Die Kontinuität der Diskontinuität

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 27. November 2005 um 13 Uhr 55 Minuten

 

Sorry: für diesen etwas aufgeladenen Titel.
Aber: er bringt es auf den Punkt.

Auf den Internetseite von www.bundesregierung.de  [1]
bekommen wir gleich oben auf der Seite Eins präsentiert:
ein Bild der Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel samt der UnterSchrift:
"Merkel: Die Menschen messen uns daran, ob
wir die Arbeitslosigkeit erfolgreich bekämpfen.
"

Hatten wir nicht den gleichen EinSatz schon vor 7 Jahren so ähnlich gehört? Das alte Lied also, mit neuen Stimmen?! [2]

Zum Abschied liess Schröders vierte Frau in Hannover beim Grossen Zapfenstreich den "Mackie-Messer-Song" spielen. In einer IntoNation des Musikkorps’ der Bundeswehr. Eine deutsche Militärkapelle spielt Weill - und wir denken Brecht. Auch so etwas war bislang unerhört - und wohl die letzte Innovation [3] der letzten Regierung

Foto: REUTERS
Es gelten die Regeln des Urheberrechts all rights reserved

Ob man will oder nicht: man muss der Koalition schon fast wünschen, zumindest die nächsten vier Jahre zu überstehen, um sich dieser Herausforderung in der Praxis zu stellen. Selbst Innovation ist angesagt [4]

Denn: Was wäre, wenn sich auch die letzten an diese Politik noch gehefteten Hoffnungen - nach den grossen rot-grünen der kleinen Koalition die kleinen schwarz-roten der grossen Koalition - enttäuscht würden?
Was wäre, wenn die Männerriege alles nur erdenkliche tun wird, "die Merkel" wieder aus dem Sattel zu heben?
Was wäre, wenn der Deutsche Michel nach den nächsten vier Jahren so da stehen würde wie der tumbe Tor, der auch dann nicht mehr zu wissen glaubt als je zuvor?

Wer im Kleinen zu lesen gelernt hat, was die "Grosse Politik" schon jetzt zu Wege bringt, hat jene bittere Wahrheit schon verstanden, die Andere noch mit Mut und Entschlossenheit zu bekämpfen versuchen.

Eine weiter wachsende eh’ schon hohe latente Agression wird sich irgendwann ihren eigenen Ausdruck verschaffen: zu spät, um ihrer dann noch Herr werden zu können. Und die flammenden Autos in Frankreich werden ein Treppenwitz der Geschichte sein gegenüber der neuen Hassliebe vieler vergeblich entflammter Herzen von Bürgern dieses Landes.

Um uns noch vor der eigenen Zukunft zu retten, sind eine halbe Generation nach der DDR mit ihrem qualifizierten Personal die letzten Bataillone aufgefahren worden.

Der Rot-Grüne-Traum des Westens wurde jetzt gesamtdeutsche Realität in Schwarz-Rot. Es vermengen sich so das positiv Erreichte - die Einheit und der Kompromiss - mit dem negativ Erreichten: einer Koalition der Wahlverlierer.

Ob uns die Senkung der Zahlen der Arbeitslosigkeit noch retten kann?

Einst sind vielen von unseren Eltern von der braunen Brut mit schwarzen Zahlen getäuscht worden. Wir, die Nachgeborenen, hüten wir uns vor jeglicher Form der Selbsttäuschung. Das Sicherste, so Brecht, bleibt immer noch der Zweifel.

Mit Dank zitiert aus:
http://desideria.twoday.net/20050405/
Es gelten die Regeln des Urheberrechts all rights reserved

WS.

Anmerkungen

[1Entstanden ist der eigentlich für dieses Publikation ungewöhnlich politische Text nach einer intensiveren Sichtung des "runderneuerten" Internetauftritts. Dort sind inzwischen - a.s.a.p. - die Spuren des Wirkens der bisherigen Regierung so weit als möglich getilgt worden (und auch dieser hier zitierte Aufmacher wird wohl schon so nicht mehr zu sehen sein, wenn der Leser sich nachzuschauen bemühen würde - testen Sie selber den Link!).
Und der Rest des Grossreinemachens wird auch noch im Grammatikalischen stattfinden.
Und dann wird selbst Bernd Neumann nur noch als " d e r " Kultur-Staats-Minister apostrophiert werden und das " d i e " aus den Überschriften verschwunden sein.

[2Als eines von vielen Textbeispielen dazu die - auch heute noch einsehbare - ZEIT-Kolumne Schlag nach bei Schröder von Uwe Jean Heuser aus der Ausgabe 24/2001

[3... beim Marsch durch die Institutionen [sic!]

[4So Ulrich Wilhelm bei der Übernahme der Amtsgeschäfte im Presse- und Informationsamt am Freitag, den 25.11.2005:

In seiner Abschiedsrede hat der bisherige Chef des Presse- und Informationsamtes Béla Anda darauf verwiesen, welchen erheblichen Modernisierungsprozess das Bundespresseamt in den letzten Jahren eingeleitet und durchgesetzt habe. Das sei notwendig gewesen, da sich die "Newszirkel in dieser Stadt immer schneller und schneller gedreht haben." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel war bei der Amtsübergabe an Ulrich Wilhelm dabei.

Die Bundeskanzlerin hob hervor, dass nunmehr gute Voraussetzungen bestünden, um die weiteren technischen Innovationen fortzusetzen: "Ich glaube, dass wir gut gerüstet sind." Sie sei jedenfalls sehr gut eingestimmt, da bei ihrer ersten Auslandsreise alles reibungslos geklappt habe. [...]

Der neue Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte Merkel bereits auf ihrer ersten Auslandsreise nach Paris und Brüssel begleitet und wurde dort rund um die Uhr mit Nachrichten und Fotos versorgt. In seiner kurzen Antrittsrede kündigte er an, das Haus auf die modernen Herausforderungen einzustellen: "Wir müssen versuchen, innovativ zu sein". (Hervorhebung durch den Autor)


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