Des BER-Chefs’ TXL-Tölpeleien

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 12. März 2013 um 20 Uhr 23 Minuten

 

Am 19. August des Jahres 2011 - also noch gar nicht so lange her - sprach die Redakteurin des Deutschlandfunks Bettina Klein in einem Interview mit dem Vizepräsidenten des Luftfahrt-Presse-Clubs, Cord Schellenberg, über den ehemaligen Airbus und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Schellenberg: Ich persönlich würde Herrn Mehdorn auch nicht empfehlen, jetzt nach außen als Airline-Boss groß aufzutreten. Wenn man einen Übergangschef ist, er ist jetzt 69 und Unternehmensberater, dann ist es glaube ich nicht das Ziel, sich - wie vielleicht Herr Hunold das früher gemacht hat - mit Stewardessen vors Flugzeug zu stellen, zu lächeln und quasi wie ein Impresario aufzutreten. Sondern seine Aufgabe ist es, nach innen zu wirken, beispielsweise bessere Leasingkonditionen für Flugzeuge bei Airbus oder Boeing zu erreichen, die Organisation des Unternehmens zu verbessern oder auch natürlich, einen geeigneten Nachfolger für den Unternehmensgründer zu suchen.


Am 8. März des Jahres 2013 spricht Jan Pallokat vom rbb im NDR Info-Kommentar über eben diese Mann, der nunmehr auf den Chefposten der Berliner Flughafengesellschaft gehievt wurde - und lässt ihn dabei selbst zu Wort kommen:

"Ich gehör’ zu den kleinen Dicken. Ich hab das immer gesagt, ich bin da robust. Ich nehm’ mir da nicht alles zu Herzen. Nicht alle, die über mich böse schreiben, verstehen, was sie da schreiben." Vieles sei Klischee - "und nichts geht ja über ein schönes Vorurteil".


Auf den Kommentarseiten der tagesschau ist die Meinung von "Volkes Stimme" ebenso klar wie einseitig:

8. März 2013 - 12:12 — schafbock

M. bevorzugt schnelle, unkomplizierte Lösungen, welche auf Dauer sich dann als untauglich herausstellen.

Das heißt unter seiner Rigide wird der Flughafen zwar fertig, aber das heißt nicht, dass er hinterher auch funktioniert.

Ein Pyrrhussieg.

Alle Bahn-und S-Bahnkunden wissen, was ich meine.

8. März 2013 - 12:17 — mignon1953

Unfähig als DB-Chef
Unfähig als AB-Chef
und jetzt
Flughafen BERLIN? --- Wie sagte schon Dieter Hildebrandt: "KABARETT WIRD NICHT GEMACHT, KABARETT PASSIERT!"

8. März 2013 - 12:40 — MAD


...wird er Bundesarbeitsminister und führt die Rente mit 80 ein. ;-)

8. März 2013 - 12:44 — HartAberWahr

Als größter Erfolg gilt der Börsengang des Maschinenherstellers Heidelberger Druck

In einem Anfall von Größenwahn garniert mit Branchenunkenntnis hat er bei der einstige "Perle des deutschen Maschinenbaus" Entscheidungen getroffen, die die Aktie zum Pennystock machten und das Unternehmen an den Rand des Ruins führten. Tausende bezahlten mit ihrem Job dafür.

Ein "großer Erfolg" war der Börsengang bestenfalls für sein, und die Portemonnaies der Alteigentümer.

Ich gebe ihm kein Jahr.

8. März 2013 - 13:07 — elfmeterheld


Jetzt wirds endgültig nix mit dem Flughafen! Nachdem Mehdorn bei Airbus rausflog, hat er die Bahn kaputtsaniert und letztlich Air Berlin in den Ruin getrieben. Schlimmer konnte es für den Berliner Airport kaum kommen.

8. März 2013 - 13:12 — ferdigang

Erst Bahn, dann Fluglinie, jetzt Bau. Bravo endlich einer der alles kann. Wozu lernt Mann/Frau eigentlich einen Beruf? Ach ja Man[a]ger sind ja Studiosos!


Bleiben wir bei der tagesschau und schauen auf die Nachrichten vom 11. März 2013. Danach soll der Mann gleich an seinem ersten Arbeitstag bei einem Besuch des BER-Sonderausschusses im Potsdamer Landtag erklärt haben, dass man doch auch nach der Eröffnung "seines" Flughafens den in Berlin-Tegel weiterhin aufrecht erhalten könne. Zum Beispiel für den Charterverkehr...

Offensichtlich hat der Mann schon Kenntnis vom aktuellen Betriebsergebnis des Frankfurter Flughafens gehabt, wo VV Stefan Schulte trotz drohender Angebotsreduzierungen auf eine weiterhin gestiegene Nutzerzahl verweisen wird: nunmehr knapp einhundert Millionen.

Das animiert natürlich. Und macht Raum für wirklich neue Spekulationen: _ Sollte Frau Dr. Merkel nochmals Bundeskanzlerin werden, könne sie sich Tegel als Regierungs-Flughafen unter den Nagel ziehen. [1]


Kaum ist dieser Text fertig, fällt einem diese Grafik aus "news4press.com" auf:


In einem "dpa, dpa-infocom" gezeichneten Artikel auf money.de.men.com ist dazu u.a. zu lesen:

Für Staunen sorgten im Sonderausschuss des Landtags zum Flughafendebakel besonders Mehdorns Ausführung zu Tegel. Der Flughafen soll eigentlich geschlossen werden, wenn der neue Airport in Schönefeld in Betrieb ist. «Schlauer werden ist ja nicht verboten», sagte Mehdorn auf Nachrage. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte hingegen, laut Planfeststellung müsse Tegel ein halbes Jahr nach der Inbetriebnahme des Neubaus schließen. «Das sehen wir Herrn Mehdorn, der jetzt genau sieben Stunden im Amt ist, nach, dass er das noch nicht ganz übersehen kann.»

Wie man sehen kann: Fehler machen kann jeder. Nicht nur ein Herr Mehdorn, sondern auch die Redaktion beim Schreiben des Wortes "Nachfrage". [2]

Anmerkungen

[1Und am Tag der offenen Tegel-Tür darf dann auch Hinz und Kunz nochmal in die Luft gehen. So, es wie einst zur Schliessung von Tegel schon geplant war:
Siehe dazu den Bericht vom 2. Juni 2012: "Letzter Tag in TXL !!!???".

[2Nein, liebe KollegInnen und Kollegen: Das ist alles andere als Häme oder die klammheimliche Freude eines Nebenbuhlers. Sondern es wird hier eher zur eigenen Beruhigung zitiert, wohlwissend, dass es fast keinen einzigen eigenen Beitrag gibt, in dem nicht mindestens ein Fehler dieser Art aufgefunden werden könnte. WS


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