Jerusalem (4) / Yad Vashem

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 3. November 2018 um 11 Uhr 25 Minuten

 

08:10 Uhr Abfahrt nach Yad Vashem

09:00 Uhr bis 14:00 Uhr Besuch und Führung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

09:00 Uhr bis 12:00 Uhr Führung durch das historische Museum und in ausgewählten Teilen der Gedenkstätte.

Über diesen Vormittag zu schreiben ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. An dieser Stelle daher nur dieses eine Foto als pars pro toto:

Es ist die Seite eines Buches, das von einem unbekannten Menschen in ein Tagebuch verwandelt wurde und dessen Text auf der unter dem Exponat befindlichen Tafel zur Darstellung gebracht wird [1].

Angesichts eines solchen Dokuments wird deutlich, welch ein Privileg es ist, ein solches Online-Dokument wie dieses schreiben zu können. Und derzeit immer noch einen Tag und noch einen Tag haben zu können, an dem diese Einträge um einen weiteren ergänzt werden können.

Und: eine Vereinbarung mit einer Bibliothek wie der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main zu haben, die durch die Vergabe einer ISSN-Nummer an diese Publikation in der Verpflichtung steht, diese auch für nachfolgenden Generationen zur Kenntnisnahme, zumindest in ihren Lesesäälen in Frankfurt am Main und Leipzig, vorzuhalten.

Anschließend Pause


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Noch ganz unter den Eindruck dieses Bildes stehend wurde in der Pause die ebenfalls vor Ort befindliche Bibliothek und das ihr angeschlossene Archiv besucht. Nachdem im Vorfeld an diese Adresse gerichteten Anfragen per Mail gar nicht oder nur unbefriedigend beantwortet wurden [2] wurde der Versuch unternommen, direkt vor Ort zumindest den Namen einer Ansprechpartnerin oder eines Ansprechpartners zu finden, mit der oder mit dem danach dann von Deutschland aus der Dialog weitergeführt werden könnte.

Dieses Anliegen, das vor allem um die Einbindung von neuen Technologien aus der Virtuellen Welt bemüht ist um weitere Möglichkeiten der Erinnerungskultur zu entdecken - siehe neben anderen diese Beiträge aus dem Jahr 2014 The Berlin Holocoust Memorial Virtual Concert App und aus dem Jahr 2018 Ein Zeitzeugen-Gesprächs-Zeugnis - konnte auch vor Ort nicht wirklich zu einem positiven Zwischen-Ergebnis vorangetrieben werden [3]

Ca. 13:30 Uhr Gedenken im Tal der Gemeinden

Im Zusammenspiel mit einigen Mitgliedern der bpb-Reisegruppe wird im Tal der Gemeinden ein gemeinsames Gedenken vorbereitet, das nach dem Eintreffen und der Positionierung aller Beteiligter wie folgt beginnt [4] und mit der Niederlegung von Blumen als auch jeweils einer einzelnen weissen Rose [5] ihre Abschluss findet:

Musik:

Einige leise, dann ein wenig anschwellende Töne mit der Maultrommel, die mit einem lang gezogenen Ton abgeschlossen werden.

Wort:

An dieser Stätte möchte ich, Wolf Siegert, im Andenken an meine Mutter, Käte van Tricht, all jenen Menschen danken, die mich in das Leben einer jüdischen Gemeinschaft eingeführt und dort immer wieder bis heute aufgenommen haben.

Dass meine Mutter Jüdin - oder, nach dem Regelwerk der Nationalsozialisten gesprochen, Halbjüdin war – hat sie selber erst nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges erfahren. Und da war es zu spät, Dseutschland noch verlassen zu können.

Sie überlebte, sonst wäre ich nie geboren worden.

Sie überlebte, weil sie als Musikerin und Sängerin von den Offizieren als Unterhaltungskünstlerin in die Kriegsgebiete ein- (und wieder aus-!) geflogen wurde, um dort vor ihnen - zwischen den Schlachten - auf der Bühne zu stehen.

Als Organistin bedurfte sie auch nach Kriegsende der Orgel. Ich wurde im Gründungsjahr der deutschen Bundes-Republik im Jahr 1949 geboren und christlich sozialisiert.

Mit 16 trat ich aus eigenem Antrieb aus der Kirche aus.

Als meine Mutter davon erfährt, sagt sie, dass sie dieses nicht tun könne, da sie sonst keine Möglichkeit mehr habe, die Orgel zu spielen.

Ich habe ihr weiterhin als Registrant beigestanden und später sogar gemeinsam mit ihr als Schlagzeuger in "ihrer" Kirche musiziert.

Das Instrument, das ich jetzt als Begleitung der nächsten Beiträge weiter spielen werde, habe ich erst nach ihrem Tod kennengelernt. Ich spiele es heute als Dank auch an all jene, die mich hier auf dieser Reise einmal mehr in meine mentale Heimat zurückgerufen haben.

In meinem Leben und Denken in Deutschland wurde ich mehr als einmal gefragt, warum es denn notwendig sei, die Dinge aus meiner Sicht immer so kompliziert zu machen.

Hier, in diesem Land, wäre ich damit gut durchgekommen – und vielleicht sogar angekommen.

Aber ich werde mit meiner Gruppe, die hier zugegen ist, wieder nach Deutschland zurückfahren. Das Land braucht Menschen wie uns, zumal nach den Einsichten aus einer Reise wie dieser.

Im Kampf gegen die Einfalt ist und bleibt es das Streben nach dem Einfachen, das so schwer zu machen ist.

Mazel tov

Anschließend Rückfahrt Richtung Innenstadt/Hotel

17:30 Uhr bis 19:00 Uhr „Kulturelle Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Israel“:

Filmvorführung und Filmgespräch mit dem Regisseur Uri Borreda* zu seinem Dokumentarfilm „Box for Life“ und dem Protagonisten Noah Klieger*
Treffpunkt: Jerusalem Cinematheque, Hebron Road 11, Jerusalem

Bereits in dem Beitrag vom 5. Oktober Die nächste Israel-Reise beginnt MORGEN 2018 gab es einen Hinweis auf diesen Film und seinen Protagonisten Noah Klieger. Heute nun ist er leider wegen eines anstehenden Krankenhaustermins nicht mit dabei, wohl aber der Regisseur Uri Borreda zusammen mit seiner Frau.

Hier der Link zur Präsentation des Films: https://go2films.com/films/box-for-life/

Aus dieser Begegnung hier eine Aufzeichnung seiner direkt ins Mikro gesprochenen Begrüssung:

sowie ein kurzer Auszug zur Einführung des sich an den Film anschliessenden Gesprächs:

Anmerkungen

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[2Ausser, dass seitdem regelmässig Post mit Spendenaufrufen eintrifft...

[3Wobei auch zu sagen ist, dass sich dankenswerter Weise Personen, die mit dem avisierten Thema eigentlich nichts zu tun haben, um eine spätere Vermittlung zu bemühen bereit erklärt haben.

[4Dass in diesem nachfolgenden Text das Wort "ich" des Autors erscheint, und das mehr als einmal, ist sehr ungewöhnlich. Und widerspricht eigentlich einem der Grundsätze dieser Publikation, in dieser keine allzu persönlichen Befindlichkeiten zum Ausdruck zu bringen. Hier aber ist es als Zitat zu lesen - und daher dann doch legitim. WS.

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