11.11. 17:11
Berlin. Wie es sinkt und lacht

ZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 14. November 2005 um 07 Uhr 25 Minuten

 

Der politische Kommentar ist nicht gerade ein Schwerpunkt dieser Seiten. Aber angesichts eines solchen Tages, den viele Politiker in Berlin sogar als "historische" (dis)qualifizieren, ist es Bürgerpflicht, sich einzumischen.

Die an diesem Tag nach 39 Jahren zum zweiten Male in der Geschichte dieser Republik beschlossene Koalition zwischen den so genannten Volksparteien SPD, CDU und CSU ist und bleibt eine Koalition der Verlierer.

Die SPD hatte bei den Wahlen besser gepunktet als befürchtet - und dennoch verloren. Die CDU/CSU schlechter.
Niemand hat allein sein Ziel erreichen können.

Und jetzt also doch: die SPD bleibt an der Macht, und die CDU macht mit Frau Dr. Merkel erstmals wieder Politik an der Spitze dieser Republik.

So weit - so gut?

Der 11. November ist mit dem Startermin 11 Uhr 11 nicht nur der Beginn der so ganannten närrischen Zeit, sondern eigentlich auch der Beginn einer Fastenperiode, die einst bis zu den Weihnachtstagen angehalten hatte.

Ab heute wird nun auch das Heilfasten innerstaatlich beschlossen und damit ebenfalls dem Einzelnen als Aufgabe abgenommen. Und das weit über die Weihnachtstage hinaus.

Während den Bürgern das Lachen längst vergangen ist, hat man in diesen Tagen selten so deutlich lachende Gesichter gesehen wie anlässlich der Verkündigung des Vertragsabschlusses zwischen den Parteivorsitzenden.

Humor, sagt man, sei, wenn man trotzdem lacht. Hier ist dagegen bitterer Ernst angesagt und das Lachen offenbart vielmehr die abgefallene Last, seine Ziele nicht mehr erreichen zu können.

Das Ganze war kein Befreiungsschlag sondern die Befreiung der von den Voten des Volkes Geschlagenen, die es dennoch in den Bundestag geschafft haben.

Dieser Tag ist "historisch" auf eine Weise, die viele heute noch gar nicht verstanden haben: er zeigt ein Berlin, wie es sinkt - und lacht.