... es nervt (II)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 3. Mai 2019 um 18 Uhr 49 Minuten

 

Der Beitrag ... es nervt (I) hat so viele Reaktionen und Nachfragen ausgelöst, dass es notwendig wird, hier an dieser Stelle zu einigen Produkten und Prozeduren nochmals einige Ergänzungen nachzureichen.

Vorab sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass ein solcher Eintragsserie weder aus Masochismus noch aus Selstmitleid erfolgt. Es geht vielmehr um selber davon eine Ahnung, vielleicht sogar ein Bewusstsein davon zu entwickeln, was heute gerne schon mal mit dem Begriff des Digital Divide umschrieben wird.

Es wird - auch den den JÜngeren - immer mehr Menschen geben, die versucht sind, sich dem ständigen Zwang "up to date" zu sein zu entziehen suchen. Es geht um die ganz konkreten Auswirkungen das so gern zitieren Satzes, dass Stillstand Rückschritt bedeutet.

"Updatefähig" zu sein ist nicht nur ein MUSS für jeden Rechner, sondern auch für jeden Menschen. Und je stärker dieser Zwang als Not-wendigkeit desti mehr wächst sogleich das Bestreben, sich - irgendwann und irgenwie - diesem Druck widersetzen zuz wollen.

All jene, die sich um unseren "Support" kümmern, Menschen ebenso wie immer mehr vermenschlchte Systeme - heute gerne "KI" genannt, haben es also nicht nur damit zu tun, dass die technischen Neuerungen richtig implementiert und möglichst auch verstanden werden, sondern sie müssen in zunehmendem Maasse gegegen ankämpfen, dass es einen wachsenden Widerstand gegen diese fortschreitenden Entwicklungen bibt - ganz zu schweigen von jenen, die sich schon heute als reanalogisierende Totalverweigerer zu widersetzen begonnen haben.

Wie zum Beispiel der hier sogleich indirekt genannte Ersteigentümer eines Navitationsgerätes, der dieses entweder gar nicht erst als Nutzer online angemeldet oder aber es unterlassen hat, es zumindest einmal jährlich aupzudaten (was für ein Unwort...) um das Firmenangebot eines lebenslagen Update-Services auch in Anspruch nehmen zu können.

GARMIN

Es war zunächst einmal unverständlich, dass es nicht mehr möglich schien, für ein in diesem Jahrzehnt erworbenen Gerät - ein ZUMO 210 LM - kein Zubehör mehr zu erhalten.

Sowohl die Aussagen von der GARMIN-Hotline als auch von der LOUIS-Hotline waren eindeutig: Zu alt!

Wir haben daraufhin nochmals auf der GARMIN-Webseite nachgeschaut. Und dieses Mal auf der Support-Seite die exakte Seriennummer des Gerätes eingegeben. Und, siehe da, es gibt noch eine Webseite zu diesem Produkt.
Es gibt sogar den Hinweis auf ein aktuelles Erklärvideo vom 1. April 2019:

Leider dennoch ein April-Scherz, denn unter der Rubrik "Software" ist zu lesen, dass für dieses Gerät keine Software mehr zur Verfügung stünde.

Oder aber man unternimmt einen zweiten Versuch und installiert zunächst einmal die GARMIN Express - Software:

Aber, es gibt noch ein Seite mit Handbüchern auf denen auch das komplette Benutzerhandbuch zu finden ist.

Allerdings enden Versuche, auf der für Deutschland eingerichteten Seite weiter zu suchen, mit einem "404"er:

Noch bleiben viele Fragen offen: gibt es noch die für dieses Gerät passenden Halterungen, auch wenn sie von GARMIN und LOUIS selbst nicht mehr vorgehalten werden? Ist der TCM-Verkehrsfunkempfänger im Anschlusskabel integriert oder kann dieses heute noch nachbestellt werden? Sollte man das Risiko eines Software-Updates überhaupt eingehen, wenn ein Karten-Update nicht mehr möglich ist? Zumal der im Handbuch vorgestellte Link: www.garmin.com/unlock/update.jsp ebenfalls auf einer 404er - Seite endet.

POSTBANK

Das leidige Thema der System-Umstellung ist nicht neu - wie dieser Beitrag Sicherheit wird hardwarelastiger aus dem Jahr 2011 zeigt - und es wird uns auch über diesen Tag hinaus begleiten. Dennoch bleibt, mehr denn je, die bange Frage, wie das Menschen begreifen und umsetzen sollen, die nicht so software- und internet-affin sind wie der Autor.

Dass aber selbst ein gewisse Vor-Kenntnis nicht vor Problemen schützt, das zeigen diese Einträge dieses Tages deutlich [1]. Und noch krasser geht es zu, wenn es darum geht, um Hilfe nachzusuchen.

Dabeii sind wir hier gut aufgestellt. Wie der oben erwähnte Beitrag zeigt, ist zum Beispiel die SEALOne-Anwendung als Alternative zum heute priaktizierten mobile-TAN-Verfahren anno 2011 als sogenanntes BestSign-Verfahren installiert worden.

Der besondere Vorteil wäre es jetzt gewesen, dass die aktuell vom System vorgenommene Sperrung des Online-Kontos über die Aktivierung des zweiten Verfahrens hätte aufgehoben werden können. Aber auch das war nicht möglich. Weshalb heute eine FAX-Nachricht mit diesem Inhalt geschrieben wurde:

FAX Sendung/Message von/from:
Dr. Wolf Siegert 施 歌 德
Leistikowstr. 3
14050 Berlin
02.05.2019

FAX Sendung/Message an/to: 040-63833381
Geschäftskundenbetreuung Konto [---]

Guten Tag, bei der Nutzung des neuen Online-Konto-Zugangs habe ich erstmals eine Überweisung mit einer mobil-TAN-Nummer ausgeführt, die mir von Ihrem System zur Verfügung gestellt wurde. Diese wurde aber – auch nach einem wiederholten korrekten Eintrag – nicht anerkannt, Stattdessen wurde die weitere Nutzung gesperrt.

Nach einer Stunde Wartezeit wurde mir am Telefon die Freischaltung über das SEAL_ONE-Account vorgeschlagen und es wurde gemeinsam versucht, dieses durchzuführen.

Ebenfalls ohne Erfolg [2].

Daher bitte ich auf diesem Wege um Überprüfung und alsbaldmöglichste Wiederherstellung des Zugangs.

Mit freundlichen Grüssen!

Da die FAX.Sendung an die von der Postbank-Geschäftskunden-Hotline auf Anfrage mitgeteilte Nummer nicht angeschlossen war, wurde das FAX als PDF-Version per Mail übermittelt. Und mit diesem Anschreiben quittiert:

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

herzlichen Dank für Ihre E-Mail an die Postbank. Gern kümmern wir uns um Ihr Anliegen. Wir bearbeiten es unter der Ticket ID 15582784, die wir zu Ihrer E-Mail vergeben haben. Aktuell erhalten wir sehr viele Nachrichten. Aus diesem Grund dauert die Beantwortung leider länger als Sie es gewohnt sind. Hierfür möchten wir Sie um Verständnis bitten.

Wussten Sie schon?
Auf https://antworten.postbank.de/ finden Sie zu vielen Fragen direkt die passende Antwort. Probieren Sie’s doch einfach mal aus.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Postbank E-Mail-Team

 [3].

BUHL

Unabhängig davon war es aber auch nach der Einrichtung aller neu zu installierenden Parameter nicht möglich, mit der WISO Konto Online Plus 2019 - Software überhaupt eine Verbindung zur Postbank herstelllen zu können.

Im Gegensatz zur Postbank lag die Wartezeit an der Hotline weit unter 30 Minuten. Und, nachdem der Fall beschrieben worden war, wurde durch den Einsatz der TEAMVIEWER-Software von Neuenkirchen aus eine direkte Inspektion der vorgenommenen Einstellungen vorgenommen.

Alles Korrekt. So das Urteil. Und die Bitte, dem Haus den Logfile der nicht ausgeführten Probeüberweisung zur Verfügung zu stellen. Das nachfolgend eingegangene Anschreiben lautet wie folgt:

Sehr geehrter Herr Dr. Wolf Siegert,
vielen Dank für Ihre Anfrage.
Bitte installieren Sie zunächst das aktuelle Update für die Online-Banking-Komponenten.
https://update.buhl-finance.com/LT/update/LetsTrade/LT5PreRelease.exe
(Bitte wählen Sie die Option "Datei speichern")
Klicken Sie bitte mit der rechten Maustaste auf die Datei und wählen Sie "Ausführen als Administrator". Startet der Updateprozess nicht automatisch, so gehen Sie bitte auf "Update".
Wenn das Verhalten weiterhin besteht, bitten wir Sie um Ihre Mithilfe zur Prüfung des Sachverhalts in Form eines Protokolls der Online-Kommunikation. Zugesandte Dateien werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Die Bearbeitung erfolgt unter Anwendung der im Bundesdatenschutzgesetz festgelegten Bestimmungen. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass die Zusendung Ihrerseits auf Freiwilligkeit beruht. Nach Bearbeitung werden wir uns umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen. Das erforderliche Protokoll können Sie mit den folgenden Schritten erzeugen:
• Gehen Sie über "Hilfe > Erweiterter Support".
• Schalten Sie die Funktion "Logdateien erzeugen" und die Option "erweitertes Logging aktivieren" ein.
Die zweite Option ist zusätzlich mit "Aktivieren" zu bestätigen.
• Führen Sie die betreffende Online-Transaktion einzeln und alleine aus.
• Gehen Sie über "Hilfe > Erweiterter Support" auf "Log-Dateien an den Support senden".
• Tragen Sie Ihre E-Mail Adresse im zugehörigen Feld ein.
• Verwenden Sie die Ticket-ID (ohne das #-Zeichen) als Vorgangsnummer.
• Lesen und bestätigen Sie die Datenschutzbestimmungen.
• Versenden Sie das Protokoll durch Klick auf "Senden".
Nach Bearbeitung werden wir uns umgehend mit Ihnen in Verbindung setzen. Für weitere Fragen, Anregungen und Hinweise stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Zu guter Letzt...

... sei hier erklärt, dass es letztendlich weder einer weiteren Intervention aus dem Hause BUHL noch von Seiten der Postbank bedurft hat, um am Ende dieses Tages die hier beschriebenen Herausforderungen selber zu meistern.

Dazu wurden schlussendlich nochmals alle Systeme aktualisiert und Zug um Zug reaktiviert. Zunächst wurde die BUHLsoftware mit der im Link bereitgestellten Software aktualisiert.
Danach die SealOne-Software nochmals als Download abgerufen, "entzippt", und dann auf dem Client eingespielt.
Nach jedem dieser Schritte wurde der Rechner neu gestartet. Danach wurde über das Postbank-Portal über den SealOne-Dongle die mobile-TAN-Gateway entsperrt.

Und danach ein erneuter Überweisungsversuch - dieses Mal erfolgreich - abgeschlossen.

Anmerkungen

[1... und so ein Experiment wird auch nicht allzu oft wiederholt werden, schluckt doch all das zu notieren nochmals einen ganzen Batzen an Energie und Durchhaltevermögen...

[2... trotz das angeblich auch äusserlich so hochwertigen Gerätes vom Typ 4100:

Oder ist dieses Gerät jetzt auch nicht mehr einsetzbar, da es nicht mehr im aktuellen Katalog aufgeführt wird?

[3Einen Tag später hat es die Postbank immer noch nicht geschafft auf die Nachricht zu reagieren, dass die Online-Buchungen des Kontos nicht mehr funktionieren. Stattdessen trifft am Freitag, den 3. Mai 2019 um 13:05 Uhr diese hier im Auszug zitierte Mail ein:

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,
herzlichen Dank für Ihre E-Mail an die Postbank. Ihr Anliegen habe ich an unsere Fachabteilung zur Erledigung weitergeleitet. Diese kümmert sich so schnell wie möglich darum. Das kann ausnahmsweise etwas länger dauern, da sich momentan viele Kunden mit einem Wunsch an uns wenden. Bei Fragen nennen Sie uns bitte die Ticket ID 15582784, die wir zu Ihrer E-Mail vergeben haben.
Gut zu wissen
• Die Fachabteilung meldet sich bei Ihnen, wenn es notwendig ist - zum Beispiel bei Rückfragen. Sie erhalten dann einen Brief, eine Mail oder eine Nachricht in Ihre Nachrichtenbox im Postbank Online-Banking.
• In Einzelfällen kann es sein, dass wir Ihr Anliegen ohne eine weitere Nachricht erledigen.
• Kennen Sie schon unser Fragen - und Antworten Portal? Hier erhalten Sie auf viele Fragen direkt eine Antwort. Schauen Sie einfach im Portal vorbei.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Postbank E-Mail-Team

Auf das zeitgleich abgeschickte FAX liegt bis zum Wochenende überhaupt keine Antwort vor :-(


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