16h. 50 Jahre TU-Technik-Geschichte

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 19. Dezember 2019 um 01 Uhr 04 Minuten

 

Die Einladung:

Jubiläumsfeier "50 Jahre Wissenschafts- und Technikgeschichte an der TU Berlin", 16. Dezember 2019, ab 16 Uhr c.t. im Raum H 2036 (2. OG Altbau, am Lichthof).

Liebe Freunde der TU Berlin,

Gäste sind herzlich willkommen!

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns dort treffen würden.

Mit freundlichen Grüßen

Miro A. Cimerman
bcd CyberneticArt team
Königswinter | Zagreb | Berlin

Einladung TU-WTG

Anstatt einer Einleitung:

Obwohl erst im letzten Moment in einen ganz und gar vollen, ja überfüllten Hörsaal eingetroffen, findet sich gleich vorn neben dem Eingang noch ein Tisch samt Stuhl - und so gelingt es ohne Probleme, sich an seinem "Reporterplatz" einzurichten, das Mikro bereitzulegen, den Rechner zu starten, das sich über diesem mit dem eigenen eduroam-Account in das Hochschulnetz einzubinden.

Durch die eigene langjährige Einbindung in den Hochschulbetrieb gelingt es aber den Eindruck, dass man hier als Journalist offensichtlich fehl am Platze sein, zu kompensieren. Denn als solcher hätte man auf verlorenem Posten gestanden: Keine und keiner der RednerInnen stellt sich mit dem eigenen Namen vor - in der hier zur Darstellung gebrachen Einladung sind nur derer zweien mit ihrer Funktion benannt - auch auf den Hintergrundprojektionen wurden diese nicht angezeigt.

Und als es an die Öffnung des Podiumsgesprächs zum Publikum ging, konnten von dort aus ausnahmslos alle Personen, die sich gemeldet hatten, mit ihrem Namen angesprochen werden.

Spätestens jetzt war klar: man kannte sich untereinander. Man wusste voneinander (... und offensichtlich auch, was man voneinander zu halten hatte ;-)

Hinzu kam, dass die eigene Erwartungshaltung und das damit verbundene Erkenntnis-Interesse, das das Interesse an einer Teilnahme beflügelt hatte, in keiner Weise befriedigt wurden. Dieses Interesse lag darin begründet, im Spiegel der Ausführungen der Wissenschaft(lerInnen) zu erfahren, ob und wie die eigne berufliche Praxis in den Sektoren Wissenschaft und Technik während nunmehr auch schon eines halben Jahrhunderts im Spiegel dieses Ausführungen wieder auftauchen würde.

Aber Nichts davon. Es ging im Rahmen dieser ganzen Veranstaltung - mit einer Begrüssungsrede, zwei Vorträgen und einem Podiumsgespräch - ausschliesslich um das Bemühen, eine Geschichtsschreibung der eigenen Institutionengeschichte herleiten zu können. Was - um auch das ganz klar zu sagen - legitim ist. Und Anlässlich eines solchen Datums sicherlich ein guter Moment, dieses zu tun.

Und das umso mehr, als hier immer wieder von den angeblich "kleinen" Wissenschaften, von Exoten- und Orchideenfächern die Rede war, die immer wieder schon per se um Anerkennung - und damit auch ihre Finanzierung - haben kämpfen müssen. Auch wenn sie heute in durchaus guter Verfassung dastehen, an der TU selber, in Berlin (Brandenburg wurde nie erwähnt) und im bundesdeutschen Wettbewerb.

Was also tun? Zweierlei: Im Nachgang finden sich ganz ungeschminkt jene Aufzeichnungen, die wie in einer Art Live-Blog im Verlauf der Veranstaltung niedergeschrieben wurde. In aller Vorläufigkeit und Unausgewogenheit.

Und dann wurden mit den beiden im Programm auch genannten VeranstalterInnen ein Gespräch geführt, zu der sich beide dankeswerterweise auch a l’improvist bereiterklärt haben, was ihnen hoch anzurechnen ist. Das Alles mit dem Ziel, der sehr subjektiven Beobachtungen und Notate etwa Gehaltvolleres gegenüberzustellen.

Beschreibungen des Verlaufs:

Am Pult steht eine Frau in schwarzer Kleidung und hellem Hemd und spricht offensichtlich die einleitenden Begrüssungsworte, sie wird kurz vor ihrem Abgang als "Liebe Frau Ittel" verabschiedet, Und danach wird das Fernbleiben des für den Bereich Forschung zuständige Prodekan entschuldigt.

Frau Heike Weber (Technikgeschichte), erst sei kurzem dabei, will sich vor allem um die Zukunftsfragen des Faches bemühen. Sie verweist auf das Datum 1975, da seit diesem Zeitpunkt das Thema Technik und das Thema Philosophie miteinander verschränkt werden.
1985 wird dann eine Professur zum Thema Technickgeschichte eingerichtet.

Verweise auf das MCTS, auf das ITZ und das HumTec. Und der Hinweis darauf, dass in der TU auch das Thema der TechnikGESCHICHTE eine besondere Bedeutung hat. Und diesen Schwerpunkt noch deutlich sichtbarer in der Wissenschaftslandschaft platzieren sollte.

Zukünftige Anforderungen:
- Wir müssen neu über die Reflexionen über Technikgeschichte neu nachdenken. Die Rolle der Reflexionswissenschaft soll dabei erhalten bleiben.
- Neben den Natur-, Sozial- und Wirtschafts-Wissenschaften muss sich die eigene "Branche" neu positionieren
- Technikgeschichte als Umweltgeschichte begreifen
- Technik soll am Menschen ausgerichtet werden, es geht um "responsible research", was nicht mit dem "Studium Generale" verglichen werden sollte.

Es spricht der Lehrstuhlinhaber Friedrich Steinle (Wissenschaftsgeschichte) über
- die Strukturen in der Hochschule selber. Dieses 1975 aus der Geschichte gegründete Institut gibt es bis heute - und sei in Deutschland "einmalig". Es folgt eine Aufzählung von Namen und Rängen...
- die Strukturen in Berlin. Die neuen "erfolgreichen Forschungsverbünde". bis hin zum Berliner Zentrum für Wissens-Geschichte (nicht: "Wissenschafts-Geschichte").
- die neue thematische Herausforderung: nach all den social, visual, cultural turns... sei eine "Beruhigung" eingetreten. Jetzt gilt es, diese neue Synergie ins Blickfeld zu nehmen.
"Auch mit als Historiker ist mir dieses Jubiläum erst recht spät eingefallen..."

Herr "Poser", Herr "König", Herr "Knobloch" werden auf das Podium gebeten.

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Und der "elder statesmen", wie er sich selbst nennt, beginnt mit seiner Stellungnahme zu der Frage eins:

Was war die wichtigsten Veränderungen in den 50 Jahren?

Nach dem Krieg sollte mit der Idee der "University" klar gemacht werden, wie die Zukunft neue gestaltet werden könne, inklusive mit den Initiativen für ein Studium Generale.

Dann gab es den hochschulpolitischen Mössbauer-Effekt. Und das war ein Gebot der Stunde: Institute mit mindestens 4 Professoren zu gründen.

Auch die Gründung des Museums für Verkehr und Technik war eines der Resultate dieser Entwicklung.

Die Entwicklung geht bis auf die Weimarer Zeit zurück. Auch zur Zeit des Nationalsozialismus war gefordert worden, die Geschichte der Technik mit der Geschichte der Arbeit zu verknüpfen. Dieses Thema wurde in den 60er Jahren wieder aufgegriffen. Und ab den 90er Jahren ging es dann auch um die Geschichte der Konsumtion.

Frage 2. Was hat gefehlt, was hätten Sie sich gewünscht:

Die organisierte Zusammenarbeit ist unzureichend. Der Master-Studiengang fehlt. Das Thema: "Kultur und Technik" führt nicht zu neuer Kompetenz. Die Geschichte der Mathematischen Wissenschaft ist in Berlin nicht verankert worden. Das Zentrum für dieses Thema liegt heute im Wuppertal, nicht in Berlin.

Es seien doch gerade die Historiker, die aufgrund ihrer Kenntnisse Beiträge für die Zukunft leisten könn(t)en.

Das Interview:

Der Empfang:

Es stellt sich heraus, das auch dieser Veranstaltungsmoment Teil einer Serie von insgesamt drei aufeinander folgenden Ereignissen ist: Das hier skizzierte, ein sich daran anschliessender Sektempfang und eine sich daran anschliessende Weihnachtsfeier.

Und es ist durchaus auch mit einer gewissen Dankbarkeit zu vermerken, dass es zu den ersten beiden Momenten des Austauschs und der persönlichen Begegnungen eine freundliche Einladung der Teilhabe gab.

Auch wird waren die aus diesen beiden Momenten geschlossenen Schlussfolgerungen eher persönlicher Art, die sich vielleicht so zusammenfassen lassen: Bei allem "Neid" (nein, nicht wirklich), dass es all diesen Menschen auch nach dem Erreichen ihres beruflichen Lebens wirtschaftlich gut genug geht, um auch noch weiterhin ihre Themen und Interessen voranbringen zu können: Es gibt niemanden aus diesem Umfeld, dessen/deren Name in der eigenen beruflichen Praxis untergekommen wäre, weil damit die Hoffnung verbunden gewesen wäre, aus einem Dialog mit dem Einen oder der Anderen Hilfestellungen bei der Bewältigung der eigenen Aufgabenstellungen ableiten zu können.

Nein, hier soll weder der Betriebsblindheit der eigenen beruflichen Praxis das Wort geredet noch unterstellt werden, dass sich der Wissenschaftsbetrieb immer noch nicht aus dem ihm eigenen Elfenbeinturm befreit habe, sondern einmal mehr darauf aufmerksam gemacht, ja vielleicht auch angemahnt werden, wie wichtig die Intensivierung eines solchen Dialoges wäre.

Heute mehr denn je!


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