20 Jahre Cebit - in den Medien

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 29. Dezember 2005 um 07 Uhr 54 Minuten

 

Unter den ersten eingehenden Pressemeldungen von der heute in Hannover durchgeführten CeBIT-Fach-Pressekonferenz finden sich auch erste Hinweise auf das Thema: "20 Jahre CeBIT".

Jürgen Voges von AP schreibt in stern.de von 18:00 unter dem Titel:

Computermesse Cebit sucht Anschluss an vergangene Größe
Selbst die Computer-Spiele, die einst ausgelagert wurden, haben 2006 zum 20-jährigen Cebit-Jubiläum auf der Messe wieder ihren Platz. Gerade Computerspiele würden "die Technologie vorantreiben", meinte Messe-Chef Raue. Davon, dass sie auf der Cebit nicht verloren hätten, könne keine Rede sein.

Der gleiche Text findet sich unter dem Kürzel von HB HANNOVER in der Online-Ausgabe von Handelsblatt.com von 17:41 Uhr unter dem Titel:

Sonderausstellung mit Unterhaltungselektronik
Cebit will zurück zu Spiel und Unterhaltung
Selbst die Computer-Spiele, die einst ausgelagert wurden, haben 2006 zum 20-jährigen Cebit-Jubiläum auf der Messe wieder ihren Platz. Gerade Computerspiele würden „die Technologie vorantreiben“, meinte Messe-Chef Raue. Davon, dass sie auf der Cebit nicht verloren hätten, könne keine Rede sein.

Und ausgerechnet im Info-Portal der GAMEBANK ist dazu zu lesen:

CeBIT bleibt Businessmesse
Die Deutsche Messe plant keinen Strategiewechsel für die CeBIT (9. bis 15. März 2006 in Hannover). "Die CeBIT bleibt eine Businessmesse", erklärte Vorstandsmitglied Ernst Raue in einem dpa-Interview. Nichtsdesto trotz will man sich weiter der Unterhaltungselektronik öffnen. Knapp ein Fünftel der gesamten Ausstellungsfläche der CeBIT werden Firmen der Unterhaltungselektronik belegen. Der Bereich "Digital Living" richtet sich als einziger auch an Endkunden. Dadurch werde die CeBIT aber keine Endverbrauchermesse, betonte Raue.
Die Deutsche Messe rechnet für 2006 mit der gleichen Ausstellerzahl wie im Jahr davor. Dort waren es 6300 gewesen. Allerdings haben einige Big Player bereits ihren Verzicht angekündigt, darunter Sony Deutschland, E-Plus und Philips. Mit der Ankündigung der Messe Berlin, die IFA - Internationale Funkausstellung Berlin 2006 nun im Jahresrhythmus stattfinden zu lassen, ist die CeBIT erheblich unter Druck geraten.
Entsprechend forciert man die Bemühungen und veranstaltet beispielsweise Mitte Dezember am Vorabend der Pressekonferenz unter dem Motto "20 Jahre CeBIT" eine Gala, die von Barbara Eligmann und Wigald Boning moderiert wird.

Dieser Hinweis bezieht sich auf eine vom
hightech presseclub e.V. angekündigte Veranstaltung im Acanto in der Dragonerstrasse mit Barbara Eligmann und Wigald Boning als Moderatoren. [1]

Allerdings gibt es am Folgetag in der Rede von Messevorstand Ernst Raue auf dem Fachpressetag am 13. Dezember 2005 in Hannover: "Wir sind und bleiben die Welt-Plattform für die ITK-Business- und Lebens-Welt" eine Folie zu diesem Thema zu sehen. [2]

Und es gibt die von Christian Spanik vorbereiteten AV-Einspieler, in denen er auch jene Visionen - etwa bei Apple und IBM - zitiert, die 15 Jahre und länger zurückliegen. [3]

Abschliessend noch der Hinweis auf das von BurdaYukom im Auftrag der CeBIT produzierte Executive Magazin 01 , in dem die Zeit von 1986-2006 mit 12 Seiten Schwerpunkt seiner zweiten Februar-Ausgabe sein wird - und zwar in Deutscher und in Englischer Sprache [4]

Anmerkungen

[1Weitere Informationen dazu waren auf der CeBIT-Webseite www.cebit.de auch unter Zuhilfenahme der Funktion "Erweiterte Suche" nicht zu erhalten.

[2Da der Live-Zugang zum Streaming-Angebot von einer Reihe von Rechnern in Berlin nicht möglich war, verweisen wir auf die Website der Firma TV-onweb mit ihrer Aufzeichnung vom Presse-Talk der Deutschen Messe AG zur CeBIT 2006 .

[3Hier ein Auszug aus einem Zitat einer dem Presse-Service der Deutschen Messe AG entnommenen Darstellung vom 19. März 2001, in der Christian auf seine eigene Geschichte als EDV-Nutzer zurückgreift.

[...] Als die ersten Computer auf den Markt kamen, waren sie eine Betaversion unserer heutigen Realität: nicht ernst genommen, belächelt, eigentlich kaum präsent. Weit davon entfernt, revolutionär zu wirken .
Als ich meinen ersten VC20 (viele werden sich nicht einmal mehr an den Namen, dieses "Volkscomputers" von Commodore erinnern) hatte, da war die wichtigste Frage meines Umfeldes: Was machst Du damit?
Weil ich Schüler war, musste ich mich aber - außer gegenüber meinen Finanziers in Form meiner Eltern - auch nie ernsthaft dazu äußern Meine Eltern nahmen die Computerbegeisterung mit demselben verständnislosen Achselzucken hin, mit dem sie auch akzeptierten, dass ich Musik hörte, die sie nicht mochten oder erstaunt dabei zusahen, wie ich einen bunten Würfel mit Quadraten, den man drehen konnte, solange bearbeitete, bis alle Quadrate einer Farbe auf einer Seite waren.

Rubiks Cube - ein käufliches Denksporträtsel der 80er Jahre - war meinen Eltern genauso unverständlich, wie mein erster Computer. Was für einen Sinn hatte das Kästchen mit der Elektronik drin? Keine Ahnung, aber Hauptsache, der Junge lungert nicht auf der Strasse herum ...

Die Anschaffung wurde per Ferienarbeit und Taschengeld von mir mitfinanziert. Und das war es dann. Später im Berufsleben war die Argumentation schwerer. Was machst Du mit diesem Apple II ? "Zum Beispiel meine Scheckverwaltung, damit ich weiß, was ich ausgegeben habe", war meine Antwort. Das Grinsen der nicht PC-Leute war unübersehbar: "Ach - und den Kasten hast Du immer dabei, wenn Du einen Scheck ausstellst...?"

Sie hatten recht. Der Computer war Selbstzweck. Hobby, Technikbegeisterung usw.. Bis die Buchhalter ihn entdeckten. Der PC begann nicht als Multimedia- Überflieger, sondern als kleiner Angestellter, als Rechenknecht. Die Buchhalter faszinierte seine Fähigkeit, immer wieder dieselben Zahlenkolonnen klaglos durchzurechnen, bis schließlich die Bilanz so war, wie man es wollte. Dieser Punkt, so könnte man bösartig sagen, hat sich dann bis zur New Economy gehalten. Zahlenspiele, bis alles so war, wie man es wollte und die Anleger anbissen. Und es war nicht schwer, sie zu überzeugen.
E-Tralala, Sowieso.com - wer ist das? Achselzucken, Aktien kaufen. Hauptsache, das Geld liegt nicht auf einem Sparbuch herum.

Zurück zu meinem ersten Computer: Wer hätte gedacht, dass diese Kiste - belächelt von meiner Umwelt - einmal nicht nur Schecks verwalten würde, sondern komplette Bankgeschäfte abwickelt? Aber nicht vergessen: Das ist mehr als 20 Jahre her! 1984 war das Jahr, in dem Apple einen Fernsehspot beim amerikanischen Superbowl zeigte, der den MacIntosh vorstellte! Ich glaube 1980 wählte das TIME Magazin den Computer zum "Mann des Jahres"!

Mehr als 20 Jahre brauchte das belächelte Ding zum akzeptierten Arbeitsgerät, vom vermeintlichen Arbeitsplatzkiller zur Jobmaschine. Als Thomas Koschwitz in der 24-Latenight- Talkshow Hans Olaf Henkel fragte: "Wo waren Sie, als die Weichen gestellt wurden, Leute für die Berufe der Zukunft auszubilden, die Sie heute so händeringend suchen?" gab Henkel sinngemäß die kluge Antwort: Wir wollten ja. Aber die damaligen politischen Entscheider und viele andere redeten nur darüber, wie viele Arbeitsplätze die Maschinen vernichten
würden. Über Ausbildung für die Zukunft aufgrund dieser Maschinen konnte man mit denen, die heute danach rufen, dass wir Leute brauchen, gar nicht sprechen.

Fazit dieses Exkurses in die Vergangenheit: 20 Jahre später haben wir ungefähr eine Idee, was eigentlich damals, mit den ersten Computern, für alle angeschoben wurde. Das Einzige, was an den Begriffen New Economy, New Media und Co. wichtig ist, ist das "New". Es wird wohl nicht 20 Jahre, aber mehr als zwei oder drei Jahre dauern, bis wir verstanden haben werden, wie unsere Zukunft und die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen, was UMTS & Co. für eine Bedeutung haben. Und nebenbei: Das vieldiskutierte Jahr-2000- Problem hatte damit zu tun, dass selbst die Hersteller nicht glaubten, dass der Computer so lange und eine für die Zukunft so wichtige Rolle spielen würde. Hätten sie sonst mit dem zweistelligen Jahresdatum, das soviel Speicherplatz nun auch wieder nicht kostete, eine Art Verfallsdatum eingebaut? 00 stand für 1900, weil man nicht ernsthaft bis 2000 gedacht hatte. Die mangelnde Zuversicht der Branche damals - die primär aus kleinen Garagenunternehmen bestand - sorgte für diese Sparmaßnahme von zwei Byte. Die übergroße Zuversicht bei allem, was mit "E" beginnt, war nur die verspätete Gegenreaktion einer vom Erfolg des Computers völlig überraschten Branche. [...]

[4Und es wäre sicher von Vorteil, wenn es auf der englischsprachigen CeBIT-Website neben den mit Musik unterlegten "currrent pictures from 18.03.2004" auch das eine oder andere Streaming-Angebot gäbe, in der aktuellere Aussagen mit einem Voice-Over in englischer Sprache nachverfolgt werden könnten: so auch von der Fach-Pressekonferenz vom 13. Dezember 2005 - die hier von Berlin aus kommentiert wurde.
PS.: Eine Zusammenfassung der Aussagen der PK vom 13.12. findet sich seit dem 21. Dezember in dem Statement Ernst Raue Member of the Board of Deutsche Messe AG


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