"e-home" dangers ? Strom- und Haarausfall !

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 10. September 2004 um 10 Uhr 21 Minuten

 

Zunächst ein Überblick über die Themen der am Vortag - im Gegensatz zum benachbarten "e-Fussball"-Panel - gut besuchten Plenums-Veranstaltung:

- Keynote: „Life’s good with my e-home!“ [sic!]
Referent: Hyun Park, Vice President / Research Fellow, LG Electronics Inc.
- "Das vernetzte Zuhause - Anwendungslösungen durch Systemintegration"
Referent: Dr. Viktor Grinewitschus, Leitung inHaus-Zentrum für intelligente Haussysteme Duisburg, Fraunhofer IMS/ inHaus Duisburg
- "Die Rolle fortschrittlicher Anwendungen im vernetzten Heim"
Referent: Vincent Izzo, Director of Consumer Solutions Business Development, Motorola
- "e/home Services in Asien: Vom Highspeed zum Lifestyle"
Referent: Kevin Morrow, Senior Strategist, Digital Solutions Center, Samsung Electronics
- "Status des Smart-Home-Marktes in Europa"
Daniel Esbert, WorldWide Broadband Solutions and Business Development Executive, IBM France

Am "Tag danach" dann das "INNOVATIVE CONSUMER ELECTRONICS"-Panel zu den folgenden Themen:

- "Wachstum durch Innovation"
Referent: Hans Joachim Kamp, Philips,
Vorsitzender des Fachverbandes Consumer
Electronics im Zentralverband Elektrotechnik-
und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI)
- "Neue Display-Technologien"
Referent: Peter Weber, Panasonic, Sprecher der
AG Presse des Fachverbands Consumer Electronics
im ZVEI
- "Plasma Displays"
Referent: Mike Bolatzky, Panasonic Deutschland
- "LCD-Technologie"
Referent: Michael Kurpiers, Sharp
- "OLED-Technologie"
Referent: Dr. Gunther Haas, Thomson
- "HDTV - Hoch auflösendes Fernsehen aus
technischer Sicht"
_Referent: Dr. Dietrich Westerkamp, Thomson, Leiter
der Arbeitsgruppe HDTV der Deutschen TV-Plattform
- "HDTV - Hoch auflösendes Fernsehen aus
Sicht des Markts"
Referent: Wolfgang Elsäßer, Astra Marketing
Pause
- "Serverkonzepte für das Heim"
Referent: Jörn Taubert, Sony Deutschland
- "Mobile Kommunikation"
Referent: Dr. Georg Lütteke, Philips, Leiter der
Arbeitsgruppe ”Go Mobile” des ZVEI
- "Praxisbeispiele aus dem Themenfeld
mobile Kommunikation"
Referent: Göran Wahlberg, Nokia

Die nachfolgenden 10 Beobachtungen und Anmerkungen mögen nicht gerade objektiv sein, aber vielleicht sind sie gerade deswegen hilfreich:

1. Das Thema - der IFA 2005 ein Jahr vorgeschaltet - ist alles andere als ein "berliner" Thema. Sowohl einige Tage voraus als auch danach finden an anderer Stelle in Deutschland weitere Treffen zu diesem Thema statt, in denen ebenfalls die Consumer Electronic im Mittelpunkt der Gespräche über Hausvernetzungen steht.
Während andere der Meinung sind, dass diese Häufung der Veranstaltung Audsdruck der grossen Attraktivität des Themas sei, wird es dringend Zeit darüber nachzudenken, warum es nicht gelingt, gelingen will, hier die Player und potentiellen Partner zumindest national besser zu koordinieren.

2. Das Thema gewinnt zwar endlich an Attraktivität aber auch dermassen an Komplexität, dass gerade jene, denen heute noch am ehesten das Geld für die Ausstattung ihres Hauses in der Tasche steckt, die "Generation 50 plus", kaum noch in der Lage ist zu begreifen, was da alles um sie herum geschieht.

3. "Verschlimmbessernd" kommt hinzu, dass die meisten der Vortragenden auch nicht mehr ganz jung waren. Das wird von den Anwesenden im Saal nicht bemängelt, sind es doch allesamt Leute - und wieder mal nur Männer, Männer, Männer - die es in ihrem Beruf "zu was gebracht" haben. Sie sprechen damit also quasi ihre eigene potentielle Zielgruppe für dieses Thema an. Allein, wenn man mit ihnen "privat" spricht wird deutlich, dass auch sie nur "mit Wasser kochen" und ihre eigene Nutzungserfahrung weit hinter den öffentlich proklamierten Zielen zurückbleiben.

4. Aber: Die eigene Lebenserfahrung ist kein öffentliches Thema. Dass die Technik diese Vorträge dominiert, mag angesichts der Zielgruppe auch in Ordnung gehen; aber diese Unart, extrem komplexe Charts an die Wand zu beamen ohne letztendlich wirklich damit etwas zu erklären, konnte leider auch in diesem Jahr noch nicht völlig von der Szene verbannt werden. Das ist umso bedauerlicher, da die Industrie sich durchaus mutig auf den Weg gemacht hat, angesichts dieser aktuellen Herausforderungen zusammenzutun und ein Stück jenseits aller Konkurrenz auf dem Markt "gemeinsame Sache" zu machen. Ein ausdrückliches Lob daher für die abschliessende "Selbstverpflichtung", sich in Zukunft noch weniger der Eigenwerbung zu widmen und umso mehr dem potentiellen Mehrwert einer Innovation.

5. Jugend kommt nicht vor. Allerdings - Gott sei Dank - auch nicht diese oft unsäglichen Versuche sich auf "jugendlich" zu trimmen, während schon der Haarausfall hinter der Stirn unübersehbar geworden ist. Das ist, so gesehen, schon ein Fortschritt dieser Veranstaltung, wenn auch ein kleiner. Ist es doch bemerkenswert zu sehen, wie diese ganze fortgeschrittene Technik eingesetzt wird für eine Klientel, die noch am eigenen Haus, an der eigenen Wohnung hängt, während die Kinder dieses mehr und mehr nur noch als "base station" nutzen...

6. Man hat den Eindruck, dass gerade in den so bewegten unsicheren Zeiten - in den Tagesthemen redet gerade im Hintergrund ein Uniprofessor aus Berlin über den Entwicklung Deutschlands von einer stabilen zu einer labilen Demokratie - das Thema des "Zuhauses" wieder zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses rückt. Sei es, um sich seinen Rückzug in die "eigenen vier Wände" zu organisieren, sei es die Angst, aufgrund der wirtschaftlichen Bedrohung "Haus und Hof" zu verlieren, oder sei es - im Gegensatz 5. - um jenen Kindern ein "Dach über dem Kopf" zu bieten, die aus wirtschaftlicher Not oder aber aus Bequemlichkeit das Zuhause der Eltern einer eigenen Unterkunft vorziehen (müssen).

7. In den Vorträgen wurden sowohl die bisherigen Flops als auch die neuen nun angeblich erfolgreicheren Ansätze unter der Prämisse vorgestellt, dass sich das in Zukunft zunehmend "vernetzte Haus" als eine der wenigen noch aussichtsreichen Quellen für neue "revenue-streams" erweisen würde. Nach der "Braunen" und der "Weissen" nun die "Netz"-Ware? Nur über das Thema "1984" wollte 2004 keiner reden...

8) Aber gibt es nicht noch andere Zusammenhänge zwischen den traditionellen Familien"banden", die immer mehr zerreissen, nicht mehr wahr-genommen, oder aber auf andere Art und Weise rekonstituiert werden? Was hat das zu bedeuten, wenn die Tochter dem Vater eine "inhouse-mail" schreibt, während dieser gerade über einen VPN-Tunnel [1] mit dem Netz seiner Firma verbunden ist...?
Dazu gibt es einen offensichtlich immer noch aktuellen Artikel nachzulesen unter: article 305

9. Besonders negativ beeindruckend war die Einladung der Aussteller zum frühabendlichen "get together" auf den Umgängen zwischen den "siebener" Ausstellungshallen. Mit Bier und Bouletten, Kassler und Salat, Stehtischen, Holzbänken und -tischen wie aus dem Bierzelt. Allein, wenn es etwas nicht gab, dann war das eine Atmosphäre. Die ganze "Location", wie man das heute so schön nennt, war noch am ehesten vergleichbar mit dem Charm einer Tiefgarage. Der einzige Vorteil dieses Standorts, dass man dem ganzen Gewusel auch zu ebener Erde schnell wieder entfliehen konnte.

10. Die VIP’s haben von all dem eh’ nicht viel mitbekommen. Sie haben die Hallen verlassen, die Wagen haben sie ins Hotel gebracht und von dort aus fahren sie zu ihren Abendveranstaltungen. Einer der dazugeladenen Fachberater allerdings zeigte mir sein ÖPNV-Ticket: er würde lieber die S-Bahn nehmen, damit sei er genauso schnell und der Preis unschlagbar, jetzt wo er den Seniorentarif in Anspruch nehmen könne...

Anmerkungen

[1"Virtual Private Network"


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9c85dce33c4851bdd1bf21f0fde9f2