:

3.3. Die "Keynote-Speaker"-Rede von Sigmar Gabriel wird angekündigt mit dem Titel: "Why Europe Should Embrace The World." und - auch wenn das sicherlich nicht so gemeint sein mag - so eine Titel ist angesichts der assoziierten Formel "Am Europäischen Wesen soll die Welt genesen" alles andere als eine glückliche Wort-Wahl.

Steffi lobt sein neues Buch über "Neuvermessungen" indem sie sagt, dass sie so was Gutes nicht erwartet habe [1] , Gabriel spricht von "Fake News" und applaudiert dem kleinen Orchester und beginnt seine Rede mit dem Satz: "Sie können gerne noch weiterspielen."

Wird es in Zukunft einen "Tech-Cold-War" zwischen den USA und der VR China geben? Oder wird Europa ein dritter Partner in diesem Kampf werden, werden können, werden wollen? Was muss geschehen, um dieses Ziel zu erreichen?

Gabriel: Wir müssen ein gemeinsames Ziel haben - und die Risiken annehmen: "“Die Frage des Fortschritts hängt von unserem Willen ab, Risiken einzugehen".

Alle Kontinente wachsen, nur die Europäer "are shrinking". Und nur die Chinesen haben eine geopolitische Strategie, wir nicht und die Amerikaner auch nicht...

3.4. Paul-Berhard Kallen: Europa war gegründet, um Frieden zu bewahren, nicht um im internationale Wettbewerb zu obsiegen.

Albert Wegner Wir brauchen "Smart Regulation": jeder von uns als Nutzer’in eines Smartphones gibt mit dem Aktivieren seiner App all seine Recht ab.

Megan Murphy: Es gibt keinen Willen zu erkennen, sich diese neuen Herausforderungen wirklich zu stellen. "This is unacceptable".

Jeff fragt, wo Europa am meisten investieren soll: Nein, es gibt nicht DEN Sektor, der alles herausreisst. "There ist never a silver bullet".

3.5. Steffi: Wenn man was Neues entdecken will, dann hört den Künstlern zu, entdeckt, was sie zu entdecken anbieten. Walter Price berichtet über seine Arbeit , dem Doodling.

3.6. Michael John Gorman spricht über und mit Beau Lotto und über sein nun auch in Deutschland bei Goldmann erschienenen Buch: Anders sehen. Man sieht die Welt nur so, wie man sie aus der Geschichte der eigenen Wahrnehmung kennengelernt hat. Und man kann sie gar nicht so sehen, wie sie "wirklich" ist...

Sein Mantra: "Every person you see is inside you, projected outward." "The world does not come to you with instructions". "You enter a conflict in order to win, not to learn. Because the brain hates uncertainty." "Do not enter a conflict with an answer, enter with possibilities."

Das Ganze in einem einzigen Satz zusammengefasst, dann könnte dieser so lauten: Der einzige Raum, in dem Unsicherheit erlaubt ist, ist der Spiel-Raum.

WS.