Join The Visioneers @ Systems

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonntag Letzte Bearbeitung: 15. Oktober 2008 um 21 Uhr 27 Minuten

 

Nachdem viele Jahre lang das Motto "Join the Vision" die CeBIT in Hannover auf ihre Fahnen geschrieben hatte, wird das Thema nun wieder in München aufgegriffen. Die Frage lautet: welche IT-Versionen werden wahr im Jahr 2020?

In der Pressemeldung vom 18. September 2008 liesst sich die Ankündigung so:

Auf der SYSTEMS, Europas führender Business-to-Business-Messe für Informations- und Kommunikationstechnologie, werden Industrie und Institutionen ihre aktuellen Produkte, Konzepte und Services präsentieren. Doch wie passen diese Angebote in die langfristige Strategie der Big Player? Welche Vision von der Zukunft treibt die Firmen an und welche Rolle wird ihrer Meinung nach die ITK in zwölf Jahren spielen? Die SYSTEMS fragte IBM, Microsoft, Siemens Enterprise Communications und Sun Microsystems nach ihren „IT-Visionen 2020“. Und die Top-Manager der IT-Giganten antworteten – auf der „SYSTEMS Visions“, die am 18. Oktober in München stattfand.

„Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus wollen würde“, so Ken Olson, Präsident, Vorsitzender und Gründer von Digital Equipment Corp., im Jahr 1977. Er ist nur einer von vielen IT-Auguren, deren Einschätzungen dem Zeitgenossen heute ein Schmunzeln entlockt. Marktprognosen und Visionen sind trotz der Gefahr, dass sie sich als Irrtum erweisen, keine unternehmerische Kür, sie sind eine Pflicht. „Completeness of vision“, so lautet die x-Achse des renommierten „Magic Quadrant“ des Marktforschungsinstituts Gartner, in dem Unternehmen nach vier Kriterien bewertet und verortet werden – unter anderem nach ihrem Weitblick. Analysten schließen daraus auf die Innovationskraft, das kreative Potenzial und damit in gewisser Weise auch auf die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Weil die präzise Formulierung von Visionen strategisch notwendig und schwierig zugleich ist, greifen große Unternehmen immer mehr auf die Expertise professioneller Trendforscher zurück.

Lars Thomsen, der Gründer und Geschäftsführer des Beratungsbüros „future matters“ ist einer der renommiertesten Trend- und Zukunftsforscher Europas. Er moderierte die SYSTEMS Visions und die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit

— IBM Deutschland, Frank Sawatzke, Director of Marketing and Strategy
— Microsoft Deutschland, Ralph Haupter, Business- and Marketing-Officer
— Siemens Enterprise Communications, Deutschland, Thomas Wiemers, Vice President Strategic Marketing
— Sun Microsystems Deutschland, Donatus Schmid, Director Marketing, Sprecher der Geschäftsleitung

Für Lars Thomsen behält die Informationstechnologie ihre revolutionäre Kraft und zentrale Rolle in der Gestaltung des privaten und beruflichen Lebens: „Das Jahr 2020 erscheint uns noch in weiter Ferne, aber in weniger als 590 Wochen befinden wir uns schon dort. Die ITK-Industrie wird in dieser Zeit mehr Innovationen hervorbringen als je zuvor. Und noch einmal wird sie die Art und Weise, wie Unternehmen und Menschen arbeiten, kommunizieren und Geld verdienen revolutionieren. Ein entscheidender Faktor wird künstliche Intelligenz sein: Deutschlands knappste Ressourcen sind zukünftig ‚Human Ressources’. Daher muss (und wird!) die ITK Menschen helfen, Informationen besser zu nutzen, Freiräume zu schaffen, Kreativität zu entwickeln und die Innovationskraft zu stärken.“

Exklusiv für die SYSTEMS Visions 2008 haben vier der weltweit größten IT-Unternehmen ihre Visionen für das Jahr 2020 formuliert. Sie skizzieren die Rolle der Informations- und Kommunikationstechnologie für den privaten und beruflichen Lebensbereich, schildern die Veränderungen, die für die Unternehmen zu erwarten sind – und, dass die ITK-Branche einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung globaler Probleme leisten kann.

Nachfolgend die authentischen Statements der Unternehmen:

IBM Deutschland, Frank Sawatzke, Director of Marketing and Strategy
Die IBM Vision für 2020 in Sachen IT sieht global integrierte Unternehmen, deren Geschäftsprozesse und darunterliegende Infrastrukturen flexibel, atmungsfähig, sicher und in hohem Maß intelligent sind. IT wird praktisch alle Lebensbereiche erschlossen haben und bisher noch bestehende Barrieren auch im Privatbereich - wie etwa bei Real-Time-Übersetzung - überwinden helfen.
Die IT wird dabei auch dafür sorgen, dass die meisten Menschen jederzeit auf alle von ihnen benötigten Daten an praktisch allen Orten Zugang haben können - ihre medizinischen Daten, aber auch ihre präferierte Musik oder sonstige Inhalte.
IT wird für Anwender weniger komplex sein, denn die Komplexität wird sich hinter automatisierten Systemen verbergen.
IT wird in der Lage sein, zu den drängenden Problemen der Menschheit - globale Entwicklung, Sicherung der natürlichen Ressourcen, Wissen und Bildung einen wichtigen Beitrag leisten zu können
.“

Microsoft Deutschland, Ralph Haupter, Business- and Marketing-Officer
Im Jahr 2020 haben sich neue Formen der Zusammenarbeit in vielen Unternehmen etabliert. Künftig werden immer mehr Menschen arbeiten, wann und wo sie wollen. Die Produktivität eines Unternehmens wird durch Zielvorgaben, nicht durch starre Arbeitszeiten gesteuert.
Moderne IT-Strukturen und Applikationen geben den Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität und Freiheit, wie sie diese Vorgaben erreichen. Heutige innovative Technologien wie Unified Communications, Collaboration oder der leichte Zugriff auf Business Intelligence Daten in Echtzeit werden Standard sein. Die meisten Unternehmen profitieren dann von flexiblen und dynamischen IT-Strukturen. De facto wird dies oft ein Mix aus eigenen Rechenzentren, angemieteten Online-Services und leistungsstarken End­geräten mit intuitiver Benutzeroberfläche sein, die Mitarbeitern zudem ein hohes Maß an Mobilität ermöglichen.
Dabei werden zunehmende Standardisierung und Interoperabilität zwischen einzelnen Systemkomponenten den Aufwand für die bloße Wartung im Vergleich zu heute deutlich reduzieren. Heute fließen durchschnittlich rund 80 Prozent der IT-Budgets in die Aufrechterhaltung der IT-Strukturen. Nur 20 Prozent in Innovationen. Bei Microsoft arbeiten wir daran, dieses Verhältnis umzudrehen und IT vom reinen Costcenter zum Business Enabler und damit zu einem Wettbewerbsvorteil für Unternehmen zu entwickeln
.“

Siemens Enterprise Communications, Thomas Wiemers, Vice President Strategic Marketing
2020 werden Informations-, Kommunikations- und Collaboration-Technologien zu einer integrierten Form von IT verschmolzen sein. Diese agile IT wird drei wesentliche Aspekte aufweisen: Personal IT, Mobile IT und Green IT.
Die Personal IT – oder rollenbasierte IT – wird eine Veränderung bewirken, ähnlich wie der Übergang vom Mainframe Computer zum Personal Computer. Auf der Grundlage eines sicheren Identity- und Access-Systems wird die Personal IT Kommunikation, Collaboration und Informationsprozesse vereinheitlichen und dem User eine intuitive Nutzung sowie einfachen Zugang bieten.
Das zweite Element der agilen IT ist die unbegrenzte Mobilität. Die Mobile IT von morgen wird mobile Kommunikation, Social Networking und Geschäftsprozesse integrieren – unabhängig von Ort und Endgerät, basierend auf IP-Breitbandverbindung. Im Privatbereich nutzen schon heute Millionen User begeistert die neuen Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von Web 2.0 und mobilen Endgeräten ergeben.
Mit Green IT ist nicht nur der energieeffiziente Betrieb von virtualisierter Hardware gemeint. Lösungen für effizientere Formen der globalen Zusammenarbeit im Kontext von neuen, ‚virtualisierten’ Arbeitsmodellen werden etwa Geschäftsreisen zum großen Teil überflüssig machen. Die ‚grünen’ Technologien bringen echte Einsparungen für die Unternehmen und verbessern die Work-Life-Balance für die Mitarbeiter.
Grundlage für die IT von morgen ist das Bekenntnis zu offenen Standards und Architekturen anstelle von proprietären Systemen und zu neuen Formen der Zusammenarbeit von Herstellern.“

Sun Microsystems Deutschland, Donatus Schmid, Director Marketing, Sprecher der Geschäftsleitung
"The Network is the Computer" wird jedes Jahr mehr Wirklichkeit. Im Zeitalter der steigenden Anzahl von Communities und zunehmender Bedeutung von Social Media Applications steigt die Anforderung an Network Computing Infrastruktur: Bandbreite, zuverlässige Backend-Systeme und quelloffene Software. Im Jahr 2020 wird man von jedem Endgerät jederzeit und überall auf seine zentral gespeicherten Daten über das Internet sicher und schnell zugreifen können. Derzeit gibt es jedoch noch zu viele proprietäre Technologien, die den Kunden bei Investitionen in Millionenhöhe keine Wahlfreiheit lassen und Innovationen verhindern. Hersteller müssen und werden sich öffnen, offene Standards werden sich durchsetzen. Das Erfolgsmodell Java hat dies bewiesen. Offenheit bringt Vorteile für alle: niedrige Eintrittsbarrieren, Interoperabilität, geringe Forschungs- und Enwicklungskosten, mehr Sicherheit sowie niedrige Austrittsbarrieren.“


Dieser Text wurde zunächst für heute, den 18. Oktober 2008 in Erwartung dieser Veranstaltung hier eingestellt.

Bei er Vorbereitung einzelner Interviewtermine stellte sich aber zu Beginn dieser 42. KW [1] heraus, dass die Veranstaltung schon am 18. September 2008 stattgefunden hatte. [2]

Also haben wir uns mit dem Veranstalter [3] um eine möglichst komplette Online-Darstellung dieser Gesprächsrunde bemüht.

Am Montag, den 13. Oktober 2008, wurden uns daher ersatzweise die folgenden alternativen Links zur Verfügung gestellt, die wir hiermit gerne auch unserem Publikum zur Kenntnis geben möchten:

- http://www.systems.de/link/de/20776261#20776261

- http://www.messe-muenchen-media.de/systems/home.php

Wir bleiben am Ball [4] und hoffen, dass diese Mitteilungen länger "on demand" erhältlich sein werden, als die ARD-Programme nach dem Wirksamwerden des nächsten Rundfunkänderungsstaatsvertrages - aber das ist ja ein neues Thema: für die Medien-Tage in München. [5]


Hier noch ein Hinweis auf einen tatsächlich noch aktuellen Termin, der in diesem Zusammenhang von Interesse sein könnte: Es geht um die Einladung zu einem Pressegespräch des Münchner Kreises zu dem Thema:

„Zukunft und Zukunftsfähigkeit der deutschen IKT“

am Donnerstag, 23. Oktober 2008, ab 13:00 Uhr im ICM, Saal 21 (2. Obergeschoss) auf der SYSTEMS München.

540 Entscheider und Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft wurden im Rahmen dieser Studie in einer Onlinebefragung zu zentralen Handlungsfeldern der deutschen Informations- und Kommunikationsbranche vom Marktforschungsinstitut TNS Infratest befragt.

Die umfassende Expertenbefragung zum IKT-Standort Deutschland adressiert zentrale Fragen wie:

1. Wie ist es um die Zukunft der deutschen IKT bestellt?

2. Welche technologischen Entwicklungen lassen sich absehen?

3. Welche gesellschaftlichen Auswirkungen werden diese haben?

4. Welchen Nutzen werden neue Technologien im beruflichen und privaten Leben stiften?

5. Welche Auswirkungen hat die IKT auf den Strukturwandel (Green-IT / Embedded Systems)?

Die an der Studie beteiligten Partner sind wie folgt namentlich vertreten:

- Dr. Udo Bub, Geschäftsführer EICT GmbH, Leiter Innovation Development, Deutsche Telekom Laboratories

- Professor Dr. Jörg Eberspächer, Vorsitzender des Forschungsausschusses des Münchner Kreis e.V., Technische Universität München

- Professor Dr. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreis e.V., Ludwig-Maximilians-Universität München

- Robert A. Wieland, Geschäftsführer, TNS Infratest GmbH, Mitglied des Forschungsausschusses des Münchner Kreis e.V.

Weitere Partner waren / sind: Siemens, VDE, SAP und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Weiters wurde das Vorhaben vom BITKOM unterstützt.

Anmerkungen

[1Kalenderwoche

[2Das bedeutet zwar für den heutigen Tag einen freien Samstag, aber die inzwischen angefallenen Kosten für die Reisebuchungen etc. sind damit nicht mehr wettzumachen.

[3Der sich inzwischen mit einem "Sorry nochmal für die Verwirrung" bei uns gemeldet hat

[4Und der FCB hoffentlich auch ;-)

[5So lange ist es noch gar nicht her, da gab es immer wieder Bemühungen, die Medientage und die Systems aufeinander zu beziehen und miteinander (ver-)wachsen zu lassen. Auch wenn dieses Thema seit nunmehr gut zwei Jahren endgültig vom Tisch der Staatskanzlei gefegt sein mag: Man wird auch dort nach wie vor nicht darum herumkommen, darüber aktiv nachzudenken, wie die Kongruenz und Konvergenz von Rundfunk und Telekommunikation in den nächsten Jahren aussehen - und ob sie sich noch ein Stück weit mit gestalten lassen - wird.


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