Blogs, die die Welt verändern?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 28. April 2009 um 16 Uhr 29 Minuten

 

Heute wird der WDR 5 in der Zeit von 12.05 - 13 Uhr sowie erneut ab 21.05 Uhr davon sprechen, dass mit Blogs die Welt verändert werden. Der Autor Uli Hufen fragt: "Sind Blogs die Zukunft der Medien?"

Bereits am 20. Januar dieses Jahres hatte Rüdiger Teutsch über die Weblogs als Informationsquelle " geschrieben und sich vor allem die "Mächtige[n] Online-Tagebücher" vorgenommen.

Seine These - zumindest dies sei hier zitiert, da man nie weiss, wie lange solche Links wirklich aktive bleiben werden: "Die Zeiten, in denen Weblogs konspirativ anmutende Webseiten für wenige waren, sind vorbei."

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Aus diesem Anlass hier einige weitere Thesen aus eigener Hand:

- Das ein "Tagebuch" nicht mehr mit der Hand in ein unbedrucktes Buch geschrieben wird, sondern auf einem Tastenfeld in einen Rechner eingetragen wird, ist das Ergebnis der Digitalisierung der Schreibmaschine.

- Der damit einhergehende Verlust der Stoffhaftigkeit ist so gross, dass der Unterschied einer Ablage der Daten auf dem eigenen Rechner oder auf einem externen Server im Vergleich dazu als relativ gering eingeschätzt wird.

- Der Wunsch der "’Veronlinenung’ des Tagebuchs" zeigt, dass man auch schon in seiner bislang nur stofflichen Form immer schon noch dem heimlichen (Mit-)Leser gesucht hat.

- Der vernetzte Rechner erlaubt, was sich einst Peter Handke in seiner "Innenwelt der Aussenwelt der Innenwelt" erdichtet hatte: Die Privatheit wird global und die Welt wird privatisiert.

- Dass der Mitleser auch zum Mitwisser wird, geschieht in der Hoffnung, dass mit-geteiltes Leid nur noch die Hälfte der Last auf dem belässt, der sich diese von der Seele geredet hat.

- Aus dem heimliche Mit-Teilungs-Bedürfnis wird, zu einen, ein fast unheimliches Anwachsen von individuellen veröffentlichten Mitteilungs-Bedürfnis-Veranstaltungen und, zum anderen, eine Goldgrube für Kapital und Politik.

- Insofern wird sich die Aussage des WDR-Autors "Die Zeiten, in denen Weblogs konspirativ anmutende Webseiten für wenige waren, sind vorbei." bewahrheiten - wenn wohl auch in einer anderen Form als von ihm prognostiziert.

- Die meisten - und immer mehr - von diesen individuellen Eintragungen und "Publikationen" werden kaum oder gar nicht von anderen gelesen werden. Ausser von den Bots: Von automatisierten Blog-Bots, die im Auftrage ihrer Corporate Communities aus diesen Texten und Bildern "Honig" saugen sollen.

- Die kollektive Auswertung der individuellen Kollektionen von Lebensspuren wird Fährten legen in eine Zukünfte, die dem einzelnen Autoren, der einzelnen Autorin oftmals unbekannt bleiben werden. Erst jene KI [1]-"Auguren eines höheren Wesens" werden sie durch Sammeln, Clustern und einer Art dreidimensionaler Dialog-Dialyse in einem neuen Kontext auslesen - und damit auf eine ganz andere, kollektive Art "entziffern".

- Es sei hier dahingestellt, ob dieses eine "gute" oder "schlechte" Entwicklung sein wird. Dass sie kommen wird, ist zumindest so sicher, dass es in diesem Kontext bereits behauptet und zur Diskussion gestellt wird.

- Schlimmstenfalls kann es in dieser Zukunft dazu kommen, dass es mit der ungeschminkten Herausstellung solcher individueller Befindlichkeiten vobei sein wird; spätestens wenn sich herausstellt, wie massiv sich der Missbrauch dieser Persönlichkeitsrechte gegen die so "ausgespähten" Autoren selbst richten wird.

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Waum diese Überlegungen?

Es ist einer der Versuche, auch die eigene Arbeit im Umfeld dieser neuen Schreibkultur zu verorten.

Während der Startversuche von "DaybyDay" im Verlauf des Jahres 2003 noch einer der "Newcomer" in einer noch recht jungen Szene wurde alsbald klar, dass über die aktuelle Attraktivität des Dialogprinzps die Verdichtung dieses Dialoges eine der entscheidenden Voraussetzungen für seine weitergehende Vermittlung sein würde: auch jenseits der jeweils aktuellen Kontexte und des zeitweise aufflammenden Interesses einer potenziellen Lesergemeinde.

Im Verlauf des Jahres 2006 keimt erstmals der Gedanke auf, dass ja auch mein Grossvater ein Tagebuch geschrieben habe [2]. Ein Tagebuch aus der Zeit 1913 - 1918.

Auch dieses zeichnet sich dadurch aus, dass es selbst heute noch von einer echten Attraktivität ist, die weit über die Person des Autors hinausgeht, diesen aber dabei keineswegs ausschliesst.

Vielleicht so die Idee, wäre es ja von Reiz, irgendwann diese beiden Arbeiten aus der Generation des ersten Weltkrieges und der ersten Nachkriegsgeneration nochmals und nebeneinander zu pulizieren.

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Schon früher hatte es Anfragen in diese Richtung bezüglich des Kriegstagebuchs des Generalinspekteurs der deutschen Luftwaffe, Major Wilhelm Siegert, gegeben. Dass diesem Ansinnen bislang weder stattgegeben, noch dieses Ziel als ein eigenes verfolgt wurde, mag auch damit zusammenhängen, dass es bislang zu diesem "Werk" kein wirkliches "Äquivalent" auf der eigenen Seite gebeben hatte.

Auf der Basis diese früheren Bewusstseinsstandes - also so um das Jahr 2005 - hätten dann die Überschrift zu den beiden Werken vielleicht so gelautet: "Sein Leben: Eine Legende - mein Leben: Ein Link."

Heute würde eine solche Publikation [3] vielleicht so überschrieben sein:
"Krieg und Frieden 2.0".
"’Das Kriegstagebuch’ von Wilhelm und ’DaybyDay’ von Wolf Siegert."

Anmerkungen

[1Künstliche Intelligenz

[2dessen Inhalt u.a. in einer Radio-Sendung des ehememaligen SFB, heute RBB verarbeitet worden ist.

[3Wer mehr über den Entstehungskontext dieses Textes, dieses Projektes oder über das Tagebuch des Grossvaters erfahren will, wende sich direkt an den Herausgeber.


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