"Readers Edition" - der Gegen-Entwurf

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 19. März 2011 um 12 Uhr 09 Minuten

 

Im Nachgang zur folgenreichen Übernahme eines Interviews aus der "Berliner Zeitung" in "DaybyDay" vom 5. Juni diesen Jahres, die zum Zeitpunkt der Lizenz-Zahlung am 17. November 2006 nochmals dokumentiert wurde, eröffnen wir das nachfolgende Zitat mit der Verlinkung auf die nachfolgende Lizenzerklärung von CREATIV COMMENS, wonach die (elektronische) Vervielfältigung und die im Internet damit inhärente mögliche Verbreitung unter bestimmten definierten Voraussetzungen möglich - und sogar wünschenswert - sei.

Sie ist die Grundlage des aus http://limited.blog.de/ stammenden Textes: "Readers Edition - ein bunter Strauß virtueller Federn", der heute, den 22. Dezember um 01:48 Uhr [sic!] in das Netzeitungs-Projekt einer READERS EDITION in der Sparte "WEB & TECHNIK" übernommen wurde.

[...]
Können sich Projekte wie die Readers Edition und andere aus dem Bereich Bürgerjournalismus weiterentwickeln?

Wenig wünschenswert wäre es, wenn sich ein Master-and-Servant Verhältnis herausbildet. So kann es nicht darum gehen, liebevoll recherchierte Artikel von Bürgerjournalisten und Blogger sprachlich und strukturell von “Profis” nachbearbeiten zu lassen. Ebensowenig werden es potenzielle Träger der fünften Gewalt gerne sehen, als Ideenfundgrube, Hinweisgeber und lokale Ressource für Journalisten ausgebeutet zu werden, zumal wenn sich kein Benefit/Gewinn in irgendeiner Form für sie ergibt.

Und konkret?

- Qualität muss an erster Stelle stehen - schlecht geschriebene oder schlecht argumentierende Beiträge sollten abgelehnt werden - ansonsten verschreckt man die Leser. Wenn jedoch eine originelle Idee oder ein interessanter neuer Gesichtspunkt vorliegt, sollte von der Redaktion bei Defiziten im Aufbau auch Unterstützung durch Fehlerkorrektur, Hinweise zum Textaufbau u.a. erfolgen.
- Die Veröffentlichung von Artikeln muss zeitnah erfolgen - eine mitunter mehrtägige Prüfungsphase ist wenig erbaulich und schreckt potenzielle Autoren ab.
An der Popularität von Beiträgen (abzulesen am Traffic und Kommentaren sowie Verlinkungen) kann angeknüpft werden - in diesem Fall könnte ein Profijournalist für weitere Recherche und neue Beiträge zu diesen Bereichen eingesetzt werden.
- Die Schnelligkeit der Bürgerjournalisten kann genutzt werden - etwa in Form eines Newstickers mit kürzeren Eilmeldungen o.ä..
- Lokale Themen interessieren manche Leser und sind gegenüber größeren Nachrichtenplattformen etwas, das exklusiv vorliegt - es interessiert jedoch nicht alle Leser, daher muss eine stärkere redaktionelle Trennung von Themen mit Lokalbezug und Themen von allgemeinem Interesse vorgenommen werden - Lokalthemen nie auf der Startseite - oder erst, wenn aufgrund von Traffic und Kommentaren zu sehen ist, dass doch viele Leser angesprochen werden.

Und was haben die Autoren davon?

- Nun zunächst muss das wirtschaftliche Fundament gesichert sein - über entsprechende Finanzierungsquellen mögen sich die “Profis” Gedanken machen.
- Sollte jedoch ein Mehrwert erzielt werden, sollte dieser entsprechend der Leserresonanz/Popularität verteilt werden - viel gelesene/kommentierte Beiträge erhalten entsprechend höhere Vergütung.
- Bürgerjournalisten deren Intention eher ideell motiviert sind, werden sich durch ausbleibende oder geringe Vergütung nicht abschrecken lassen, da ihnen die Plattform und die erreichte Öffentlichkeit genug sind.
[...]

Der Moderator der EDITION, Berhard Fütterer, nennt - im Gegensatz zum Blogg - am Schluss dieses Textes den Namen des Autors und ruft dazu auf, die eigenen Beiträge zu diesen Ausführungen nicht nur im Blog-Space des Autors, sondern auch auf den Kommentarseiten dieser neuen EDITION einzustellen.

Was hiermit getan wird: Indem zunächst nur dieser Text wiederum als Link auf die eigene Edition zurückverweist.

"DaybyDay" hat sich mit Beginn des Jahres 2004 gegenüber der Deutschen Bibliothek in Frankfurt a.M. verpflichtet, auf bestimmte Elemente eines - ihnen damals in seiner Bedeutung noch weitgehend unbekannten - Blogs zu verzichten, stattdessen die Akkreditierung als elektronisches Journal durch Erteilung einer ISSN-Nummer beantragt und diese letztendlich auch zugesprochen bekommen.

Schon sehr frühzeitig war auch die Redaktionsleitung der von uns abonnierten Netzeitung über dieses Vorhaben informiert worden. Es ist von daher zu begrüssen, dass sich seit dieser ersten zum Jahreswechsel 2003/2004 realisierten und seitdem kontinuierlich umgesetzten Initiative nun weitere Projekte zu entwickeln beginnen.

Alpha, BETA, 3.0 [1] [2] [3] [4] : Die READERS EDITION birgt die Chance ins sich, den "missing link" zwischen klassischem "editorial knowledge" einerseits und "user generated content" andererseits in re-produktiver Weise zu füllen: indem die Fütterers & Co mehr Wert-bildendens tun als Links zu posten und die Leser-Schreiber was anderes wollen als Redakteurs-Posten.

WS.

Anmerkungen

[1Erst nach Fertigstellung dieses Kommentars und der Suche nach einen Link auf die "Gründungserklärung" der READERS EDITION der dem Wort "Alpha" unterlegt werden sollte, fällt der Blick auf die Meldung vom 19. Dezember 2006, wonach die Netzeitung eine neue Führung bekäme und ihr bisheriger Chefredakteur und Geschäftsführer Michael Maier stattdessen die Blogform Verlags GmbH als neues Unternehmen und mit ihr auch die READERS EDITION übernehmen würde.
So mögen denn diese Zeilen zugleich als Danksagung und Ermutigung für die neuen Zeiten gelesen und goutiert werden.
"Prosit" Neujahr = "Möge es nützen"! O tempora, o mores.

[2Dazu Michal Maier im "Originalton" am 19. Dezember um 19:14 Uhr:
Ein wenig mehr Information kann ich gerne geben: Die Readers Edition ist ein ganz außergewöhnlich spannendes Projekt. Das kann man nicht nebenher betreiben, auch nicht im Schlepptau einer großen “Marke”. Wir werden uns der Readers Edition jetzt sehr intensiv widmen und wollen sie ausbauen. Als Portal für Bürgerjournalismus, aber auch als ein publizistisches Unterfangen, in dem Stimmen zu Wort kommen können, die etwas zu sagen haben.
Der Netzeitung werden wir weiter sehr freundschaftlich verbunden bleiben. Ich bin sicher, dass auch die Netzeitung das Thema Bürgerjournalismus weiter auf der Agenda hat.
Mich hat übrigens die Qualität vieler (sicher nicht aller) Artikel überzeugt, das Projekt zu kaufen. Hier ist nicht der gefürchtete Trash anzufinden, sondern ernsthafte und informative Auseinandersetzung mit interessanten Themen.
Vielen Dank für alle, die hier mitgewirkt haben - und eine herzliche Einladung an alle anderen mitzumachen. Hier wird etwa Neues entstehen!

[3Und dazu der hier bereits zitierte "Amateurautor" im Originalton vom 20. Dezember 2006 um 14:54 Uhr:
Zitat: “Meines Erachtens muss hier eine Möglichkeit eingeräumt werden, die zur Verfügung gestellten Artikel zu löschen, bevor verkauft wird”
Nun, wahrscheinlich habe ich weniger Anspruch als andere an die hier veröffentlichten Artikel - die ich in der Mehrzahl gelungen finde - aber warum sollen diese nicht weiter hier eingestellt werden - wer hier veröffentlicht/e hat doch zugestimmt dass dies unter dieser creative-commons-Lizenz geschieht.
Was natürlich bedeutet, dass egal wer Besitzer der RE ist, diese Artikel weiter verwenden kann.
Mir persönlich ist relativ egal, wer Besitzer der RE ist, wenn ich den Support weiter genießen darf (Lob an die Moderatoren - schleim;-)) und weiter meine Hobbyartikel veröffentlich kann. Aber ich bin ja auch nur Amateurautor, kein Journalist und will mit meinen Beiträgen ja auch kein Geld verdienen.

[4Und dazu der hier ebenfalls zitierte Moderator Bernhard Fütterer am heutigen 22. Dezember 2006 um 18:26 Uhr, der damit dieses Spot-Light auf die Reaktionslisten in "DaybyDay" beschliesst, während die Diskussion in und über die READERS’ EDITION sicherlich noch ihre Fortsetzung finden wird:
seit ich als Moderator engagiert bin (Anfang August) und wohl auch vorher wurde kein Artikel wegen einer unliebsamen Meinung vom Moderatorendesk gelöscht. Wenn Artikel nicht veröffentlicht werden, liegt das in erster Linie daran, dass sich Autoren nicht an diesen Regeln orientieren:
http://www.readers-edition.de/wiki/artikel
Bei sehr aktuellen Artikeln bleibt manchmal nicht die Zeit, in oftmals mühevoller Abstimmung mit Autoren Artikel den gewünschten Qualitätstandarts anzupassen.
In absolut wenigen Ausnahmefällen hatten die ehrenamtlichen Moderatoren wohl aufgrund anderer Arbeits- und Studienbelastung nicht rechtzeitig auf Artikeleingaben reagiert und diese Artikel mangels Aktualität dann nicht mehr veröffentlicht.
Diese Fälle kann man jedoch an einer Hand abzählen.
Grundsätzlich zeigt meine Erfahrung als Moderator bisher:
In erster Linie werden Artikel abgelehnt, weil Autoren sich beim Verfassen ihrer Artikeln entweder sehr weit von unseren Qualitätsanforderungen entfernt haben (hier ist der Arbeitsaufwand für unbezahlte Moderatoren unverhältnismäßig hoch und die Freude an der und die Motivation zur Redigierarbeit entsprechend niedrig) oder nicht auf unsere Veränderungsvorschläge eingehen.
Insgesamt überlegen wir gerade, wie wir den Moderationsablauf verbessern können.
Dazu gehört dann auch ein entsprechendes redaktionelles Konzept.
Dies ist meine persönliche Sichtweise und Erfahrung und muss nicht identisch sein mit der Ansicht anderer Moderatoren und Beteiligten an Readers Edition.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir für alle “Bereiche mit Optimierungsbedarf” gemeinsam - auch durch Anregungen der Leser und Autoren - die richtigen Lösungen finden werden.


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