_"Zukunft Kino"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 23. April 2008 um 19 Uhr 03 Minuten

 

Zu dem Zeitpunkt, an dem diese Veranstaltung beginnt, wird sich der Herausgeber von "DaybyDay", einer der Mitautoren des heute im Foyer und Studio im Hanseatenweg in Berlin unter dem Titel "Erkundungen an Beispielen" zur Diskussion gestellten Buches:

Zukunft Kino – The End of the Reel World

auf dem Weg in die USA befinden [1].

Also kann hier nur die Ankündigung von der Website der Akademie der Künste "abgekupfert" und herzlich zur Teilnahme herzlich eingeladen werden:

An kaum einem Ort wird die Verbindung von Kultur und Technologie so deutlich spürbar wie im Kino. Aktuell verändern sich durch die Digitalisierung die Filmlandschaft, die Herstellungsweisen der Bilder, aber auch die Wahrnehmungsformen grundlegend. Es entstehen neue Techniken des Sehens und Erzählens, neue Dynamiken und Vernetzungen. Auch die Kinos werden mit digitalen Abspielsystemen versehen. Verschwindet mit der Filmrolle, der „Reel World“, die als Zeichen für das klassische Kino stehen mag, das Kino als Ort?
Die technischen Transformationsprozesse haben kulturelle Auswirkungen, sie sind vielfältig, komplex und tiefgehend. Umso erstaunlicher, dass eine Reflexion über diese Veränderungen unserer Bildkultur – als deren populärstes Erbe das Kino gelten kann – nur in kleinen Fachkreisen stattfindet. Die Veranstaltung möchte eine breitere Diskussion eröffnen und dazu einladen, das Kino auf neue Art zu betrachten.

- 14 Uhr, Foyer
Der polymorphe Film

Das Universalmedium Software hebt die vormals klaren Trennungen zwischen einzelnen Künsten und Kommunikationsformen, deren jeweilige Datenträger, auf. Game Technology, Machinima, VideoBloggs als Beispiele für transmediale Genres und deren Einflüsse auf Kino/Film und vice versa sollen im Zentrum dieses Veranstaltungsschwerpunktes stehen.
• Film als Software Gundolf S. Freyermuth, Prof. für Angewandte Medienwissenschaften ifs Köln.
• Film und Game Technology, Machinima als Medienschnittstelle Karin Wehn, Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin, Universität Leipzig.
• „Du bist Spider-Man!“ - Warum sich Computerspiel und Film fremd bleiben Martin Ganteföhr, Spieleentwickler von u.a. Overclocked „House of Tales“, Bremen.
Moderation: Daniela Kloock, Medien- und Kulturwissenschaftlerin, Berlin.

- 16 Uhr, Studio
Die Kinematografisierung der Wirklichkeit
Ein multimedialer Dialog zwischen
• Georg Seeßlen, Kultur- und Filmwissenschaftler, München, und
• Markus Metz, Journalist und Autor, München.

- 18 Uhr, Studio
Comrades in Dreams - Leinwandfieber
Film von Uli Gaulke (D 2006, 94min.)
Der Film erzählt Geschichten von Menschen, die das Kino zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben. Eine Reise zu vier außergewöhnlichen und höchst unterschiedlichen Orten, wo Kino noch ein Ereignis ist.

- 20 Uhr, Foyer
Der Film verlässt das Kino
Worin liegt die Erlebnisqualität der Traumfabrik und wie kann sie bestehen angesichts von home-cinema, Internet Tauschbörsen und iPod Konsum? Wie muss sich Kino auf- und umrüsten angesichts rückläufiger Besucherzahlen?
Mit
• Matthias Elwardt, Abaton-Kino Hamburg,
• Torsten Frehse, Verleih Neue Visionen Berlin,
• Thomas Peter Friedl, UFA Cinema GmbH
• Uli Gaulke, Filmemacher, Berlin.
Moderation: Christiane Peitz, Kultur- Ressortleiterin Der Tagesspiegel, Berlin.

Konzept Jutta Brückner
in Zusammenarbeit mit Daniela Kloock, Herausgeberin des Buches „Zukunft Kino“, Schüren Verlag 2008

Mit freundlicher Unterstützung des Schüren-Verlags


Mit freundlicher Genehmigung der Autorin hier ein Bericht über die Veranstaltung, der im Infobrief April 2008 erscheint:

Zukunft Kino
The End of The Reel World

Symposium

Wie verändert die Digitalisierung das Kino, die Kinolandschaft, was geschieht, wenn Film zur Software wird, welche neuen Kunstformen und Genres entstehenan den Schnittstellen zwischen Computer und Film?Diese und viele andere Fragen rund um das Thema kinematographischer Transformationsprozesse beschäftigten eine gut besuchte vierteilige Veranstaltung am 11. April in der Akademie der Künste am Hanseatenweg.

Der Medienwissenschaftler Gundolf S. Freyermuth (ifs Köln) führte ingeniös in das Thema ein, behauptete kühn die grundsätzliche Neuordnung der Filmproduktion auf der Grundlage der neuen digitalen Techniken und entließ die Zuhörer mit der provozierenden Botschaft: „You are analog players in a digital world. You are done.“
Dass es jedoch durchaus einen kreativ ambitionierten Umgang mit dem Computer an der Schnittstelle zwischen Film und Games gibt, zeigten sowohl Karin Weh (Medienwissenschaftlerin btk, Berlin) als auch Martin Ganteföhr (Spieleentwickler „House of Tales“ Bremen).

Karin Wehn gab eine materialreiche Einführung in das Hybridprodukt der Machinima-Filme und machte anschaulich, worin deren Charme, Charakter und produktive Freiheiten liegen.

Martin Ganteföhr, gefeierter Entwicker von Computergames wie „House of Silence“ und „Overlocked“, kartografisierte das Niemandsland zwischen Autorschaft, Interaktivität, Kontrolle und Kontrollverlust und ging der Frage nach, was den Filmzuschauer grundsätzlich vom Computerspieler unterscheidet? Ein für die Zukunft des Kinos nicht unwichtiger Aspekt, da vor allem junge Männer, die Hauptgruppe der Game-Nerds, den Lichtspielhäusern verloren gegangen ist.

Doch weder audiovisuelle Konkurrenzmedien noch all die anderen angesprochenen Probleme um Kosten, Verteilungskämpfe, Niveauverluste, „Wettrüsten“ u.ä.m. konnten den abendlichen Diskutanten (Matthias Elwardt Abaton Kino Hamburg, Torsten Frehse Verleih Neue Visionen Berlin, Thomas Peter Friedl UFA Film Gmbh, Uli Gaulke Filmemacher) die gute Laune verderben. „Wir müssen den Film pflegen“ (Friedl), und „wir brauchen Filme mit Seele“ (Elwardt), darauf einigte man sich rasch. Einzig Torstsen Frehse ließ anklingen, dass mit der Digitalisierung neue starke Konkurrenten mit eigenen Inhalten vor allem die kleinen mutigen Filmverleiher zunehmend vom Markt drängen.

Georg Seeßlen und Markus Metz waren zu diesem weitgehend ungebremsten Optimismus das Komplementär-Programm. In gewohnt kritischem Duktus zeichneten sie in einer kunstvoll arrangierten audiovisuellen Performance das Bild eines Kinos, das bereits restlos der kapitalistischen Bilderverwertungslogik unterworfen ist. Ihr Vortrag war zweifellos einer der Höhepunkte, eine dichte „brilliante tour d´horizon durch die Sozial und Mediengeschichte des Kinozeitalters (TAZ 14.2.08) [2]. Kino als Ort, der zugleich Fabrik und Zuhause war, als Ort, an dem die moderne Gesellschaft über sich reflektiert, hat ausgespielt, so die finale Einschätzung von Seeßlen/Metz.

Uli Gaulkes wunderbarer Film „Comrades in Dreams“, ein Portrait über Menschen, die vor allem eines verbindet nämlich die uneingeschränkte Liebe zu Kino, wirkte da wie ein Traum von längst vergangenen Zeiten.

Daniela Kloock