BaERLINALE: The last press conference

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonntag Letzte Bearbeitung: 25. Februar 2018 um 10 Uhr 38 Minutenzum Post-Scriptum

 


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0.

Champagner trinken oder an der Pressekonferenz teilnehmen - das war keine Frage.

Immer wieder war im Verlauf der letzten Berlinale Pressekonferenz davon die Rede, dass Diejenigen, die nicht vorn auf der Rampe sitzen würden, es vorgezogen hätten, sich schon dem Champagner und der offenen Geselligkeit zuzuwenden.

Was für eine dummer Spruch, der sich auch nicht dadurch qualifiziert, dass er mehr als einmal wiederholt wird.

Selbst die wenigen Einblicke in das Auditorium zeigten, dass da nicht nur die Journalisten anwesend waren - und solche, die sich dafür hielten - sondern auch jeweils all jene, die aus Gründen des Protokolls oder der Bescheidenheit nicht mit auf die Rampe gekommen waren.

1.

Eigentlich ist diese Seite ja den Bildern vorbehalten, die jeweils an einem Sonntag Priorität vor den Texten haben (sollten). Aber dann war auf der Pressekonferenz dieser Satz zu hören, der diesen Wunsch zugleich bestätigte, der aber eben dann auch auch gesagt werden - und hier damit nochmals zu Gehör gebracht werden musste: von der höheren Bedeutung, die Film-Bilder zu erstellen als jetzt darüber auf einer PK reden zu müssen:

2.

Daher an dieser Stelle zunächst einmal trotz aller später aufgetretenen Probleme einen Dank an den Veranstalter, dass er alle Tonmitschnitte von allen Pressekonferenzen auf der Berlinale-Homepage vorhält - und zwar jeweils in der Original-Fassung, in der deutschen Fassung und in der englischen Fassung.

3.

Die Entscheidung der Jury hat Viele überrascht und auch viel Kritik auf sich gezogen - auch wenn sie vielmals in eher dezenter Sprache vorgetragen wurde. Man war "verwundert", "erstaunt" oder hielt zumindest die Entscheidung für den Goldenen Bären für "nicht gerechtfertigt".

4.
In der Fazit-Sendung von Deutschlandradio Kultur hat der Moderator - nicht ohne Grund - über das alles andere als angemessene Verhalten eines seiner Kollegen Beschwerde erhoben. Zu Recht: Der bereits oben zitierte Billy Murray setzte dann auf der Abschluss-PK ein deutliches Zeichen, indem er einem eitlen Fatzken das Wort nicht erteilte, als dieser sich bei seiner Frage selbst zu filmen versuchte [1]:

5.

Nochmals Bill Murray: ja, sein Verhalten mag arrogant wirken, übersteigert, selbstlos. Und doch hat man den Eindruck, dass er nur deshalb so daherkommt, weil er kaum ein Gegenüber findet, der oder die ihm gewachsen ist. Und das ihn das langweilt, vielleicht sogar ärgert? Aber muss man ihm deshalb gleich das Wort verbieten? Oder handelt es sich nur um einen technischen Fehler, dass bei dieser Einspielung nur die Ansage des Moderators mit den Worten zu hören ist [2]: "Ladies and Gentlemen: The winner for the Silver Bear for the best direction..."

Wir wollen hier daher zumindest jene Sätze einspielen, in denen er über den Übergang vom analogen zum digitalen Film spricht. Und den Folgen, die das bis heute gehabt hat [3]:

6.
Und wo ist Dieter? Der schon bei dieser ersten und zugleich letzten PK noch vor Beginn der Festspiele durchscheinen liess, dass er sich wohl mehr zurückzunehmen habe, da keiner seine Art von Humor so richtig verstünden... Wer ist es, der/die ihn für die Öffentlichkeit fast mundtot gemacht hat?

Warum aber schafft er es nicht, am Ende der Gala nochmals ein Wort des Abschieds an sein Publikum zu richten und sich seinen Applaus abzuholen? Oder auch nur eine Geste? Oder bestand die schon darin, dass er auf der Bühne TT’s Ankündigung des Gewinners des Goldenen Bären an dessen Seite ins Deutsche übersetzte?

7.

Kosslick und Tykwer kennen sich gut. Warum hat sich Dieter nicht ausrechnen können, was selbst der Autor dieser Zeilen am Tag der Preisverleihung prognostiziert hatte: dass keine Produktion aus Deutschland einen Goldenen Bären gewinnen werden würde. Mehr noch, wie der Abend der Preisverleihung hat offenbar werden lassen: dass es bei allen Bären keinen einzigen deutschen Protagonisten geben würde, dem eine solche Ehrung hätte verliehen werden können, nicht einmal Franz Rogowski?!

Hier zum Nächhören die Anmod zu dieser Abschluss-PK, in der eben diese Frage gestellt wird, ob es einer von den deutschen Beiträgen an diesem Abend aufs Podium geschafft haben würde:

[...]

10.

Am verwunderlichsten an diesem Beitrag heute ist, dass er entstanden ist, obwohl die Teilnahme an diesem Festival fast ganz und gar und ausschliesslich virtueller Natur war. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, dass es bei dieser Sicht von Aussen immer auch zugleich eine vielfache Konnotation zu vielen Schauplätzen und den dort stattfindenden Ritualen gibt. Und dass es möglich ist, diese vor dem inneren Auge abspielen zu lassen und dabei das Personal der früheren Jahre durch Andere - in vielen Fällen dann aber auch wiederum Bekannte - zu ersetzen.

P.S.

Der schönste Einwand auf die Einträge zu dieser Berlinale war jener, der sich auf die Schreibweise des Titels "BaERLINALE" bezog. Das Schriftbild dieser Überschrift hätte anders herum gesetzt werden sollen: nicht "BaERLINALE", sondern "bAerlinale": denn es sei das Kleinste unter den "A" Festivals der Filmbranche.

Anmerkungen

[1... und dabei dem Moderator endgültig das Heft aus der Hand nahm, dass er selbst bei schwächeren Charakteren kaum zu halten in der Lage war - was allerdings wohl kaum bemerkt wurde, da die auf der Bühne Anwesenden selbst auf die belanglosesten aller Fragestellungen öffentlich bereitwillig zu antworten bereit waren (wenn auch mit löblichen Ausnahmen von dieser Regel: Als eine der Protagonistinnen, Ines Moldavsky, begann, dem Moderator Fragen zu stellen:

[2Ja,ja: ich dem nachfolgenden Zitat ist es kein Transkriptionsfehler, den es zu bemänglen gäbe...

[3Das Einfügen des Audio-Files musste noch einen Moment (sic!) warten, denn dieser war zunächst nicht nur zu finden und zu sichern, sondern auch hörbar zu machen: Das im Donwload-Verzeichnis bereitgestellte Original-File mit einer Mono-Summe ist nicht länger als die hier zitierten Worte der Anmod. Das vollständig heruntergeladene Original-File des gesamten PK ist ohne Worte, die Version mit der englischen Übersetzung entbehrt jeder Stimme. Und das Gleiche gilt mit der Version, die die Äusserungen in deutscher Sprache wiedergeben soll(te)...


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