New York, New Jersey: New Champs

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 7. November 2013 um 14 Uhr 46 Minuten

 

Hier im Überblick eine Reihe von nationalen und internationalen Pressereaktionen zu den Wahlergebnissen in der Stadt New York [1] und im Staat New Jersey, so wie sie heute im Verlauf des Tages für das Programm des Deutschlandfunks ausgesucht und verlesen wurden:

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG:

"Nach Rudy Giuliani und Michael Bloomberg wird New York demnächst wieder von einem demokratischen Bürgermeister regiert - erstmals seit zwanzig Jahren. Offenkundig war die Sehnsucht nach einem Wechsel so groß, dass drei Viertel der Wähler den Demokraten Bill de Blasio ins Rathaus getragen haben. Es ist ein spektakuläres Ergebnis, auf das sich de Blasio berufen wird, wenn er einen ’progressiven Weg’ einzuschlagen und die Ungleichheit in der Stadt zu bekämpfen versuchen wird. Die Republikaner stehen vor schweren Richtungskämpfen. Und New Yorks politisches Herz schlägt künftig ziemlich links"

GULF NEWS, Dubai:

"De Blasio steht im krassen Gegensatz zu seinem Vorgänger Bloomberg" [...] "Er präsentiert sich als einfacher Mann von der Straße. Das zeigt allein schon seine Siegerparty. Die fand in einem Bürgerzentrum statt und nicht - wie sonst üblich - in einem großen Ballsaal eines Luxushotels. New York erlebt einen echten Wechsel - einen Wechsel der Politik und des Führungstils"

MITTELDEUTSCHE ZEITUNG, Halle:

"De Blasios Wahl reiht sich ein in Erfolge linker und moderater Kandidaten gegen Tea-Party-Konkurrenten anderswo. Das könnte auch eine Ermutigung für Präsident Obama sein, seine Agenda für mehr Gerechtigkeit voranzutreiben und nicht zurückzustecken."

TAGESZEITUNG, Berlin:

"Natürlich ist der überwältigende Wahlsieg des liberalen Demokraten Bill de Blasio in New York die Nachricht des Tages in den USA. Die Ära Bloomberg ist zu Ende, und de Blasio und seine Familie - seine afroamerikanische Ehefrau und ihre gemeinsamen Kinder - geben ein wunderbares Titelbild ab und scheinen das heutige New York so viel besser zu repräsentieren als der alte Wirtschaftsnachrichtenmogul Michael Bloomberg"

WELT, Berlin:

"20 Jahre mussten die Demokraten warten, bis sie den prestigeträchtigen Bürgermeister-Sitz in New York wieder besetzen durften. Und dann gelang das gleich einem ausgemachten Parteilinken. In New Jersey, zumeist sicheres Terrain für die Demokraten, wurde mit Chris Christie ein Republikaner gewählt. Im Swingstate Virginia wiederum lautet eine vermeintliche Grundregel, dass dort die Partei den Gouverneur stellen darf, die nicht im Weißen Haus regiert. Aber mit Terry McAuliffe übernimmt dort ein Demokrat das Gouverneursamt. Und im bankrotten Detroit wurde mit Mike Duggan erstmals seit 1973 wieder ein Weißer zum Bürgermeister gewählt. Fazit: Ein Linker regiert New York, ein Schwarzer das Weiße Haus, ein Weißer Detroit, ein Republikaner New Jersey. Es sei erneut vor Klischees über die USA gewarnt"

DIARIO DE NOTICIAS, Lissabon:

"Bei den Wahlen haben sich zwei Sieger herauskristallisiert: Mit Bill de Blasio stellen die Demokraten zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder den Bürgermeister von New York, und der Republikaner Chris Christie wurde erneut zum Gouverneur von New Jersey gewählt. Weder die Millionenmetropole noch der angrenzende Bundesstaat sind sonderlich repräsentativ für das übrige Amerika, denn die Wählerschaft ist dort überwiegend eher liberal, aber die Botschaft an die Republikaner war klar: Eine Politik der Mitte ist die bessere Formel für einen Erfolg als der Marsch nach rechts, wie ihn die Tea-Party-Bewegung in den letzten Jahren forciert hat. Die Begeisterung in New Jersey für Christie ist so groß, dass er schon als republikanischer Präsidentschaftskandidat für 2016 gehandelt wird"

JIEFANG RIBAO, Shanghai:

"De Blasio hat einen sehr klugen Wahlkampf geführt" [...] "Wenn es um die Stimmen der Zuwanderer ging, hob er seinen multikulturellen Familien-Hintergrund hervor und sprach sich für die Reform der Migrationspolitik aus. Er erkannte die Problematik des sozialen Gefälles in der Stadt und punktete mit der Reichen-Steuer bei den sozial Schwachen. Der Mittelschicht versprach er Investition in die Bildung. Sein deutlicher Sieg zeigt: Die Bürger wollten endlich einem Politikwechsel. Aber den New Yorkern wird auch klar sein, dass de Blasio unmöglich all seine Wahlversprechen umsetzen kann"

LIDOVE NOVINY, Prag & Brno:

"Der Trend in den USA ist klar: Kandidaten mit einer ausgeprägten Ideologie fallen bei den Wählern durch, gemäßigtere Politiker hingegen triumphieren: Während Christie in New Jersey haushoch gewann, ist der sozial konservative Ken Cuccinelli in Virginia durchgefallen. Stattdessen ist hier Terry McAuliffe, ein Clinton-Anhänger und Vertreter der gemäßigten Mitte Gouverneur geworden. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Bürgermeister von New York, Bill de Blasio. Nach den Partei-Gefechten im Kongress, die das ganze Land lahmgelegt haben, ist es kein Wunder, dass sich die Wähler zur politischen Mitte hin orientieren"

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG:

"Ursprünglich ein Liebling der Tea-Party-Bewegung, hat er sich inzwischen recht deutlich von den doktrinären Hitzköpfen in seiner Partei distanziert. Ob der radikale republikanische Flügel damit zur Einsicht kommt, dass es wichtiger ist, Wahlen zu gewinnen, als die reine Lehre zu verteidigen, bleibt fraglich. Immerhin hat aber Gouverneur Christie in New Jersey demonstriert, dass Kompromissbereitschaft keine Sünde ist, sondern sich politisch auszahlt. Christie gehört nun automatisch zu den Favoriten im Feld der republikanischen Präsidentschaftsanwärter für 2016"

NRC HANDELSBLAD, Amsterdam:

"De Blasio ist die Personifizierung von einem New York, wie es viele Einwohner gern sehen: tolerant, großzügig, liberal" [...] "De Blasio hat keine Angst davor, als links bezeichnet zu werden. Das macht ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in der amerikanischen Politik. Ohne Scheu benennt er die europäische Sozialdemokratie als Vorbild und tritt für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands ein. Doch es ist fraglich, ob er tatsächlich so viel Spielraum hat, um der Stadt ein anderes Gesicht zu geben. Die zahlreichen Neubauprojekte seines Vorgängers Bloomberg kann er nicht zurückdrehen. Steuern kann er kaum erhöhen; das ist zumeist Sache des Bundesstaates New York. Was er jedoch erreichen kann, ist eine liberalere Tonart in der Stadtverwaltung"

THE TIMES, London:

"Die Republikaner brauchen Männer wie den Gouverneur von New Jersey. Nach seinem Wahlsieg ist Christie in einer guten Position, um die Linie seiner Partei zu bestimmen, und um ihr Führer und Präsidentschaftskandidat zu werden. Christie wird in zwei Wochen Vorsitzender der Vereinigung republikanischer Gouverneure. Von den republikanischen Kongressabgeordneten ist ohnehin keine vernünftige Führung der Partei zu erwarten. Deshalb werden die Gouverneure das Schicksal der Partei in die Hände nehmen müssen. Gouverneur Christie kann das, was in New Jersey funktioniert hat, auf das ganze Land übertragen - Ein Präsident Chris Christie? Den Amerikanern könnte Schlimmeres passieren!"

THE WASHINGTON POST:

"De Blasio wird zum Testfall für die ganze Nation. Nach seinem erdrutschartigen Sieg in New York will er gegen die zunehmende Spaltung der Gesellschaft vorgehen. In seiner Siegesrede, die wie ein Manifest für einen neuen progressiven Weg klang, bezeichnete er die Ungleichheit als größte Herausforderung unserer Zeit. Er erneuerte seine Forderung nach moderaten Steuererhöhungen, um ärmeren Kindern eine bessere Ausbildung und damit ein erfolgreiches Leben zu ermöglichen. New York war immer eine liberale Stadt, aber seit 1989 ist kein so Progressiver mehr ins Rathaus eingezogen"

Anmerkungen

[1Interessant, dass weder NEWYORK.com noch NEWYORK.org noch NEWYORK.de über dieses aktuellen Entwicklungen Auskunft geben können.
Die richtige Adresse lautet NewYorkCity = NYC.gov und präsentiert derzeit noch das Portrait des 108. Bürgermeisters, Michael R. Bloomberg:

"Michael R. Bloomberg is the 108th Mayor of the City of New York. He was first elected in November 2001, two months after the terrorist attacks of 9/11, a time when many believed that crime would return, businesses would flee, and New York might take decades to recover. Instead, through hundreds of innovative new policies and initiatives, Mayor Bloomberg has made New York City safer, stronger, and greener than ever.

Today, compared to 2001, crime is down by more than 30 percent. The welfare rolls are down nearly 24 percent. High school graduation rates are up nearly 40 percent since 2005. Teen smoking is down more than 50 percent. More than 840 acres of new parkland have been added. The Mayor’s economic policies helped New York City avoid the level of job losses that many other cities experienced during the national recession. In fact, New York City has gained back more than 300 percent of the jobs lost during the national recession, and even surpassed the previous record for the number of private sector jobs, which had been set in 1969.

Born on February 14, 1942 in Boston and raised in a middle class home in Medford, Massachusetts, Michael Bloomberg attended Johns Hopkins University, where he paid his tuition by taking loans and working as a parking lot attendant. After college, he went on to receive an MBA from Harvard Business School. In 1966 he was hired by a Wall Street firm, Salomon Brothers, for an entry-level job.

He quickly rose through the ranks at Salomon, overseeing equity trading and sales before heading up the firm’s information systems. When Salomon was acquired in 1981, he was let go from the firm. With a vision of an information technology company that would bring transparency and efficiency to the buying and selling of financial securities, he launched a small startup company called Bloomberg LP. Today, Bloomberg LP is a global media company that has over 315,000+ subscribers to its financial news and information service. Headquartered in New York City, the company has more than 15,000 employees worldwide.

As his company grew, Michael Bloomberg started directing more of his attention to philanthropy, donating his time and resources to many different causes. He has sat on the boards of numerous charitable, cultural, and educational institutions, including The Johns Hopkins University, where, as chairman of the board, he helped build the Bloomberg School of Public Health into one of the world’s leading institutions of public health research and training.

In 2001 he ran for mayor of the City of New York and, in a major upset, won the election. He was re-elected in 2005 and 2009. During his three terms, Mayor Bloomberg has turned around a broken public school system by raising standards, promoting innovation, and holding schools accountable for success. He has spurred economic growth and job creation by revitalizing old industrial areas and strengthening key industries, including new media, film and television, bio-science, technology, and tourism. The Mayor’s Five Borough Economic Opportunity Plan has helped bring the City through the national recession as quickly as possible and helped avoid the level of job losses that many experts had forecast and that other cities experienced. He has also launched new, cutting-edge programs that encourage entrepreneurship, combat poverty, and help people acquire the skills they need to build careers.

His passion for public health has led to ambitious new health strategies that have become national models, including a ban on smoking in all indoor workplaces, as well as at parks and beaches. Today, life expectancy is 35 months longer than it was before Mayor Bloomberg took office. He has also created a far-reaching plan to fight climate change and promote sustainable development. His belief that America’s mayors and business leaders can help effect change in Washington led him to launch national bi-partisan coalitions to combat illegal guns, reform immigration, and invest in infrastructure. And he has been a strong champion of the City’s cultural community, expanding support for artists and arts organizations and helping to bring more than 100 permanent public art commissions to all five boroughs.

Mayor Bloomberg is the father of two daughters, Emma and Georgina."


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