500 Jahre: Gewinner & Verlierer

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 25. Mai 2006 um 09 Uhr 23 Minuten

 

I.

Am 20. Mai 1506 starb Christoph Columbus in Valladolid und wurde noch am selben Tag dort bestattet. Er wollte in Amerika beerdigt werden, doch drei Jahre später wurden seine sterblichen Überreste in eine Abtei auf La Cartuja, eine Insel in einem Fluss bei Sevilla, gebracht. 1537 soll Maria de Rojas y Toledo, die Witwe von Columbus’ Sohn Diego, die Knochen beider Männer zur Kathedrale von Santo Domingo auf der karibischen Insel Hispaniola bringen lassen, wo sie erneut bestattet werden sollten.

Dort lagen die Knochen bis 1795, als Spanien die Antillen-Insel Hispaniola an Frankreich abtrat und die Überreste des großen Entdeckers nicht in die Hände der Franzosen fallen lassen wollte. So gelangten die Überreste über Kuba nach Sevilla. 1877 aber gruben Arbeiter in der Kathedrale von Santo Domingo eine Bleikiste aus, auf der Columbus’ Name vermerkt war. Die Bewohner der Insel glaubten seitdem, im Besitz der echten Columbus-Knochen zu sein.

Wie aus dem hier zitierten Spiegel-Online Bericht von "mbp/AP" weiter zu entnehmen ist, haben die Untersuchungen von DNA-Proben nunmehr ergeben, dass der in Sevilla begragene Columbus der "echte" ist.

II.

Am 20. Mai 2006 soll die angeblich letzte für den Bau des Yangtze-Staudamms notwendige Betonmischung aufgefahren worden sein. Die Arbeiten waren im Jahr 1998 am Nordufer aufgenommen worden, die auf der anderen Seite im Juli 2003. Zeitweise waren mehr als 20.000 Arbeiter all-täglich im Einsatz, viele davon Zwangsverpflichtete, denn ein privates Firmenkonsortium hätte solch eine Aufgabe niemals schultern können.

Bereits heute wird der 2309 Meter lange und 185 Meter hohe Damm mit der chinesischen Mauer als jeweils weltgrösstes Monument in Beziehung gesetzt. Und doch: Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Riesenwerk in nicht allzu ferner Zukunft als ein riesen "Irrtum" erweisen wird: nicht nur ökonomisch, da hier der teuerste Strom aller Zeiten produziert werden wird, sondern auch ökologisch, weil hier die bereits bekannten aktuellen Gefährdungen noch bei weitem von der bevorstehenden Verschlammung der Mutter aller Flüsse Chinas übertroffen werden könnten.

Aber, wären die Chinesen Deutsche, würden sie auf solche Einwände antworten: "wer nicht wagt, der nicht gewinnt".

III.

Gewonnen haben die Deutschen auch im diesjährigen Europäischen Song-Contest [1] wieder einmal: nichts.

Oder doch, die Anerkennung der ins Rennen geschickten Lokalmatatoren durch das einheimische Publikum und der "Rock-Röhre" Joy Flemming, die mit einer beeindruckenden Interpretation von "With a little Help from my Friends" in der ARD-After-Party zeigte, was ein guter Song im englischen Gewand für Gänsehaut auslösen kann.

Etwas, was dem Starmoderator Jörg Pilawa jedes Mal auch heute noch passiert, wenn er das Lied von "Ein bisschen Frieden" wieder hören würde. Der einzige Song, der es je zu einem ersten Platz gebracht hatte, 1982 beim Eurovision Song Contes in Harrogate in Grossbritannien. Aber auch das wäre ihm - wenn er zugeschaut hätte - an diesem Abend durch die ätzende Komikerinterpretation eines gewissen Herren XXX [2] ausgetrieben worden.

Lesenswert aber ist auf den ARD-Online Seiten zweierlei:
- Das ESC-Viewer-Forum [3] auf dem ein Leserin gar das Verbot der Bild-Zeitung wegen übler Verleumdung einer der Sängerinnen fordert...
- Die Aufstellung der Marktanteile auf der von AGF und GfK ermittelten vorläufig gewichteten Datengrundlage [4]: Danach hat nicht nur die ARD mit fast 40% bei der ESC-Übertragung und noch nach Mitternacht mit gut 30% bei der Grand Prix Party gepunktet. Sondern gleich danach, auf Position drei "DAS WORT ZUM SONNTAG" mit dem vielleicht besten Ergebnis ever abgeschnitten [5].