Kitchen or Car? CES’ Competition Comments

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 14. Januar 2014 um 16 Uhr 04 Minuten

 

Obwohl diese Überschrift in englischer Sprache ist, bleibt es den Übersetzungsmaschinen vorbehalten, denen, die nicht Deutsch lesen können, zu verstehen zu geben, was hier auf Deutsch im Klartext gesagt werden wird. [1]

Das Ganze ist ein DRAFT, der seit Beginn der Internationalen CES geschrieben und Tag für Tag fortgeschrieben wurde, bis zu diesem Moment.

I.

Damit sind wir schon im Zentrum des Themas. Die Herausforderung, die immer komplexeren Anforderungen mehr denn je zu vereinfachen und in verständliche Aussagen zusammenzufassen.

Es gibt kaum eine Präsentation, kaum einen Pressetext, in denen nicht dieses Thema zur Sprache käme, gemäss dem Motto: Ja, die alten Zeiten seien vorbei. Man müsse sich auf ganz neue Herausforderungen einstellen. Und dabei gehe es nicht mehr an, immer nur linear an den Verbesserungen des Bestehenden weiterzuarbeiten, an dem, was man bislang erreicht habe.

Im Englischen wird dieses Phänomen gerne mit dem Buzzword vom disruptive thinking gekennzeichnet. Und es ist nicht immer einfach herauszufinden und herauszufiltern, welche Qualität den vielen, aktuell gepriesenen Veränderungen innewohnt: Ob sie das Alte im neuen Gewand am Leben erhalten sollen, oder ob sie sich tatsächlich als Marksteine auf dem Weg eines Paradigmenwechsels etablieren können.

II.

Wie jedes Jahr, werden auch dieses Mal auf der Internationalen CES neue Themen und Trends gesetzt: von den "curved devices" über noch höher auflösende Monitore bis hin zum Run aufs Auto als Zentrum einer neuen, softwaregesteuerten Innovations- und Investitionspraxis.

Das Beispiel "3D" hat in den letzten Jahren - wieder einmal - gezeigt, wie es läuft. Sobald der Trend als solcher identifiziert ist [2], will jeder mit dabei sein. Aber jeder will auf seine Art und Weise den Markt beeinflussen, ja bestimmen. Also werden Allianzen gebildet, damit zumindest innerhalb der zwischen den in Konkurrenz befindlichen Technologien kompatible Anwendungsbereiche entstehen.

In der 3D-Welt war das der Wettbewerb um die aktiven und die passiven Brillen - und alledem, was hinter diesen unterschiedlichen Ansätzen an Technik steht. Und jetzt zeigt sich, dass der TV-Markt darauf wartet, dass Konzepte ihren Durchbruch erleben, die das 3D-Seh-Erlebnis ohne Brille zu realisieren in der Lage sind - von denen bereits mehrere auf dieser Internationalen CES zu sehen waren.

Aber es gibt auch ganz andere neue Anwendungsfelder, in denen die räumlich Wahrnehmung von Bedeutung sein wird. [3]

Im folgenden geht es um das Zusammenwachsen von Technologie und Anwendungen, jeweils am Beispiel der Benutzersteuerung eines Fernsehers und/oder eines Computers.

Hierzu gleich zwei Interviews mit

— einem Startup-Projekt zur 3D-gesteuerten Benutzerführung von TV-Geräten

— Craig Raymond, Technical Marketing Engenieer bei Intel, zum Nutzen einer räumlichen Gestensteuerung vor und von Computerbildschirmen

III.

Im Automobilsektor ist es derzeit nicht anders.

Schon seit Mitte 2013 gibt es von Apple das " iOS in the car" Projekt mit mehr als 10 Herstellern, unter anderem Chevrolet, Ferrari, Hyundai, Jaguar, Mercedes, Nissan und Volvo. Und Google hat sich auf Android-Basis mit der "Open Automotive Alliance" auf den Weg gemacht, u.a. mit Audi, Hyundai, GM und Honda. Aber damit nicht genug: Viele misstrauen diesen Initiatoren und gründen weitere Allianzen, zum Beispiel "Genivi", auf der Baisis von "Meego" von Nokia oder von "Mirrorlink", in der sich fast alle anderen Smartphone-Hersteller wiederfinden - natürlich ausser den zuvor genannten...

Shows wie die International CES finanzieren sich nicht zuletzt durch die Investments, die gemacht werden, um in diesen Wettbewerben mit dabei und möglichst weit vorne sein zu können. Und dass es dem Veranstalter gelungen ist, sich nach intensiven Bemühungen in nur wenigen Jahren auch dieses Themas "bemächtigt" zu haben - und das noch vor der Motor-Show in Detroit und der GSMA in Barcelona - verdient Respekt.

IV.

Auch wenn auf diesen Punkt hier nicht weiter eingegangen werden kann, zumindest der Hinweis angesichts der aktuellen Beispiele auf dieser Internationalen CES, wie gerade alteingesessene Marken bemüht sind, den Nachweis zu führen, dass sie bereits seit langem in den neu aufscheinenden Themen und Tendenzen zuhause sind:

Man wird sich dabei gerne angesichts all dieser neuen Entwicklungen und Gefährdungen wieder auf frühe, historische Entwicklungen und Werte beziehen wollen, die jetzt als Argument für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens stehen sollen:
— GM, die auf ihre On-Star-Partnerschaft verweisen, um damit ihre lange Verwurzelung in diesem noch jungen Thema zu begründen
— Panasonic, die mit dem Thema des On-Board-Entertainment nicht nur im Auto für sich eine führende Rolle beanspruchen, sondern damit auch schon längst in den Flugzeugen erfolgreich sind
— Epson, die mit eigenen "Wearables" auf den Markt kommen werden und erklären, dass sie die ersten waren, die schon vor Jahr und Tag mit intelligenten Uhren auf dem Markt gewesen seien...

... oder auch solche Start-ups wie Artkick, die behaupten, den alten Traum von Bill Gates mit Foto-Kunst-Werken auf jedem Bildschirm nun endlich erfolgreich machen zu können.

V.

Damit wird aber auch klar, dass diese Wettbewerbscluster um solche neuen Märkte sich selbst wiederum in einem Umfeld bewegen, das selbst in einem heftigen Wettbewerb eingebunden ist.

Dabei geht es nicht nur um den "klassischen" Streit zwischen einer CES und einer IFA, wer nun die weltweit grösste Show für die Consumer Electronics sei. [4]Inzwischen haben sich beide vor allem das Label einer Innovations-Show zuzueignen versucht. Und bemüht, die klassischen Felder der Entertainment-Produkte weit hinter sich zu lassen. Etwa durch das Einbinden der "weissen Ware" in das Produktportfolio oder durch das Einbinden der Automobilindustrie, als DER mobilen Schnittstelle zwischen Wohnung und Arbeitsplatz [5]

Damit spitzt sich auch die Fragen nach den Standorten zu, an denen diese Themen jeweils bespielt werden "müssen". Sie zu beantworten, ist von hoher Bedeutung, da jeweils mit vielen Kosten verbunden. Denn schon heute zeichnet sich ab, es es auf Dauer niemand wird durchhalten wollen und können, solche Innovationsthemen sowohl auf den klassischen Automobil-, als auch den Consumer-, als auch den ITK-Messen wie der GSMA und CeBIT durchzuspielen.

VI.

Es geht also nicht nur um die Konkurrenz von Cars versus Kitchens. Es geht um eine dritte Ebene: Die zunehmende Konvergenz der Themen, der Anwendungen, aber auch der Anwenderprofile selbst wird es immer schwerer machen, den grossen Bühnen der "klassischen" Veranstaltungen dieser Art noch ein sichere Zukunft bescheren zu können. Die Comdex in den USA oder die Systems in Deutschland sind dafür exemplarische Zusammenbrüche dieser Art. Und es werden nicht die letzten sein.

Da wird immer noch darum gekämpft, wer wie viele Quadratmeter Fläche verkauft hat und nach welchen Kriterien und wie die während der Veranstaltung Anwesenden gezählt werden sollen. Und immer noch werben Bürgermeister und Landesväter mit den besonderen Vorzügen ihrer Stadt, ihrer Region, die es auch jenseits der Veranstaltung zu besuchen lohne... während die Messeveranstalter selber mit ihren immer besser ausgefeilten match-making-strategies versuchen, die (Bewegungs-)Daten der Besucher immer noch genauer zu erfassen und das Zeitinvestment der Besucher auf einer solchen Veranstaltung immer noch um einen Zacken mehr zu optimieren. [6].

VII.

Angesichts all dieser - wenn hier auch nur kursorisch dargestellten - Entwicklungen kann heute dennoch so viel vorhergesagt werden, auch ohne Glaskugel:

— die B-to-B-Messen im Umfeld der Consumer-Electronics werden sich auch weiterhin Schritt für Schritt aus ihren bisherigen Bezugfeldern lösen und erweitern müssen, egal ob das nun in Richtung Automobile ist wie in Las Vegas oder in Richtung Weisse Ware wie in Berlin.

— Früher wurde mit dem "Pro-"Argument zu beweisen versucht, wie gut ein bestimmtes Produkt für den Endverbraucher-Markt geeignet sei. Heute sind es immer häufiger die in diesem Bereich erfolgreichen Formate, die in der "Pro"-Umgebung Einzug halten und deren Zukunft mit zu bestimmen scheinen.

— Die B-to-C-Messen werden es immer schwerer haben, mit ihren Angeboten im öffentlichen Raum ein so grosses Echo zu finden, das Ihnen hilft, im öffentlichen Bewusssein präsent zu sein - und zu bleiben. Es geht um sogenannte trigger-point-awareness-strategies, die notwendig sind, um selbst noch so bedeutende Veranstaltungen am Leben zu erhalten, die in ihrem Kern etwas anderes zu Wege bringen als das, was die breite Öffentlichkeit davon erfährt [7].

— Es wird nicht nur das Bestreben der "Grossen" der Branche geben, immer neue Themen rechtzeitig und langfristig an sich binden zu können, es wird auch immer wieder eine Reihe von Newcomer geben, die mit ihren Themen- wie Sparten-differenzierten Angeboten versuchen werden, diesen den Rang abzulaufen. Dazu gehört die Mobilfunkmesse der GSMA - spätestens seit ihrem Umzug von Cannes nach Barcelona - ebenso wie die "digital marketing exposition & conference", dmexco, in Köln.

— Viele werden sogar ganz auf solche Veranstaltungsformen verzichten und ihr Marketinggeld in andere Kanäle pumpen, von den Roadshows bis hin zu den sozialen Netzwerken.

VIII.

Die Messe als klassische von Menschen inszenierte und moderierte "Mensch-Maschinen-Schnittstelle" wird solange nicht ihr Ende erleben, solange diese Maschinen auch da sind: sei es in der Produktion oder für den Endverbraucher, sei es für das Militär oder im Transportwesen. Auch Nahrungsmittelmessen können nicht durch Internetauftritte ersetzt werden.

Und dennoch werden immer mehr von diesen Veranstaltungen von dem Phänomen betroffen sein, dass nicht mehr das Gerät, sondern der Gebrauch desselben im Vordergrund steht. Ja, dass das Gerät eigentlich "nur" noch die End-Station dieses Gebrauchs-Szenarios ist, dessen eigentliche Mehrwertstrategie längst in den virtuellen Raum - derzeit auch in die Cloud - abgewandert ist.

IX.

Damit kommen aber nicht nur neue Herausforderungen, sondern auch neue Chancen auf die Veranstalter zu:
— mit der Virtualisierung der Märkte können diese auch immer mehr weltweit und zeitgleich "im Netz" repräsentiert und aktualisiert werden. Das sagen selbst jene, die sich nach ihren ersten Gehversuchen auf Plattformen wie second life ein blaues Auge eingefangen haben.
— nach der Verdinglichung der Produkt- und Servicewelten "im Netz" wird der Wunsch nach der persönlichen Erfahrung eines "Dings" wieder stärker, gerade weil seine Körperlichkeit vordergründig zurückgegangen zu sein scheint.
— war früher so etwas wie die Bedienung von Tasten eher eine technische Notwendigkeit, die darüber hinaus erst noch zu erlernen war - wie das Schreiben auf einer Tastatur zum Beispiel - wird heute mit dem "touch"-panel oder -pad eine Art der Wertschätzung bespielt, die längst nicht so banal ist, wie sie zu sein scheint.

X.

In einem - vielleicht gewagten - Satz zusammengefasst: Die Messen mit Zukunft werden für sich eine Chance auf Erfolg ausrechnen können, wenn sie in der Lage sein und dafür die notwendigen Voraussetzungen geschaffen haben werden, dass der Ort, an dem sie stattfinden, neben aller fachlichen Orientierung auch und zugleich als Vermittler einer mentalen Wohltat erlebt und in Erinnerung behalten werden kann.

Was nützt einem eine noch so gross-artige und noch so internationale CES, wenn es bereits der purer Stress ist, von einem Ort zum anderen zu kommen.
Was nützt einem Las Vegas, wenn diese Stadt nur Kulisse bleibt und von dem Luxus-Versprechen nichts einzulösen vermag; es sei denn, zu Preisen, die für den Besucher - und für dessen Firma - eigentlich nicht bezahlbar sind.
Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne...

Die Messe der Zukunft muss ein Ort sein, zu dem die Menschen wieder gerne hinfahren möchten, obwohl er weit weg ist, obwohl er in einem fremden Land liegt, obwohl dort eine andere Sprache gesprochen wird, obwohl einem dort eine fremde Kultur begegnet. Und obwohl sie oder er dort mit all den Konkurrenten der Branche immer wieder neu den Kampf wird aufnehmen müssen, um sich selbst zu bewähren - oder zumindest, um so von der Konkurrenz lernen zu können [8].

Je mehr die Virtualisierung der Geschäftsprozesse wie auch des Nutzerverhaltens voranschreitet, desto spannender kann es sein, in der Begegnung mit Menschen und Menschlichem zu erleben, was einem der Blick auf den Bildschirm auch auf Dauer verwehren wird: Real Mental Intercourse. [9]

Anmerkungen

[1Dabei kann man schon gleich das eingesetzte Übersetzungs-Tool testen, um herauszufinden, ob so ein Satz, in dem das Wort "vorbehalten" vorkommt, überhaupt eine Chance hat, von einer Software richtig verstanden zu werden.

[2Wie es dazu kommt, dazu kann zum Thema "3D" eine ganz eigene Geschichte erzählt werden - dies aber nur auf An-/Nachfrage, da sie den Rahmen dieser Darstellung sprengen würde. WS.

[3Als Reaktion auf diesen Beitrag erfolgte u.a. ein Hinweis auf den ersten Online-Kurs, den die Technische Universität München, TUM, ab dem 13. Januar 2014 zum Thema: Einführung in Computer Vision anbietet. Danke. WS.

[4Ein Wettbewerb, der soweit führt, dass wir nun in jeder Pressemitteilung aus dem Hause der Consumer Electronics Association (CEA)®, darauf hingewiesen werden, dass die "CES" in Zukunft nur noch als die "International CES " deklariert werden dürfe.

[5Während mit der "weissen Ware" vor allem das Thema der Wohnung als Arbeitsplatz in den Vordergrund gestellt wird.

[6Dass dieses aus Sicht des Autors auch kontraproduktiv sein könnte, dazu als pars pro toto der Artikel "[4551]"

[7Umso interessanter daher ein Versuch wie der für 2014 für die CeBIT ausgerufene, sich nur noch und ausschliesslich als das zu re-profilieren, als das man einst angetreten war, als eine "reinrassige" B-to-B-Veranstaltung

[8... oder sich auch von ihr abwerben zu lassen :-)

[9Ja, es ist wohl bekannt, dass sich jeder gerne bei diesem Wort etwas im Zusammenhang mit "Sex" denkt und es sich nicht zu sagen getraut. Und gerade deshalb, weil dem so ist, ist es nicht einfach, die besondere Bedeutung dieses hier genannten Begriffs im Rahmen einer Messe auf ihren besonderen Wert hin zu unterstreichen. Gemeint ist ganz bewusst dieses: "talking and sharing thoughts, exchanging ideas, it is the act of getting to know your partners internal thought process and beginning to understand how they tick or what makes them tick."


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