HS030 Design Thinking (I)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 15. Mai 2019 um 21 Uhr 58 Minuten

 

"Design Thinking"ist kein klassisches Studienfach und sollte auch nicht als ein solches gelehrt werden. Auch dann nicht, wenn aus dieser einst wegweisenden Idee heute eine ganze Disziplin mit einem ganzen Universum an Möglichkeiten erwachsen ist.

Aus dieser Einsicht heraus wurde der Unterricht zu diesem Thema nach mehreren Bachelor-Kursen an der bbw-Hochschule für ein Jahr unterbrochen, um jetzt erneut auf- und als Herausforderung angenommen zu werden.

Das fiel umso leichter, da zwischenzeitlich auch von Seiten der Hochschule einige der notwendigen Voraussetzung für eine weiterhin erfolgreiche Arbeit geschaffen wurden: von der Ausstattung der Räumlichkeiten bis hin zur Beschränkung der Kursgrösse.

Geblieben ist die besondere Positionierung dieses Kurses in die Zeit des letzten Semesters, unmittelbar vor dem Anlaufen der für die Erstellung der Bachelor-Arbeit notwendigen Periode.

Von daher wurde vor der Wiederaufnahme des Kurses beschlossen, zu dessen Beginn auf diese besondere Situation einzugehen. Im Verlauf dieser an diesem Tag aufgenommenen und schon in der Folgewochen abgeschlossenen gemeinsamen Zeit soll es darum gehen, nicht die Last noch weiter zu erhöhen, sondern vielmehr Methoden kennenzulernen, die schon bei der Erstellung der Bachelor-Arbeit hilfreich sein können - und weit darüber hinaus.

Es wird also notwendig sein, zunächst einmal die Studierenden nach ihrem aktuellen Stand der (Arbeit-)Anforderungen und ihren (beruflichen) Plänen und Wünschen zu befragen. Der Unterrichtsstoff wird daran auszurichten sein, ob die Mehrzahl der Studierenden ein Master-Studium avisiert oder sich eher an der Idee einer an die Prüfung anschliessenden Berufsaufnahme orientiert.

Bei aller Diskretion, die zwischen den Beteiligten einerseits und gegenüber der Aussendarstellung andererseits vereinbart wurde, lässt sich festhalten, dass die ungefähr zu gleichen Teilen aus Jungen und Mädchen bestehende Gruppe auch in etwa zu gleichen Teilen sich auf die eine oder andere hier skizzierte Perspektive vorbereitet.

Das bedeutet ganz konkret, dass vor allem jene, die unmittelbar danach eine freie oder feste Beschäftigung anstreben, sich mit dem Hinweis, sich in ihrer Ausbildung auch mit "Design Thinking" (kurz: DINKING) beschäftigt zu haben, im Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt einen besonderen Vorteil versprechen können.

Andererseits ist auch klar, dass die damit an sie herangetragenen Erwartungen nur schwer zu erfüllen sein werden, wenn man sich diesem Thema gerade mal zwei Wochen lang angenähert hat, während an anderen Bildungseinrichtungen - auch in Deutschland - mit diesem Sujet ein ganzes Master-Studium ausgefüllt wird.

Diese Bedenken konnten aber im Verlauf dieses ersten Tages zunächst einmal zurückgestellt werden, zumal sich herausstellte, dass 2/3 der Studierenden "nebenher" schon jetzt "in Arbeit" sind. Und einige von diesen wiederum sich vorstellen könnten, an diesem Arbeitsplatz auch ihre weitere berufliche Laufbahn beginnen zu können.

Insgesamt also standen daher eher die Wünsche nach einem hohen Grad an Praxisnähe im Vordergrund. Und so schien es sich als Vorteil zu erweisen, nicht so gleich mit dem vollen Vorlesungsstoff eingestiegen zu sein, sondern zunächst einmal die Situation, Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten auszuloten. [1]

Damit unterscheidet sich auch dieser Eintrag dieses Tages von den Voraus-Setzungen vergangener Kurse. Denn diese Seite war mit Beginn dieses Kurse noch nicht mit den einführenden Ausführungen Dritter ausgefüllt. Vielmehr wurde der Versuch unternommen, aus der Dynamik des Unterrichtsgeschehens selbst die Möglichkeiten und erste methodischen Schritte zum Erwerb von Kompetenzen zu diesem Thema abzuleiten, anstatt diese hier als gesetzt vorzugeben.

Im Verlauf des Tages wird u.a. vereinbart, dass die jeweils zum Ende diese Tages erstellten Aufzeichnungen - so auch diese - von den Studierenden gegengelesen, geprüft, ergänzt oder ggf. auch korrigiert werden [2] [3]

Das gilt auch für die hier nachfolgend aufgezeichneten Stichpunkte, die den Verlauf dieses ersten Tages aufgreifen, zusammenfassen und reflektieren:

- Begrüssung der Anwesenden

- Beschreibung der Kursstruktur

- Abfrage der Interessen [4]

- Abfrage der Bekanntheit des Themas [5]

- Spielregeln [6] werden festgelegt

- Prüfungsrahmenbedingungen [7]

- Themenwahl [8]

- Klärung: Klausur oder Präsentation [9]

In einem sich an diese Frage anschliessenden dynamischen von der Gruppe selber initiierten Prozess stellt sich heraus, dass drei der Anwesenden eine Klausur favorisieren würden, acht dagegen eine Präsentation.

Für beide Positionen werden jeweils durchaus nachvollziehbare Argumente vorgetragen. Die Aufgabe bis zum Ende des Tages bestand darin, hier eine gemeinsame Linie zu finden, ohne dass es dabei am Schluss irgendwelche "Sieger" oder "Verlierer" geben würde.

Auf Wunsch wird nochmals erläutert, was eine solche Präsentation leisten sollte:
"Die Aufgabe der ’Präsi’ wäre es zu zeigen, wie man sich mit den Methoden von DINKING einer Aufgabenstellung, einem Problem, einer Herausforderung, einer Idee angenähert und Antworten auf die in diesem Zusammenhang anstehenden Fragen gefunden hat... [10]
... oder auch nicht: Auch die Dokumentation des Scheiterns eines in diesem zwei Wochen avisierten Vorhabens kann Gegenstand einer mit Erfolg absolvierten Abschlussarbeit für diesen Kurs sein.

Noch vor dem Ende des für diesen Tag avisierten Zeitraums gab es nicht nur eine Klärung zu der Frage, wie die Prüfung am letzten Tag aussehen könnte, sondern es lagen auch bereits erste Themenvorschläge vor, die dann im Nachgang in Einzelgesprächen weiter eruiert werden konnten [11]

Bravo!

Anmerkungen

[1Hier als "Gegenbeispiel der Link zur Eröffnung des Bachelor-Kurses vom 1 April 2016 Ästhetik - Design - Denken (I).

[2Dieser Prozess wurde auch zu Beginn dieses Kurstages durchgeführt und der jetzt hier vorgestellte Text von allen Anwesenden so gutgeheissen.

[3Auch das mag zunächst ungewöhnlich sein, dass nicht die Studierenden, sondern der Dozent selbst "Protokoll schreibt". Ist es aber - vom methodischen Ansatz her gesehen - eigentlich nicht: Wer die Menschen ins "Neuland" führt obliegt der Verpflichtung, auch an der Karte / der Carta dieser Entdeckungsreise mitzuwirken. WS.

[4(als Tonaufzeichnung, die aber nicht veröffentlicht, wohl aber auf Wunsch am Ende de Kurses den Studierenden zum "Soll-Ist-Vergleich" zur Verfügung gesellt wird)

[5(Wenig Vorkenntnisse, viel Neugier)

[6... von den Rechten an der eigenen Mail-Adresse bis zur Verschwiegenheitspflicht des Dozenten)

[7... werden erläutert und auf dem Hintergrund der Erfahrung mit vorangegangenen Kursen diskutiert und präzisiert

[8... diese können vorgegeben werden, sollten aber vorzugsweise solche sein, die die Studierenden selbst interessieren, betreffen, wertschätzen

[9(Wunsch: Bitte an die Anwesenden, sich am Schluss gemeinsam nur für das Eine oder das Andere zu entscheiden)

[10Es ist nicht möglich, in zwei Wochen eine Firma aus der Taufe zu heben, aber wir können die Methode begreifen, die helfen können, eine neues Projekt, eine zukünftige Firma nicht gleich gegen die Wand zu fahren.

[11Das einzige, was wir alle versäumt haben, war, die auf der dafür extra eingerichteten Arbeitswand mit Positions- und Themakarten entwickelten Ergebnisse als Foto zu fixieren. Never mind :-)


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