No Show: re:publica & Medientreff Mitteldeutschland

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 13. Mai 2013 um 23 Uhr 50 Minuten

 

Im Zug wurde am Nachmittag eine Ausgabe der "WELT aktuell" verteilt, in der zu lesen war, dass Markus Beckedahl bei der re:publica die Bundeskanzlerin mit dem Satz "Verhindern Sie, dass die Telekom ein Internet zweiter Klasse einführt" aufgefordert habe, sich für den Erhalt des freien Internets beim CEO der Deutschen Telekom einzusetzen.

Nun, es ist vorhersehbar, dass die DTAG darauf reagieren wird, mit erhöhten Preisen für eine Flatrate, die ihren Namen so auch wirklich verdient. Denn ab dem 2. Mai werden in den Neuverträgen automatisch die Datenobergrenzen bei der Internetnutzung als Default vorgegeben. Und dass das nun wahrlich nicht jedem schmeckt, ist klar.

Nicht dabei gewesen zu sein und dennoch das Ganze zu kommentieren ist vielleicht nicht fair. [1]

Aber zumindest das soll hier gesagt sein: Die Meldung ist nicht, dass von Seiten der "Netzgemeinde" diese Forderung aufgestellt wird, sondern dass man sich damit ausgerechnet an die Spitzenkraft einer CDU-CSU-FDP-Koalition wendet, um diese durchzusetzen.

War es denn wirklich so wenig vorhersehbar,

— dass "das Netz" nicht länger nur "der Gemeinde" zur Verfügung stehen wird, sondern auch all jenen, die inzwischen längst vom Glauben abgefallen sind - und dass diese Konsumenten einen Bedarf anmelden, bei dem es schon lange nicht mehr um das "numbercrunching" geht, sondern um einen breitbandigen Bedarf, um alsbald zu mehr als 90% die Verteilung von Video-Diensten und -Strömen nutzen zu können?

— dass die eigenen Daten in den meisten der sogenannten "sozialen" Netzwerke [2] bereits mit dem Zeitpunkt ihrer Eingabe von den Urhebern enteignet wurden?

— dass es ebenso schlüssig wie naiv ist, diese jenseits jeglicher Selbstachtung aufgegebenen Positionen und Daten jetzt, wo es dafür viel zu spät ist, mit Sprüchen wie RECLAIM YOUR DIGITAL LIFE zurückholen zu wollen?

Sascha Lobos Botschaft, laut WELT-Online vom 7. Mai 2013 "der ’Erklärbär’ der Netzaktivisten": "Anstatt auf Seiten wie Facebook zu kommunizieren und zu veröffentlichen, sollen Blogger wieder stärker auf eigene Infrastruktur setzen." [3]


Jetzt hält der Zug in Leipzig, in dem es ab heute wieder den Medientreffpunkt Mitteldeutschland gibt.

Auch an dieser Veranstaltung bleibt - trotz Anmeldung - die Teilnahme nur virtuell. Und dennoch informativ genug um zu verstehen, was da derzeit in der Media City diskutiert wurde.

Einsichten gibt:

— das Interview mit Staatsminister Dr. Johannes Beermann [4]

— Dr. Beermann, als es um das Thema Rundfunkbeitrag und Medienkonvergenz ging (samt all den anderen "üblichen Verdächtigen":-)

— die Diskussion über das nicht-lineare Fernsehen

— die Frage nach der Zukunft der gedruckten Zeitung und der Monetarisierung von Inhalten im Netz.

Bemerkenswert, dass - wie schon im letzten Jahr - sich auch alle (wirklich alle?) Teilnehmerinnen haben ablichten und auf einer Bildergalerie mit ihrem vollem Namen haben vorführen lassen. [5]

Auf der re:publica wurde das Geschäft per Videodronen erledigt, die im Saal über die Köpfe der Teilnehmer herumhubschrauberten.

Anmerkungen

[1Aber es gibt im Netz verdammt viel nachzulesen, zu hören und zu sehen: von dem ersten Wrap-Up des ersten Tages auf YouTube bis hin zum ersten ePub-Reader Dokument der jungen DJS-Crew, das an allen einschlägigen Verkaufsstellen von Amazon bis Weltbild im Online-Handel zum Preis von Euro 2,99 zu beziehen ist:

[2genannt werden in diesem Zusammenhang: • RSS (any RSSable content)
• Facebook (likes, comments, status messages, uploaded photos, links)
• Twitter (tweets, favs)
• Links (Facebook, Twitter, Delicious, Pinboard)
• Youtube (uploads, favs, likes)
• Vimeo (uploads, favs)
• Pinterest (uploads, shares)
• Instagram (guess what)
• Google+ (status messages, uploaded photos, links)
• Flickr (photos)

[3Echt toll, mein Lieber: ist Dir schon mal aufgefallen, dass genau das tagtäglich hier in "DaybyDay ISSN 1860-2967" geschieht - und das seit mehr als zehn Jahren?!

[4Weitere Interviews aus diesen Tagen mit Christian Bollert, Sabine Christmann, Bernhard Sauter und Marc Schipper, Werner Wittmann und Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht finden sich auf der Seite: http://www.medientreffpunkt-mitteldeutschland.de/video-beitrage
Frau Lieberknecht zur Positionierung dieser Veranstaltung "im Vergleich zu anderen Medienveranstaltungen dieser Art":
"Es ist im Grunde DIE gebündelte Kompetenz von ganz Mitteldeutschland - auch mit Ausstahlung ins Bundegebiet hinein - schon alleine im Namen Mitteldeutschland verbunden mit dem Mitteldeutschen Rundfunk, mit der Mitteldeutschen Medienförderung ist letztendlich auch ein hohes Mass an Identitätsstiftung verbunden: Wir sind hier im mitteldeutschen Raum."

[5Gefunden auf der Suchen nach aktuellen Presse-Fotos, die auf dieser dafür vorgesehenen Seitenicht zu finden gewesen waren.


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