„1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Ever“

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 31. Juli 2019 um 00 Uhr 08 Minutenzum Post-Scriptum

 

Pressemitteilung

Bundestagspräsident Schäuble eröffnet Ausstellung „1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Ever“
ZEITKORREKTUR!!!
Mittwoch, 7. November 2018, 16 Uhr
Reichstagsgebäude, Abgeordnetenlobby

Die Ausstellung „1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Ever“ zeigt im Reichstagsgebäude Arbeiten von international renommierten Künstlerinnen und Künstlern, die ein Jahrhundert nach Kriegsende ein ganz besonderes Zeichen für Frieden setzen. Mit dabei sind unter anderem Arbeiten von Christian Boltanski, Monica Bonvicini, Tony Cragg, Ilya & Emilia Kabakov, Anish Kapoor, Jana Sterbak, Roman Ondak und Günther Uecker.
Enthüllt wird das gemeinsame Kunstprojekt am 7. November 2018 ab 17 Uhr in Anwesenheit von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Eine Vorbesichtigung durch Pressevertreter ist ab 16 Uhr möglich. Eine gültige Akkreditierung des Bundestages ist notwendig (www.bundestag.de/presse/akkreditierung).
Im Rahmen von „1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Ever“ entstehen 31 symbolhafte Friedenszeichen - gestaltet von Künstlerinnen und Künstlern aus den 31 Staaten, die am Ersten Weltkrieg militärisch beteiligt waren. 29 Staaten hatten die Pariser Vorortverträge unterzeichnet, Russland und die Ukraine bereits zuvor Separatfrieden geschlossen. Der Ausstellungstitel geht zurück auf das Buch „Toen niet, nu niet, nooit“ der niederländischen Bildhauerin und Widerstandskämpferin Truus Menger-Oversteegen.
Alle 31 Arbeiten haben eines gemeinsam: Ausgangspunkt bildet jeweils ein Quader aus Eichenholz (30 x 30 x 30 cm), der den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern zur individuellen Gestaltung zur Verfügung gestellt wurde. Das Holz stammt aus einem umkämpften Frontabschnitt im Elsass und trägt bis heute Spuren des Krieges. Verletzungen im Holz, eingeschlossene Reste von metallenen Kriegsgeschossen und schwarze Verfärbungen machen aus den Holzelementen gleichermaßen Relikte wie Zeitzeugen des Krieges. Aus den ursprünglich einheitlichen Blöcken sind dabei 31 ganz unterschiedliche Kunstwerke entstanden.
Die Ausstellung „1914/1918 - Not Then, Not Now, Not Ever“ ist vom 10. November 2018 bis 6. Januar 2019 im Rahmen von Führungen durch den Deutschen Bundestag zu sehen. Danach wird sie in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen in deren New Yorker Hauptquartier gezeigt und soll dort ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben ohne Gewalt setzen.

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Über die Teilnahme an dieser Veranstaltung zu sprechen fällt schwer.

Hier wird zunächst geschildert, wie es dazu kam, auch wenn das eigentlich nicht die Absicht dieses Beitrags war. Aber der Zugang zu eben dieser nahm mehr Zeit in Anspruch, als die ganze Veranstaltung selber gedauert hatte.

Und das kam so: Zunächst wurde irrtümlich mit dem Paul Löbe Haus der falsche Zugang gewählt. Von dort aus erfolgte die Überweisung zum Eingang des Reichstagsgebäudes mit dem Kürzel: "RTG Nord".
Dort angekommen, wurde aber kein Einlass gewährt, da nach der Vorlage aller Unterlagen nach einer roten Akkreditierungskarte gefragt wurde.
Läge diese nicht vor, auch wenn der Antrag entsprechend bestätigt worden sei, müsse diese persönlich im Bundespresseamt abgeholt werden.
Also dorthin gefahren. Dort angekommen, heisst es: "kommen Sie morgen wieder vorbei, heute arbeitet hier keiner mehr..."
Also wieder zurück zum "RTG", dieses Mal zum Haupteingang, wo zunächst eine erneute Zurückweisung stattfindet... bis ein Mann im Anzug und einem Bundesadler im Revers... auf den Eingang "RTG Süd" verweist.
Dort, nach erneut langer Wartezeit, wiederum eine Ablehnung des Begehrs, an der Veranstaltung teilnehmen zu dürfen, trotz des Nachweises aller extra für einen solchen Fall eigens ausgedruckter Unterlagen: Nein, der Name sei auf der Liste der zugangsberechtigten Personen nicht verzeichnet. [...]
Als dann schlussendlich doch der Zugang möglich gemacht wird, wird in der kleinen Abgeordnetenlobby, vor dicht gedrängtem Publikum Musik zur Darbietung gebracht: Franz Lehar in einem Lied aus der Zeit 1916/17:

Die Rezension der ausgestellten Kunstwerke sollte anderen, dafür qualifizierten BeobachterInnen überlassen bleiben. Denn nach all dem Erlebten hätte interessiert, was die Veranstalter selber zu diesem Unterfangen zu sagen gehabt hätten.

Die aber sind, wichtig, wichtig, mit überaus und mit anderem beschäftigt, als noch einem Menschen mit dem Mikro Rede und Antwort zu stehen - obwohl man sie bei einer gezielteren Ansprache vielleicht doch zu einer Stellungnahme hätte bewegen können.

Stattdessen aber bildet sich nach der Ende der musikalischen Darbietungen eine riesige Menschen- und Medien-Maschinen-Traube rund um den Präsidenten des Bundestages. Und, sobald dieser davongerollt ist, um die eine Künstlerin oder den anderen Künstler.

Allein, es gab kein Vorwissen, kein Material, keine Gesprächspartner, alle waren schon mit sich selbst und untereinander beschäftigt und redeten... über Dienstpläne, Geburtstage, dem Wohlergehen von Freunden und Freundesfrenden... und all das zu hören schmerzt, angesichts eines solchen Ausstellungs-Themas.

Nicht, dass man hier vor Andacht und Ehrfurcht in ein tiefes Schweigen hätte verfallen sollen, und doch macht das Angebot, ob man lieber O-Saft oder Sekt trinken wolle, verlegen, ja: sprachlos.

Warum nur? Hier spielen sich doch die gleichen Rituale und Usancen in die Hände, die auf einer solchen Vernissage gang und gäbe sind. Und doch schmerzen sie angesichts eines solchen Themas.

Irgendetwas stimmt hier nicht; dabei verläuft alles in geordneten Bahnen. Und sei es nur, dass keine(r) der anwesenden Künstler(innen) noch in irgend einer Art oder Weise einen direkten lebensgeschichtlichen Zugang zu diesem Thema gehabt hätte. Weder für sie, noch für das Publikum hatte das Thema Krieg noch eine offensichtliche, aus dem eigenen Erleben zu referierende Konnotation.

Um diese Erfahrung dennoch irgendwie zu verarbeiten, wird ein Experiment unternommen. Und nach dem Verlassen dieses Ortes ein chinesisches Restaurant aufgesucht. Und bevor dort der restliche Abend mit einem guten Freund verbracht wird, gewährt er die Bitte, zuvor die Eindrücke dieses Abends noch mit dem Mikro aufzeichnen zu dürfen:

Diese nachfolgende Aufzeichnung schildert nochmals den Weg bis ins Haus


- ab 0:00 Vorbemerkung.
- ab 1:06 Die bereits oben kurz skizzierte Vorgeschichte bis zum Moment des Zugangs zur Veranstaltung wird nochmals Schritt für Schritt rekapituliert.
- ab 5:41 wird nochmals der Weg durchs Haus bis zur Aufnahme der letzten musikalischen Darbietung geschildert.
- ab 6:50 Ende der Ansage - im Restaurant wird das Essen gereicht.

P.S.

Das einzige Exponat, das an diesem Abend wirklich die Aufmerksamkeit des Gastes gefunden hatte, war ein Buch mit der Eintragung der Lebensgeschichten der Volksvertreter. Unter ihnen auch der von Paul Löbe. Und anstatt ein Interview mit einem der Lebenden zu führen, wird hier die seine als die darin aufgezeichnete Geschichte verlesen:


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