"The Look of Sound" in Bremen

ZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 19. März 2006 um 22 Uhr 36 Minuten

 

Warum geht dieser Tage keiner der CeBIT-Gäste nach Bremen?
Dort findet vom 9. bis zum 12. März zum dritten Mal das internationale Fernsehforum für Musik "The Look of the Sound" statt.
Und da dieser Termin erst zu spät bekanntgemacht wurde, kann an dieser Stelle nur in der nachfolgenden Nachricht darauf aufmerksam gemacht werden.

Ziel ist die Förderung von Musik als eigenständiger Kunstform im Massenmedium Fernsehen. Zehn international bekannte Regisseure zeigen ihre neuesten Filme und diskutieren mit Kollegen und Publikum. Drei Podiumsdiskussionen und ein Vortrag ergänzen die Veranstaltungsreihe mit Musikveranstaltern, Redakteuren und Produzenten.
Ihr Motiv erklärt die Initiatorin und Organisatorin Katrin Rabus, die seit über 20 Jahren zeitgenössische Konzerte in ihrer Galerie veranstaltet: "Gute Musikfilme sind ein Erlebnis - für den Kenner wie für den Laien. Die filmische Umsetzung erlaubt einen anderen emotionalen Zugang - über Bilder, Menschen und Geschichten."
Nachdem 2002 über Quote und Qualität, 2004 über Spartenkanäle diskutiert wurde, steht die medienpolitische Diskussion in diesem Jahr unter dem Thema: "Neue Wege - neues Publikum." Kulturstaatsminister Bernd Neumann, vertraut mit der Schnittstelle von Film und Fernsehprogramm, begrüßt die Teilnehmer der Podiumsdiskussion am Freitag um 18.00 Uhr, darunter Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf vom WDR, Anca Monica Pandelea vom ZDF und den Dirigenten Peter Gülke.
Musikveranstalter suchen Wege, neues Publikum zu gewinnen und das alte mit interessanten Programmen zu halten. Festivalleiter, Produzenten und Konzertveranstalter stellen neue Ansätze vor, mit Musikfilmen außerhalb der Bildschirme zu experimentieren. Auch DVD und Internet bieten neue Möglichkeiten (Samstag ab 11.00 Uhr). Das Pekinger Konzert des Pianisten Lang Lang aus dem TV-Projekt "24hours Mozart" und verschiedene andere Mozartsendungen und -filme einschließlich des Auftritts der Geigerin Anne Sophie Mutter bei Harald Schmidt laufen am Donnerstag ab 16.00 Uhr und sind aktuelle Grundlage für die Diskussion "Über die Möglichkeiten des Fernsehens am Beispiel von Mozarts 250. Geburtstag" (Donnerstag um 18.00 Uhr). Zum Repertoire der 12 Filme, die im Großformat gezeigt werden, gehört am Samstagabend um 21.30 Uhr der 2005 preisgekrönte Film "Glenn Gould - Hereafter" von Bruno Monsaingeon. Bettina Ehrhardt präsentiert "Luigi Nono-Intolleranza" (Samstag, 15.00 Uhr), Barrie Gavin seine verschiedenen Filme zum 80. Geburtstag von Pierre Boulez (Freitag, 11.00 Uhr). Klaus Wyborny zeigt am Sonntag, 11.00 Uhr seinen Kunstfilm zu Beethovens "op.111" und "Missa Solemnis". Enrique Sanchez Lansch, einer der Regisseure von "Rhythm is it" zeigt weitere Filme über junge Musiker und spricht über das Educational Projekt der Berliner Philharmoniker (Freitag, 16.00 Uhr). "Wir können nur den Hass verringern - Daniel Barenboim und das West Eastern Divan Orchestra" von Paul Smaczny (Donnerstag, 20 Uhr und Freitag 21 Uhr) ist ein weiteres Beispiel, wie ein prominenter Musiker mit und für Musik Grenzen überwindet. Oliver Becker ist der Autor von "Leuchtende Liebe — lachender Tod. Die Familiengeschichte der Wagners." (Donnerstag, 20.00 Uhr und Freitag, 21 Uhr), wird aber auch neue Projekte vorstellen, gemeinsam mit dem Produzenten Bernhard Fleischer aus Salzburg, der bei dem Film "Anne Sophie Mutter - mein Mozart" Regie geführt hat (Donnerstag, 16.00 Uhr). Uli Aumüller wagt sich an Musik, von der man wenig weiß: Donnerstag um 14.00 Uhr wird "Dein Kuß von göttlicher Natur - der Zeitgenosse Perotin" gezeigt. Für Freunde der zeitgenössischen Musik ist "Labyrinth of time - Elliot Carter" (2004) von Frank Scheffer ein filmisches Dokument unter Mitwirkung des Komponisten (Samstag, 18.00 Uhr).

Aus einer Filmsammlung von ca. 150 Musikfilmen - von den Anfängen des Fernsehens bis heute - kann sich der Besucher während des Femsehforums weitere Filme nach eigener Wahl ansehen.

Das Fernsehforums soll nach dem Willen der VeranstalterIn die Musik als eigenständige Kunstform im Massenmedium Fernsehen in einer Auswahl der besten Musikfilme über und mit klassischer Musik aus Tradition und Moderne zeigen.
Im Gegensatz zur Filmmusik soll es in diesen Filmen um Musik gehen, die der Komponist ohne visuelle Umsetzung, ausschließlich zum Hören, komponiert hat.
Dabei stehe das Verhältnis von Bild und Musik in seinen vielfältigen Formen im Mittelpunkt der Veranstaltungen - vom Videoclip über visuell aufwändige Konzertaufzeichnungen bis hin zu klassischen Dokumentationen und zum Kunstfilm.
Weiterhin sollen Filme diskutiert werden, in denen das musikalische Leben in seiner Wechselwirkung zu Gesellschaft und Politik dargestellt wird.
All dies sind Themen, die aus der eigenen Praxis füherer Jahr hätten abgeleitet werden können, bis hin zurück zu den legendären Konzerten der "musica nova" von Radio Bremen und die es von daher wirklich "fragwürdig" sein lassen, nicht doch von Hannover zumindest für einen Tag nach Bremen zu fahren.

Neben der filmästhetischen Diskussion werden medienpolitische Voraussetzungen mit Fachleuten thematisiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat in seinem Grundauftrag auch die Aufgabe, als Kulturproduzent im weitesten Sinne aufzutreten - also nicht nur die großen Highlights wiederzugeben, sondern auch den kreativen Prozess der jeweiligen Künste zu dokumentieren und zu archivieren. Die Sendezeiten für spezifische Musikfilme zur sogenannten E-Musik gehen kontinuierlich zurück. Damit schwindet die Möglichkeit, die Arbeitsprozesse der lebenden Musiker, Komponisten und Interpreten zu dokumentieren und zu archivieren, Zeitgenossen zu befragen und Wertungen zu ermöglichen. Folgende Schwerpunkte wurden in den bisher drei Fernsehforen behandelt:
- 2002 Quote und Qualität
Diskussion um Sendezeiten und Sendeplätze
- 2004 Filme für ein breites Publikum
oder "special interest" im Spartenkanal
- 2006 Neue Wege, neues Publikum
Möglichkeiten für Musikfilme jenseits der Bildschirme.

Das internationale Fernsehforum für Musik "The Look of the Sound"
- soll die Gattung des Musikfilms durch Diskussion und Präsentation in einer interessierten Öffentlichkeit stärken.
- soll alle zwei Jahre stattfinden und Neuproduktionen mit breiter internationaler Beteiligung zeigen.
- soll ein Diskussionsforum sein für Musiker, Regisseure, Redakteure und Produzenten, um die Kriterien für das Genre zu definieren und zu verfeinern.
- soll die internationale Zusammenarbeit fördern und anregen, mit neuen Möglichkeiten für den Musikfilm zu experimentieren.
- soll in Zusammenarbeit mit Regisseuren, Produzenten und Sendern eine repräsentative Sammlung von Musikfilmen aufbauen, die am Ort des Fernsehforums einzusehen sind.
- soll Vorführungen und Diskussion für Publikum öffnen.
- soll ein Treffpunkt aller sein, die an den zeitgenössischen Künsten sowie der kulturellen Entwicklung des Fernsehens interessiert sind.

Idee und Realisation: Katrin Rabus (in Zusammenarbeit mit den Sendern der ARD, ZDF und Arte)
Im Internet unter www.fernsehforum-musik.de .


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