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IFA 2010: Von Alt nach Neu

Dienstag 31. August 2010, von Dr. Wolf Siegert

„Nein, Photos können Sie hier nicht machen. Das ist Betriebsgelände.“ So die beiden Mitarbeiter des Recycling-Zentrums der Berliner Stadtreinigungsbetriebe bei dem Versuch, die dorthin transportierten und nun ausgemusterten Monitore und Rechner in ihrem „braune Ware“-Container noch einmal zu fotografieren. Auf die Nachfrage, warum das denn selbst ein solches Foto nicht gestattet sei, kommt die klare Antwort: „Weil unsere Obrigkeit was dagegen hat.“

Nun denn. Also wird zum Abschied nochmals aus der Ferne zur Einstimmung in das IFA-Thema aus der Ferne das folgende Foto gemacht…

{non,non} all rights reserved

… und ansonsten während des Aufenthalts auf dem Gelände diesem Wunsch Rechnung getragen: War doch dieser Besuch in dieser blitzsauberen modernen Abgabestelle eine Begegnung der ganz besonderen Art.

Eine Begegnung mit vielen anderen Gerätschaften, die sich dort bereits in dem Elektroschrott-Container versammelt hatten, die – jeder für sich – von ihren Käufern / Nutzern in die Resteverwertung gebracht worden waren und doch – jeder für sich – eine eigene Geschichte mit eben diesen Nutzern zu erzählen gehabt hätte.

Was den Geräten nicht möglich ist, die BSR-Mitarbeiter sind dazu gerne bereit. Einer von ihnen ist sogar bereit, mit Hand anzulegen um einen besonders schweren Monitor aus dem Wagen auf den Transportkarren herauszuheben. Er mach aber aus gutem Grunde sogleich darauf aufmerksam, dass sein Hilfe nur sehr eingeschränkt möglich sei. Schliesslich sei er bereits wegen eines Bandscheibenvorfalls operiert worden und habe danach noch fast ein Jahr gebraucht, um überhaupt wieder auf die Beine zu kommen.

Ja, viele von Ihnen sei es ähnlich ergangen wie ihm auch. Er habe schliesslich noch in einer Zeit dem Müllkübel auf die Strasse geholt, als diese noch Haus für Haus aus den Kellern hätten herausgeholt und die Treppen heraufgehoben werden mussten. Irgendwann hätte es einen jeden von ihnen getroffen.

Und daher sei so ein Job wie hier auf dem Recycling-Center genau das Richtige für sie. Sie müssten nicht mehr selber mit anfassen, sondern ihr Job sei es nur noch, aufzupassen und für einen geordneten Ablauf zu sorgen. „Wissen Sie“, sagt er, „ dass ist hier für uns fast sowas wie unser Rentnerheim.“ Und da man uns eh’ nicht rausschmeissen kann, ist das doch hier ein wahrlich produktiver Job – oder?“

Bei der Ausfahrt fällt der Blick vor die Bürotür, in der zwei Hush Puppie-Figuren aufgestellt sind. Der eine der beiden Hunde gibt Acht, der andere trinkt auf einer blankgeputzten Blechschale, in der sogar klares Wasser eingefüllt worden war.

Schade nur, dass auch die auf der rechten Seite neben der Ausfahrt im Gebüsch arrangierte Gruppe von Heinzelmännchen noch auf dem BSR-Gelände steht und damit ebenfalls dem Fotografierverbot unterliegen? Hoffen wir nur, dass die Obrigkeit den öffentlich-rechtlich besoldeten Frührentnern dieses Geländes nicht die Freude an ihren Vier- und Zweibeinigen Freunden nimmt.

Ja, es ist vielleicht töricht so zu denken – und das auch noch aufzuschreiben – und doch gibt es kaum einen besseren rückblickenden Einstieg zum Auftakt eines Tages, an dem es nur noch um die weltweit besten Neuheiten aus dem Bereich der sogenannten Consumer-Electronics geht.

Schrott und Show – nein, dieses Thema gehörte aus der Sicht der Veranstalters der IFA viele Jahre nicht zusammen, Aber auch das hat sich deutlich und nachhaltig verändert. Heute ist die Öko-Produktion-Bilanz und die Frage der Entsorgbarkeit der Altgeräte durchaus zu einem Thema geworden. Und das mit einem positiven Image.