Glück gehabt !?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 3. Januar 2004 um 10 Uhr 46 Minuten

 

Anstatt aller Neujahrs-Ansprachen und noch anstehenden -Empfänge:

I

"The following pages are a synopsis of 30 years of professional activities and experience." - Mit diesem Satz haben wir die Willkommens-Seite der IRIS(R) Media Hompage aufgemacht.
Wie ein roter Faden zieht sich durch all die hier vorgestellten Aktivitäten und Erfahrungen der Begriff des Paradimenwechsels hindurch: von der analogen Welt in die digitale.

II

Zugleich zeigen die Alltagserfahrungen, dass damit eine weitere Veränderung einher geht, die weit weniger deutlich wahrgenommen wird, in ihren Auswirkungen aber ebenso dramatische Folgen zeitigt wie die erste: es ist die vom Reellen in das Virtuelle.
Dabei ist uns allen dieser Prozess längst bekannt: die (Deutsche) Bank an der Ecke hat die Filiale geschlossen und uns dafür einen Online-Zugang angeboten, die Deutsche Bahn ebenso. Wenn man dieses Angebot nicht wahrnehmen will, bleibt der Automat vor Ort. Er ist sozusagen der letzte mechanisierte Stellvertreter aus Stahl und Standard-Intelligenz, der uns noch wissen lassen will, dass "man" noch da ist. Schliesslich will "man" ja an unser Geld und wir wollen ja auch was, auf was wir nicht verzichenten wollen, sei es nun Kaufkraft oder Mobilität.
Interessant ist es aber jetzt darauf hinzuweisen, dass diese mechanisierten Stellvertreter unserer Service-Provider nicht wirklich einen Fortschritt darstellen, sondern vielmehr Repräsentanten das Endes einer Epoche sind.
Das Terminal ist der determinierte Terminus des Reellen.

III

Was unsere Realität viel stärker formt als diese scheinbar intelligenten Service-Roboter sind jene Gerätschaften - selbst das alltäglichen Bedarfs - die nicht mehr funktionsfähig sind, obwohl sie keinerlei mechanischen Schaden davon getragen haben. Die Geräte funktionieren deshalb gar nicht oder teilweise nicht mehr, weil sie nicht mehr "upgedated" werden könnnen, weil es keine aktuelle Software mehr für sie gibt, die noch "downgeloaded" werden könnte.
Dieses verquaste Deutsch spricht schon seine eigene Sprache. Ein scheinbar unbegreiflicher Zustand scheint selbst in unserer Ausdrucksweise noch keinen angemessenen Platz gefunden zu haben: nicht mehr die Harware [heute schon (fast) ein deutsches Wort] ist dominant, sondern die Software [dito]. Nur solange Letztere noch aktuell ist, ist auch das Gerät noch auf Dauer funktionsfähig.

Die Folgen dieses ebenso entscheidenden Paradigmenwechsels werden in diesem Jahr immer wieder auch Gegenstand dieses - ebenfalls virutellen - Tage-Buchs sein.

Anlass war die Installation einer Logitech QuickCam VC PC Video Camera auf dem Sony Vaio Laptop meiner Tochter. Das Produktionsjahr der Kamera ist auf der Umverpackung mit 1998 angegeben. Und es stellt sich heraus, das die mitgelieferte Sofware keines der aktuellen Microsoft Betriebssysteme mehr unsterstützt, also weder Windows 2000 noch Windows XP. Da auch die auf der zugehörigen Website die mitgelieferte Software mit ihrer Version 4.1.5 als die letztendgültige gekennzeichnet ist, wird klar, dass bereits ein 4 Jahre nach dem ersten Produktionsjahr gekauftes Neugerät in einer aktuelle EDV-Umgebung nicht mehr betriebsfähig ist. - Da das Laptop wegen des geringeren Speicherbedarfs noch mit Windows ME betrieben wird, haben wir gerade noch einmal Glück gehabt.

PS

Ist es das, was uns vom Glück geblieben ist: gerade noch einmal Schwein gehabt zu haben?
Dazu nochmals ein Blick auf die QuickCam VC Umverpackung. Die dort besonders herausgehobene "killer-application" ist die Möglichkeit, Videokonferenzen auch im privaten Umfeld realisieren zu können. Das im Text integrierte Anwenderfoto ist mit dem Satz kommentiert: "Send still images and video clips to family and friends via e-mail." Auf dem Foto sieht man eine freundliche dreinblickende weibliche Nutzerin vor ihrem Monitor [natürlich mit der Kamera oben drauf] mit ausgestreckter Hand auf den Bildschirm deutend. Und neben ihr sitzt, hoch genug um über die Tischkante blicken zu können, ihr Hund: sich als vielfaches Selbst-Portrait auf eben diesem Bildschirm erblickend.
Ist also unser Glück wirklich schon so auf den Hund gekommen?


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