Tagen im Quadrat: Der DJV in Mannheim [I]

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 13. November 2006 um 08 Uhr 48 Minuten

 

Bei der Vorbereitung der Reise in die alte Heimat Mannheim [1] auf der Suche nach der Durchwahlnummer des OB Gerhard Widder. Diese leider verbaselt und auf der Website www.mannheim.de ist nichts dergleichen zu finden - ausser einem Soundfile seiner Neujahrsanspache zum Jahr 2006.
Diesen Text in seiner ganzen Länge angehört - darüber nachdenkend, wie es einem wohl ergangen wäre, wenn der Lebensmittelpunkt in dieser Stadt eingesenkt worden wäre - und derweilen die Koffer gepackt zur Teilnahme an der Jahrestagung des Deutschen Journalistenverbandes vom 5.-8. November 2006 im Congress Center Rosengarten.

Vorort im Rosengarten und dann nochmals am Abend während des Eröffnungsempfangs kommt es zu einem Wiedersehen nach lange Zeit. Und es wird deutlich, warum es ihm gelungen ist, so lange die kooperative Regentschaft dieser Stadt zu managen: da er sich als Bewahrer demokratischer Rechte und Integrator der unterschiedlichsten Kulturen, Lebenswelten und Religionen sieht. Und zugleich diese eher wertkonservative Haltung koppelt mit einer grossen Aufgeschlossenheit gegenüber den neuen Medien. Sein mehrfacher Hinweis auf die Webseite der Stadt Mannheim (s.o.) und die dort abgelegten Informationen macht ihm - auch zeitlich - den Weg frei für das zu plädieren, was ihm offensichtlich am Herzen liegt: die wache und aktive Aufmerksamkeit gebenüber wiedererstarkenden Strömungen nationalsozialistischer Färbung.

Genau wie es Aidan White, Generalsekretär der International Federation of Journalists IFJ [2] auf seine Weise deutlich macht, dass die Aufgabe des Journalisten bei allem Bemühen um die Sachwaltung der Wahrheit zugleich darin besteht, sich gegen all jene Tendenzen und Perspektiven einzusetzen, die sich einem solchen Bemühen widersetzen wollen: Sei es durch Diskriminierung, Berufsverbot - oder Mord.
Und er lädt die Teilnehmer des DJV Verbandstages ein zur Teilnahme am IFJ Congress in Moskau vom 28. Mai bis 3. Juni 2007.

Wer mehr über die Redner wissen und ihren Aussagen nachspüren will, dem sei eine Besuch der Webseites des Verbandes empfohlen, in dem sowohl ein Bericht zur Eröffnung des Kongresses durch den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger zu finden ist, als auch über die am zweiten Tag vorgetragene Grundsatzrede des
Bundesvorsitzenden Michael Konken .

Die eigenen Beobachtungen und Anmerkungen sind so anderer Art, dass sie hier nicht Gegenstand der öffentlichen sondern zunächst vornehmlich des internen Meinungsaustauschs sein sollten.
Was damit gemeint ist? Hier nur ein Beispiel von vielen: Während der Ministerpräsident in Begleitung des Verbandsvorsitzenden nach dem Ende seiner Rede und nachfolgender "Pressekonferenz" zu seiner vor dem Konferenzgebäude wartenden Limousine geleitet wird, wird der Generalsekretär White vor der Glaustür des Gebäudes ohne jede weitere Begleitung "auf die Strasse geschickt". Auf dieser läuft er in "splendid isolation" im Sauseschritt alleine zum Bahnhof, um so noch in letzter Sekunde seinen Zug nach Bruxelles erreichen zu können.
Dinge wie diese mögen vielen gar nicht auffallen und - wenn überhaupt - gerne als "kleine Regiefehler" schnell beiseite gelegt werden. Und doch sind Veranstaltungen dieser Art nicht nur an dem Wert ihrer Eklärungen sondern auch an der Güte ihrer Rituale zu messen: Sie sprechen eine oft viel signifikantere Sprache des Umgangs mit der Macht und ihren Repräsentanten einerseits und den eigenen Kolleginnen und Kollegen andererseits.

WS.

Anmerkungen

[1Hier ein Link auf die alte Adresse in der Pozzistrasse

[2In der Erstversion dieses Eintrags stand zunächst "Adrian White" anstatt "Aidan White" - worauf alsbald ein mitlesender Kollege auch gestossen ist - vielen Dank für den Hinweis - und weiterhin bemerkte:
"Was seinen Fußmarsch zum Bahnhof betrifft:
Wahrscheinlich denkt sich der DJV-Vorstand, der selbst auch zu Fuß läuft, der Kollege sei eben einer von uns. Oettinger dagegen brauchte garantiert Geleitschutz, damit ihm keiner der Delegierten eine schmiert, weil er uns so dreist die Zeit geklaut hat mit seinem nichtendenwollenden Abspulen von großenteils unpassenden Textbausteinen."


 An dieser Stelle wird der Text von 4191 Zeichen mit folgender VG Wort Zählmarke erfasst:
60c623bde1abb6b3aabe5c74770f4d