Who is a Journalist?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 16. Juli 2013 um 16 Uhr 33 Minuten

 

O.

Wer ist - heute noch - Journalist?

Die massiven Veränderungen in der Presselandschaft in nur einem Jahrzehnt lassen immer drängender die Frage aufkommen, wer heute eigentlich (noch) JournalistIn sei, welche Kriterien seinen Beruf ausmachen

I.

Zum Einstieg ein Hinweis auf eine Veranstaltung der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) vom 19. Mai 2003 im wiener RadioKulturhaus zu der Frage: "Wer ist Journalist"
unter der Beteiligung von

- Prof. Hans Heinz FABRIS (Institut für Kommunikationswissenschaften www.kowi.sbg.ac.at)
- Dr. Viktoria KICKINGER (Leitung Public Relations ÖIAG - www.oeiag.at),
- Andreas KOLLER (Salzburger Nachrichten - www.salzburg.com)
- Mag. Ingrid LUTTENBERGER (Mediensprecherin vom Bürgermeister und Landeshauptmann Wien),
- Dr. Christian RAINER (Herausgeber und Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins "Trend" und des Nachrichtenmagazins "Profil" - www.trend.at, www.profil.at): Klassischer Journalismus oder Großhandel mit Contents
- Dr. Engelbert WASHIETL (stv. Chefredakteur WirtschaftsBlatt Verlag AG)
- Prof. Dr. Siegfried WEISCHENBERG (Direktor des Instituts für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg): Dritte Klasse, vierte Gewalt, fünfte Kolonne. Die Entgrenzung des Journalismus
- Eva WEISSENBERGER (Redakteurin der Stadtzeitung Falter Verlagsgesellschaft mbH. - www.falter.at) und
- Armin WOLF (Moderator ORF)

Franz Manola, Geschäftsführer ORF ON, stellte damals die Frage:
Wer ist 2010 Journalist? – Die Veränderungen eines Berufsbildes
und es wäre spannend, wenn heute dieser Beitrag nochmals "gegengelesen" werden könnte. [1]

II.

Dann der Rückblick auf eine Publikation des "DJV-kurier"s aus Dresden, aus der Nummer 57 im Jahre 2006.

Dort wird berichtete von einer Podiumsdiskussion zur Grundfrage Wer ist künftig Journalist.

Mit dabei
- Sachsens Justizminister Geert Mackenroth
- der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Prof. Wolfgang Donsbach,
- der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Hans Eggert
- der Vorsitzende des DJV, Michael Konken

Die Darstellung beginnt mit dem Satz:
"Nein, eine allgemein akzeptierte Antwort auf die Frage gab es noch nicht."

Auf die Frage, mit welchen Begriffen Journalisten und deren Arbeit beschrieben werden sollten, wurden genannt:
— Professionalität und Kompetenz ( Wolfgang Donsbach)
— Selbstbewusstsein, Neugier und Selbstkritik (Hans Eggert)
— die Wächterfunktion, die Beherrschung des journalistischen Handwerks, die Sicherung von journalistischen Qualitätsstandards (Michael Konken)
— weniger Bildergläubigkeit, mehr Sprachbeherrschung, Fairness, Selbstkritik (Geert Mackenroth)

Soviel zu den Tugenden einer Gattung, die für ihre Tätigkeit keinen geschützten Gattungsbegriffe in Anspruch nehmen kann, anders als die Ärzte, Psychologen oder Rechtsanwälte.

Das ist misslich. Und wird mehr denn je an der Frage deutlich,
— wer gegenwärtig Anspruch auf einen Journalisten-Ausweis hat
— wofür dieser Ausweis noch "gut" ist.

III.

Dann, ein Jahr später, im Jahr 2007, schreibt eine freie Journalistin aus Essen, Frau Anja Bardey, einen Artikel für das Goethe-Institut, ebenfalls unter dem Titel: Wer ist Journalist? und zitiert aus der Leitbilddefinition des Deutschen Journalistenverbandes wie folgt:

Durch ein umfassendes Informationsangebot in allen publizistischen Medien schaffen Journalistinnen und Journalisten die Grundlage dafür, dass jede Bürgerin und jeder Bürger die in der Gesellschaft wirkenden Kräfte erkennen und am Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen kann. Dies sind Voraussetzungen für das Funktionieren des demokratischen Staates.

und benennt darüber hinaus die folgenden Kriterien für eine fachliche Qualifikation:

• Beherrschung der medienspezifischen Darstellungs- und Vermittlungstechniken
• Fähigkeiten zur Gestaltung der publizistischen Produkte
• Beherrschung der unterschiedlichen Methoden der Recherche und der Nachrichtenprüfung
• Kenntnisse der medienrechtlichen Grundlagen
• Kenntnisse der Wettbewerbsformen und der Medienstruktur

IV.

Dann das vierte Streiflicht auf diese Frage aus der Sicht des Weltkongresses des International Press Instituts IPI:

Dazu berichtet Elmar Theveßen, stellv. Chefredakteur und Terrorismus-Experte des ZDF, am 21. Juni 2013 aus dem Amman und schreibt:

"Wer in den Pausen, im Plenum und auf den Podien solchen Geschichten lauscht, der versteht, warum das International Press Institute IPI eine Frage in den Mittelpunkt seines Weltkongresses in Amman, Jordanien, gestellt hat: ’Wer ist ein Journalist?’ In Zeiten der Instabilität ganzer Regionen rund um den Erdball stehen der unabhängige, kritische Journalismus und die Freiheit der Presse mehr denn je auf dem Spiel."

Und weiter: "Die klassischen Medien stehen den Wirren der Zeit oft mut- und hilflos gegenüber, weil sie Aufwand und Verantwortung für die Berichterstattung aus den Krisengebieten der Welt scheuen und mit der Vervielfältigung widersprüchlicher Informationen aus unterschiedlichsten Quellen überfordert sind. Nicht wenige machen sich auch zu willigen Werkzeugen von Interessengruppen in den Konfliktzonen. Die neuen Medien werden geflutet mit Videos, Fotos und Texten von Bloggern und Medienaktivisten, bei denen nicht auf den ersten Blick klar ist, ob sie sich journalistischen Prinzipien verpflichtet fühlen. Wem kann die Öffentlichkeit überhaupt noch trauen? Woran erkennt sie, wer wirklich ein Journalist ist?

Fast alle hier sind sich einig, dass wir nicht wirklich wissen, was in Syrien geschieht. Gleichzeitig hält jeder die Arbeit der Medienaktivisten für unverzichtbar, weil sie Informationen von Orten liefern, die für unabhängige Journalisten nicht zugänglich sind. Dennoch sind die Blogger und Videoblogger zunächst einmal Quellen, deren Informationen wie bei allen anderen Quellen geprüft werden müssen. Zu Journalisten werden sie nur, wenn sie journalistische Prinzipien kennen, proklamieren und einhalten. Vielen Medienaktivisten dürfte das vor allem deshalb schwerfallen, weil sie sich selbst nicht als überparteilich ansehen. Ob jemand wirklich ein Journalist ist, darüber entscheidet keine Regierung, kein Diplom, sondern nur die Person selbst und die Öffentlichkeit, die seine Arbeit beurteilt."

Am Schluss seiner Beitrages berichtet er über die Zahl von weit über einhundert Journalisten, die im letzten Jahr bei ihrer Arbeit ums Leben gekommen sind. Und - mit Verweis auf die Direktorig des IPI, Alison McKenzie, auf die "Abhöraktion der US-Regierung gegen die Nachrichtenagentur Associated Press".

V.

Gespräch mit Mitarbeitern der Agentur Magnetmedia in New York am Montag, den 15. Juli 2013 [2], die auch die Asscociated Press zu ihren Kunden zählt. [3]
Einer der Kunden ist Assciaterd Press, AP, für den sie nicht nur ein neues Logo konzipiert, haben sondern " a single new visual identity for the 21st century". [4]
Wie gut, wenn es gelänge, so eine refurbished identity auch für den Beruf des Journalisten zu entwerfen.

...

Was jetzt notwendig wäre, das wäre nicht nur ein Katalog von Eigenschaften, sondern auch von Kriterien, die anderen und einem selbst zur Verfügung stünden, um eine aktuelle und zukunftsweisende Beschreibung des Tätigkeitsfeldes zu erhalten, einen code of conduct, mit dem man seine Arbeit dann auch ausweisen könnte - und sollte.

Anmerkungen

[1Wir haben nachgefragt und stellen ggf. die vorliegenden Antwort hier an dieser Stelle ein.

[2Interessant, dass es in Deutschland eine Agentur mit dem Namen Magnet Media in der Trägerschaft der Bracht & Rohrmüller GbR gibt.

[3Interessant, dass ein Zugriff zu die Webseite http://www.magnetmedia.com/ keine Weiterleitung auf die Seite: http://www.magnetmediafilms.com zulässt.
Der Versuch, diesen Zugang über einen Tor-Browser zu erlangen oder damit die Fritzbox flashen zu flashen ging ins Leere.

[4Hier das Promo-Video mit AP CEO Tom Curley:


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