Abschied vom EURO-DOMINO

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 15. Juli 2007 um 18 Uhr 27 Minuten

 

Ausgerechnet währen der Zeit der deutschen EU-Rats-Präsidentschaft wurde eine der preisgünstigsten Reisemöglichkeiten für Europäer durch Europa ausser Kraft gesetzt: Das Euro-Domino-Ticket.

[Hier der Kopf von einer der ersten Mappen, in denen die zunächst für bis zu 4 Länder zu erwerbenden Fahrkarten - heute "Tickets" genannt - am Schalter überreicht wurden.]

Offiziell wurde der Verkauf dieses „Produktes“, wie die Bahnleute heute sagen, schon seit dem April diesen Jahres eingestellt. Aber selbst im Juni waren die Angestellten (Beamten?) am 1. Klasse Schalter im Berliner Hauptbahnhof über diese „Neuerung“ noch nicht informiert.

Vielmehr vergingen dort viele, viele Minuten, bevor all die vergeblichen Versuche einer neuen Buchung zu der Erkenntnis reiften, die Sache einmal grundsätzlicher zu betrachten und sich vielleicht einmal bei den KollegInnen umzuhören und nachzufragen. Diese rieten, doch mal auf der internen Auskunfts-Seite im System nachzusehen – und so kam schliesslich die traurige Wahrheit zutage.

Traurig deshalb, da diese Kombination von Euro-Domino-Ticktes über viele Jahre für Personen mit mehren Wohnsitzen in mehreren europäischen Ländern die mit Abstand preisgünstigste Möglichkeit des Bahnreisens war. Man konnte im Verlauf einer Nacht und des nachfolgenden Tages für einen festen Tagespreis ohne Kilometerbegrenzung durchs Land fahren – so gar auf und ab, so weit man wollte. Eine vergleichbar günstige Möglichkeit gab – und gibt – es nur noch für Reisende, die ihren Wohnsitz ausserhalb der EU haben.

Seit der Einführung dieses Tarifs war es möglich, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich als auch in den benachbarten Ländern jeweils für eine Festgeld grosse Strecken zurückzulegen – und die Bahn in ein Hotel oder in sein Büro zu verwandeln – zumal seitdem die Sitzplätze Zug um Zug mit 220 Volt Steckdosen ausgestattet wurden.

Dennoch, so war zu hören, sie dieses „Produkt“ - zumindest in Berlin - an den Bahnhöfen eher selten verkauft worden und das sei auch der Grund, warum sich selbst drei Monate nach der Aufhebung dieses Tarifs dieser neue Sachverhalt noch nicht wirklich herumgesprochen habe.

Da es an dem Bahn-Comfort-Schalter an dem Tag dieser Entdeckung kaum Kunden gab, konnte diese aufwendige Erkundung, Auskunft und Buchung noch ohne grosses Grollen von Dritten über die Bühne gehen. Dennoch, mit fast einer dreiviertel Stunde war dieses die bislang wohl längste Buchung für eine Bahnfahrt nach Amsterdam [1] – und retour.

Anmerkungen

[1geschrieben wird diese Geschichte im Zug, im ARRIVA-Zug von Leer nach Groningen. Da die reguläre Verbindung über Osnabrück mit mehr als 30 Minuten Verspätung angekündigt worden war, musst kurzfristig entschieden werden, ob man sich auf Bahnkosten mit vielen anderen im Taxi bis nach Amsterdam fahren lässt – oder aber sich für einen Umweg über die Regionalzüge und „stoptrains“ durch Nordfriesland und die nördlichen Niederlande entscheidet. Nach 45 spannenden Sekunden der Reflexion war die Entscheidung getroffen: für die Regionalverbindungen und gegen das Sammeltaxi nach Amsterdam.
Ein grosses Lob an dieser Stelle an das Service-Personal in Bremen, die so intelligent waren, bei der Suche nach einer alternativen Zugverbindung als Zielort nicht nur Amsterdam einzugeben, sondern auch den Namen des Flughafens Schiphol.


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