re;publica 19/2

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 8. Mai 2019 um 09 Uhr 52 Minutenzum Post-Scriptum

 

Einmal mehr ist auch zu Beginn dieses Tages festzuhalten: Die hier zur Verfügung gestellten W-LAN-Verbindungen funktionieren nur schlecht oder gar nicht. Selbst das WLAN "IC01- Presselounge" mit dem Passwort: "Ooogoo4miep" ist nicht funktionsfähig. Die Erfahrung lehrt, dass es nach wie vor unerlässlich ist, sich seine eigene Netzversorgung zu sichern - auch wenn man dafür zahlen muss.
Der ganze Vormittag geht mit dem Thema der veröffentlichten Nachricht und Meinung um.  Es gelten die Regeln des Urheberrechts Dabei ist der Vortrag von Bernhard Pörksen Abschied vom Netzpessimismus. Die Utopie der redaktionellen Gesellschaft so sehr nachgefragt, dass von vor herein die Nach-Sichtung im Netz die Alternative zu aktuellen Anwesenheit in einer Schlange darstellt.

Es gelten die Regeln des Urheberrechts all rights reserved

Aber es gibt zwei Veranstaltungen, die davor besucht werden konnten:

- 10 Uhr: Tom Buhro und Mai Thi Nguyen-Kim auf der Bühne 6 in einem Gespräch zum Thema: Media & Journalism. Überall Wissen, aber was wissen wir wirklich?

Wir werden hiernach einige Zitat aus diesem Gespräch mit einfügen. Wichtig ist festzuhalten, dass sich hier zwei Generationen mit dem gleichen Anliegen zusammengefunden hatten: Wahrhaftig und persönliche interagieren zu wollen. Mit Respekt vor dem Anderen - und den eigenen Fehlern.

- 11 Uhr: Does Journalisme have a Future?

Dieses ist ein NYT-Titel, der heute wieder neu gestellt wird: Auf Bühne 5.

Die Aussage aus Finnland: Wir setzen Roboterjournalismus ein, damit die Redakteure mehr Zeit zum Analysieren, Denken und Kommentieren haben. Wir verkaufen in Zukunft keine Geschichten mehr, sondern die Geschichte des Prozesses der Wahrheitsfindung.

Des Aussage aus Polen: Es gab ein sehr breites Spektrum von Meinungen in einer sehr breit gefächerten Presselandschaft. Die Jungen sehen YouTube, nicht Fernsehen.

Die Frage aus Deutschland: Muss der Journalismus (mehr) Haltung zeigen? Schlesinger: Ja, aber nur in den Kommentaren. Aber sonst die krititsche, analytische Berichterstattung. Über und führ alle. Wir müssen näher an die Menschen heran, speziell an die Jüngeren. Wir müssen noch weiterhin für die "Alten" da sein mit Tagesschau und Tatort, aber wir müssen die neuen Themen mit den jungen Leuten und den Neuen Medien nicht nur an den Start, sondern auch zum Laufen bringen.

Es gibt viele Möglichkeiten, im Kleinen Erfolg zu haben. Wie zum Beispiel das "Frag Lisa"-Beispiel. Dort können Fragen an die Redakteurin gestellt werden und diese bemüht sich um die Antworten.

Das Wichtigste ist EIN VERTRAUENSMEDIUM ZU BLEIBEN. Verlässlich zu sein. Eine Antwort geben auf die "Choice Fatigue", das können, ja müssen diese Medien leisten. Aber das ist teuer, kostet Geld. Und viele Medien können sich das nicht leisten.

Und diese Aussage von der Werthaltigkeit einer Nachricht ist "Im Netz" noch nicht angekommen. Auch die Zeitungen von morgen werden im Netz Geld kosten. Und sei es ein Betrag von 2,99 pro Woche.

Schlesinger: ARD, ZDF und Deutschlandradio müssen endlich eine gemeinsame grosse Mediathek anbieten. "Wir sind da dran, aber das ist ein unendlich mühseliges Geschäft." [1]

Framing? Ist nichts Neues? Die Fibel... das war absolut unglücklich. Schon Goebbels wusste, wie er die Sprache nutzen konnte. Journalismus transparenter machen? Ja. Aber das ein Zusatzarbeit, die zumindest bei den grossen Arbeiten zum Tragen kommen muss.

So weit, so gut???

Es ist bitter zu sehen und zu hören, wie alle miteinander das Lied von den guten Menschen singen, die sich um guten Journalismus bemühen. Und wie diese Hymnen auf das hohe Gut in einem zunehmend krassen Widerspruch stehen zu den bedrohten Zukünften des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks insgesamt.

Ja. Es ist richtig: die Freiheit von Forschung und Lehre stehen nach wie vor mit einem ebenso hohen Rang im Grundgesetz wie die zu schützende Freiheit des Rundfunks. Aber wie weit ist es damit noch her? Die Ministerpräsidenten werden sich eben nicht alle gemeinsam für die zukünftige Finanzierung dieser Freiheiten einsetzen. Sei es aus Angst vor der AFD oder der FDP... Die Forderung an die Journalisten, Rückgrad zu zeigen, müssten zuförderst der Politik gestellt werden, für die dieses Thema nicht mehr von zentraler Bedeutung zu sein scheint.

- Im MediaCube wird dann vorgestellt die Reporterfabrik – Journalistenschule im Netz mit Cordt Schnibben und Maja Weber und Tarik Tesfu.

Einmal mehr geht es um das Thema der Wahrheitsfindung und -wahrnehmung. Es gibt in der "Fabrik", der WebAkademie des Journalismus mehrere Stufen, vom "Erkläre den Journalismus" bis hin zur "Masterclass" - aber die Stufen vom Bürgerjournalisten zum Journalisten werden immer fliessender.

Da der O-Ton von dieser Veranstaltung nicht aufgezeichnet werden konnte, hier im Nachgang zu diesen Präsentationen ein Gespräch mit Cordt Schnibben, in dem er seine Position nochmals in aller Deutlichkeit formuliert:

Weitere Empfehlungen des Veranstalters für diesen Tag:

re:publica 19 | Tag 2 | Was du nicht verpassen solltest:

Markus Beckedahl, Axel Voss, Jo Schück I „Voss & Beckedahl: Lass uns reden“ I 11:15 Uhr I Stage 2


„EmanziTech“ I 11:15 - 19:45 Uhr I B-Part Am Gleisdreieck


Alex Rosenblat I „The Algorithmic Boss“ I 13:45 Uhr I Stage 1


Alexis Hope I „Building Joyful Futures“ I 15:00 Uhr I Stage 1


Svenja Schulze, Markus Beckedahl, Tilman Santarius, Nadine Kreutzer I
„Die neue DNA: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Action“ I 16:15 Uhr I Stage 4


Frank Rieger I „Cyberwar, hybride Kriegführung, Desinformation – Auseinandersetzungen zwischen Machtblöcken im digitalen Raum“ I 17:30 Uhr I Stage 1 


Ulf Buermeyer, Philip Banse I „Lage der Nation – Spezial“ I 18:00 Uhr I Stage 2


Cory Doctorow I „It’s monopolies, not surveillance“ I 18:45 Uhr I Stage 1


Stefan Kloos I „Hi, AI“ (Screening) I 19:45 Uhr I Open Air Stage (Museumspark)


Nilz Bokelberg I „Gitarren statt Knarren – Wir holen uns den Protestsong zurück“ I 20:00 Uhr I Stage 2


Aus dieser Empfehlungsliste angenommen:

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- Der Vortag von Cory Doctorow I „It’s monopolies, not surveillance“. Und anstatt wieder Schlange zu stehen, die Entscheidung, sich die Veranstaltung auf der ersten Etage in dem inzwischen fast menschenleeren Business-Bereich via Streaming anzusehen. Dort funktionierte jetzt auch zeitweise das W-LAN und es war möglich, zumindest einen Teil seiner Aussagen, samt einiger mangels W-LAN verursachter Pausen, aufzuzeichnen:

Was die Präsentation dieses Mannes und seiner Sätze betrifft, so soll diese Aussage Marcus Richter überlassen bleiben, der darüber am Abend in der Sendung FAZIT im Deutschlandfunk Kultur berichtet: Internet-Aktivist Cory Doctorow. Übersetzer zwischen den Sphären:

Cory Doctorow: Der politische SciFi-Autoren-Aktivist auf der re:pubilca19

Nicht in dieser Auswahl-Programm hier diese Hinweise auf diese Veranstaltungen, die für diesen Abend an dieser Stelle vorgestellt werden werden sollen, wenngleich auch eine eigene Teilnahme nicht mehr möglich sein wird:

- A University for the 21st Century mit Sophia Rost und Jörg Hafer

- Twitterlesung

Björn Grau, Inés Gutiérrez, Tina Pickhardt, Michael Seemann

Passend zum Motto "too long, didn’t read" lesen Tina Pickhardt, Sue Reindke, Michael Seemann, Dirk Baranek, Björn Grau und einige bisher geheime "Influencer" wieder Tweets vor. Geeignet für alle, die zu faul zum Selbstlesen sind oder in einer großen Gruppe nachdenken, lachen und weinen wollen; hier ist für alle was dabei.

- Höhepunkt und vielleicht inhaltlich der tiefste Punkt dieses Tage aber war dieser Auftritt von Frank Rieger, der auch als Live-Stream eingesehen und daher hier in voller Länge aufgezeichnet werden konnte: Politics & Society Participatory Paradise. Cyberwar, hybride Kriegführung, Desinformation – Auseinandersetzungen zwischen Machtblöcken im digitalen Raum.

Wer ihm zugehört und auch nur im Ansatz verstanden hat, "was Sache ist", wird verstehen, warum es längst notwendig geworden ist, diesen Auswüchsen einer digitalen Netz-"Kultur" mit einer Radikalität zu begegnen, die vielen noch fremd und unverständlich erscheinen mag.

Es gelten die Regeln des Urheberrechts all rights reserved

Wohl wissend, dass uns das Leben und Arbeiten in und mit "dem Netz" immer noch auch viele Vorzüge zu Wege bringen mag, wird jetzt klar, dass auf der geopolitischen Ebene dieser virtuelle Kommunikationsraum längst verdorben, verseucht und zu einer Brutstätte vom Hass, Gewalt und Lüge verkommen ist. Und das bewusst, nach Plan, mit klaren politischen Zielen. Nicht das Netz ist kaputt, sondern das "Gute, Wahre und Schöne", für dessen Erhalt - ja Wiedergeburt - sich immer noch so viele so gerne auch auf dieser Konferenz hier einzusetzen bemühen.

P.S.

Aufzeichnungen wie diese entstehen live am Tage der Veranstaltung und werden nicht immer frei von Tippfehlern etc. sein - aber auch Hinweise auf solche Dinge werden selbstredend angenommen und später eingearbeitet. Merci. WS.

Hier auch heute wieder noch der Text der Zusammenfassung aus Veranstaltersicht:

re:publica 19: Die Highlights von Tag 2

Berlin, den 07. Mai 2019 - Die re:publica 19, Europas größte Konferenz zu den Themen Internet und digitale Gesellschaft, ist in vollem Gange. Auch am zweiten Tag begeisterte das Programm tausende Teilnehmer*innen und sorgte für voll besetzte Zuschauerränge vor den Bühnen, inspirierenden Austausch bei Workshops und Panels sowie spannende und wegweisende Diskussionen – vor Ort und im Netz.

#rp19 | Tag 2: Das waren die Highlights

Der Tag startete mit einer angeregten Debatte zwischen dem EU-Abgeordneten Axel Voss und Markus Beckedahl um die EU-Urheberrechtsreform. Während Axel Voss weiter hinter der Reform steht und sie für „arbeitsfähig“ erklärte, äußerte sich netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl kritisch: „Meine Befürchtung ist: Man hat mit der Schrotflinte auf Youtube geschossen und das halbe Internet getroffen.“

Designerin und Forscherin Alexis Hope sprach in ihrer Keynote darüber, wie wir „Joyful Futures“ kreieren können und welche Rolle faires Design dabei spielt. Frank Rieger, Hacker, Autor und einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), warnte davor, dass die Netze und unsere Digitalgeräte zu Konfliktzonen geworden wären und Nutzer*innen als Kollateralschaden in den Auseinandersetzungen zwischen Staaten sowie Konzernen enden würden. Bundesumweltministerin Svenja Schulze diskutierte mit Expert*innen die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung und stellte erstmals zentrale Thesen und Leitfragen der Fortschrittsagenda des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zur Digitalisierung vor. Auf der Jugendkonferenz TINCON, die erstmalig zeitgleich und im Rahmen der re:publica stattfindet, erklärten Luisa Neubauer und Jakob Blasel von #FridaysforFuture, warum es wichtig ist, sich zu organisieren und aktiv zu werden. Live auf der re:publica aufgezeichnet wurde zudem der Polit-Podcast „Lage der Nation“ mit Philip Banse und Ulf Buermeyer.

Im Deutschen Technikmuseum eröffnete heute morgen die Festival-Direktorin des Lollapalooza, Fruzsina Szép, die Fachkonferenz „Events re:loaded“ und teilte Einblicke hinter die Kulissen des Musikfestivals. Die Fachkonferenz bot Expert*innen Raum für fachbezogenen Austausch und Wissenstransfer zum Thema Festivalisierung von Veranstaltungen und untersuchte die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Eventbranche. Bei der Fachkonferenz „Digital Hemp – Hanf: Das Öl des 21. Jahrhunderts“, die mit einem re:publica 19-Ticket frei zugänglich ist, können Teilnehmer*innen am morgigen Mittwoch ab 9.00 Uhr im Deutschen Technikmuseum alles über das Potenzial der Hanfpflanze erfahren. Eröffnet wird die Fachkonferenz von Cheryl Shuman, Ikone der kalifornischen Cannabis-Szene, mit einer Keynote über die Umsetzung von Geschäftsmodellen mit Hanfprodukten.

Die neue re:publica-Location B-Part Am Gleisdreieck stand am heutigen Dienstag ganz im Zeichen von „EmanziTech“. Verschiedene Talks und Workshops beleuchteten, inwiefern sich durch digitale Technologien alte Diskriminierungsmuster aufbrechen lassen und Emanzipation und Technik miteinander einhergehen.

Noch bis 21:45 Uhr läuft auf der Lockschuppen-Bühne im Musuemspark des Deutschen Technikmuseums das Filmscreening „Hi, AI“. Die Dokumentation zeigt Liebesgeschichten der Zukunft und untersucht, wie das Zusammenleben mit künstlicher Intelligenz und humanoiden Robotern aussehen wird. Im Anschluss an das Screening wird Produzent Stefan Kloos Fragen des Publikums beantworten.

Anmerkungen

[1Echt kradd: Im Verlauf dieses Tages wurde mit einer ganzen Reihe von MitarbeiterInnen von ARD und ZDF gesprochen und festgestellt, dass niemand, wirklich niemand von diesen das https://mediathekview.de/-Angebot kannte.


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