Games Convention: Day ZERO

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 24. August 2006 um 12 Uhr 09 Minuten

 

Echt clever, die Leute in Leipzig: Auf der heute mit dem Fachbesucher- und Medientag beginnende Games|Convention G|C ist unter dem Begriff "Spielen" vertreten, sowohl etwas für die "Gamer" -> Motto: "come play"


als auch etwas für die "ganze Familie" -> Motto: "komm’ spielen"

Es gibt also in den nächsten Tagen sowohl etwas für die "böse" und für die "gute" Welt, für die hard-core-ego-shooter ebenso wie für die gute und möglichst noch heile und heilende Welt der Famílie.

Dieses Thema wurde erstmals in diesem Jahr von Sabrina Ebitsch am 7. Januar 2006
Feuilleton der Berliner Zeitung  [1]angsprochen. In "Das Blaue vom Himmel" beschreibt sie eine Werbecampagne, die das Idyll der frühen Computerspielwelten zurück fordert.

Die Welt ist schlecht, aber sie könnte schlimmer sein. Sie könnte so sein, wie sie aus CDs, aus dem Internet und Spieleboxen auf den Bildschirm gekrochen kommt. So, wie sie in Computerspielen vielfach behauptet wird. Ausnahmslos bevölkert von finster dreinschauenden Gangstas in Baggy-Pants mit goldkettenverhangener Brust, durchzuckt vom Mündungsfeuer der Schnellfeuerwaffen, alles in einer apokalyptischen Szenerie halb verfallener Gebäude, gehalten in düsterem Grau.

Dagegen regt sich Widerstand. Eine Internetkampagne zelebriert eine Utopie virtueller Art. Auf der Website "www.ukresistance.co.uk" fordern Spieler blauen Himmel, quietschbunte Farben und strahlenden Sonnenschein. Die "Blue Sky in Games Campaign" ist ein Pläydoyer für knuddelige Monster-Gegner, für Hüpf-Attacken als gefährlichste Waffe, für fröhliche Fantasiewelten. So wie das früher war mit den Klempnermeistern "Mario" und "Luigi" aus der Nintendo-Reihe "Super Mario Bros.", der Sega-Figur "Sonic the Hedgehog", mit den kleinen Drachen aus "Bubble Bobble", oder auf den "Rainbow Islands".

Blühende Bildschirmlandschaft

Spürbar wird darin ein romantisches Sehnen nach dem klassischen bonbonfarbenen Design der Spiele der älteren Generation. "Wir wollen Bananen aus magischen Schlössern sammeln und uns nicht den Respekt fiktionaler Bandenführer verdienen. Wir wollen unsere Lebensenergie mit dem Sammeln gebratener Hähnchen wieder aufladen und nicht, indem wir Drogen in die einzige noch auffindbare Vene injizieren. Wir wollen Musik, die ,plinky-pling’ und ,doopy-doo’ macht und nicht ,motherfucking west coast motherfucker, y’all’", heißt es in einem auf der Website veröffentlichten Pamphlet.

Ein Manifest für eine kleine Weltflucht auf Zeit: Spiele sollen wieder wie Spiele aussehen, fordern die Initiatoren und geben den Designern dazu eine ganze Liste von Empfehlungen an die Hand: "Macht alles Graue bunt. Jeder trägt rote Schuhe. Lasst alles zur Mittagszeit oder bei Sonnenuntergang passieren. Ersetzt Gewehre durch Bananen. Verwandelt alle Autos in schwabbelige rosa Cabrios mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern. Sagt ,Buddies’ statt ,Crew’ und ,Zone’ statt ,Hood’. Lasst weibliche Figuren nicht nur Prostituierte und Schwarze nicht nur Drogendealer sein."

Parallel zur anhaltenden politischen Diskussion um das Verbot gewalt- und kriminalitätsverherrlichender Action- und Ballerspiele, von "True Crime: New York City" oder der Serie "Grand Theft Auto" bis hin zu Ego-Shootern wie "Doom", scheint sich von der Spielerbasis her eine davon unabhängige Katharsis anzukündigen: Die Konsumenten selbst werden der düsteren Endzeitstimmung überdrüssig und verbannen spritzendes Blut und splitternde Knochen von ihren Monitoren.

Am Fuß der Website findet sich dann ein Verkehrsschildern nachempfundenes Verbotszeichen, darauf abgebildet eine waffentragende Gang, ausgestrichen mit einem dicken roten Balken. "Happy Games Only" steht darunter. Die Welt ist ja schon schlecht genug.

Anmerkungen

[1Da haben wir den Salat: dieser zu Beginn des Jahres für dieses Event einspielte Link ist "schon" jetzt, zum Zeitpunkt der Veranstaltung, nicht mehr zugänglich.
Es zeigt sich also einmal mehr, warum es inzwischen sogar geradezu dringlich geboten erscheint, die Artikel - wie in diesem Falle gemacht - im Volltext zu übernehmen, da sie sonst überhaupt nicht mehr, auch im Rahmen einer nichtkommerziellen Begutachtung, zur Verfügung stehen würden.


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