"April, April" W S C

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 6. April 2020 um 13 Uhr 30 Minutenzum Post-Scriptum

 

Was sich hinter diesen drei kryptischen Buchstaben verbirgt erläutert dieser twitter-Eintrag dieses Tages:

In der heute, am 1.April 2020, herausgegebenen Pressemitteilung "Soforthilfe II herausragend erfolgreich, jetzt Anpassung an das Bundesprogramm" der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe wird erklärt:

Berlin hat bereits über 900 Millionen Euro an mehr als 100.000 Corona-geschädigte Unternehmen, Freiberufler und Selbstständige, darunter eine große Anzahl Künstlerinnen und Künstler, ausgezahlt
Überführung in einheitliches Bundesprogramm, aus dem weitere Milliarden fließen – Programmbearbeitung pausiert deshalb bis Montag, 06. April 2020
Alle bei der IBB bis heute, 12:00 Uhr, im System eingegangenen Anträge werden bearbeitet und ausgezahlt. Alle nach dem 1. April, 12:00 Uhr, noch in der Wart[e]schlange befindlichen Wartenden behalten ihre Position und können dann ab Montag, 10:00 Uhr, im einheitlichen Bundesprogramm weiter beantragen.

Die Berliner Unternehmerinnen und Unternehmer sind mit großer Härte von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Das Land Berlin hat seiner Wirtschaft schnell geholfen und einen breiten Schutzschirm für die Wirtschaft und Arbeitsplätze aufgespannt.

Berlin hat kurzfristig stark nachgefragte Soforthilfen mit zinslosen Darlehen für Unternehmen (Soforthilfe I) sowie ein Zuschuss-Programm für Soloselbstständige und Freiberufler/innen aufgelegt. Mit der Soforthilfe II wurden bisher in kürzester Zeit und unbürokratisch bereits rund 100.000 Selbstständige, Freiberuflerinnen und Freiberufler sowie Kleinstunternehmen unterstützt. Ihnen wurde seit dem 27. März bereits über 900 Millionen Euro ausgezahlt. Noch nie wurden in so kurzer Zeit in diesem Umfang und in einer vergleichbaren Breite Mittel des Landes und des Bundes zur Verfügung gestellt. Hier nimmt das Land Berlin gerade auch im Vergleich zu allen anderen Bundesländern eine Vorreiterrolle ein. Der IBB kommt hier eine herausragende Rolle zu. Sie hat innerhalb nur weniger Tage die technische und inhaltliche Administrierbarkeit gewährleistet. [1]

Für das Zuschuss-Programm Soforthilfen II für Kleinstunternehmen, Selbständige und Freiberufler/innen bedeutet die Beteiligung des Bundes, dass zügig weitere Hilfen zur Verfügung stehen. Zur Synchronisierung des Programms wird die IBB die Warteschlange ab heute 12 Uhr pausieren lassen. Alle Anträge in der Warteschlange werden bearbeitet. Die IBB wird neue Anträge annehmen, sobald das Programm angepasst wurde. Es stehen weiterhin ausreichend Mittel für Selbstständige, Kleinstunternehmen und Freiberufler/innen zur Verfügung.

Über diesen Punkt der Hilfsmaßnahmen für Berlins Kultur und Kreativwirtschaft hinaus auch hier der Hinweis auf die Online-Plattfom: https://www.berlinalive.de/

Heute - und nur noch bis morgen, den 2. April 2020 - zum Beispiel die Aufzeichnung von "Der Kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht [2] aus dem Jahr 2019, die gleich zu Beginn mit "fröhliche Ostern"-Grüssen daherkommt.

Mit diesem Stück wurde 1954 das Berliner Ensemble eröffnet. Und nicht mit Griegs Stück "Die Niederlage" oder die daraus entwickelte Arbeit Brechts: "Die Tage der Commune".

Dazu Hans-Dieter Schütt in seinem DVD-Booklet aus der Reihe: "Großes Berliner Theater" mit diesen drei Inszenierungen des Berliner Ensembles: „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, „Der kaukasische Kreidekreis“, „Die Tage der Commune“:

Eine Inszenierung aus den klassischen Zeiten des BE, Regie: Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert, von den beiden Regisseuren, die in der Geschichte des Theaters die prägendsten Köpfe waren. Das Stück wollte Brecht als Eröffnungspremiere für seine neue Theatertruppe selber aufführen. Doch er entschied sich um. Denn plötzlich schien ihm das Historiendrama vom Aufstand der Pariser Arbeiter im Jahre 1871 für die junge DDR nicht mehr opportun zu sein, weil „es eine Machtübernahme durch die Niederen zeigte, bei der eine Partei keine führende Rolle spielte“ (Klaus Völker).

Mehr dazu im Brecht-Handbuch von Klaus-Dieter Müller: "Die Tage der Kommune"

Und anlässlich der Premiere des Stückes am Theater Konstanz am 8. November 2019 heisst es noch am gleichen Tag in der Online-Ausgabe der Wochenzeitung "der Freitag":

Brecht fühlte sich veranlasst, einen Gegenentwurf zu schreiben, woraufhin „Die Tage der Commune“ entstand. Er übernahm die Personenkonstellationen Griegs, für die Darstellung der Vorgänge griff er auf historische Quellen zurück. Mit der Niederschrift begann er in Zürich und 1949 wurde das Stück gedruckt, ohne konkrete Aussicht auf eine Aufführung, quasi als Einstandsgeschenk für die DDR.
In der Folge bearbeitete er es zusammen mit Manfred Wekwerth, Benno Besson und Hanns Eisler für Karl-Marx- Stadt (Chemnitz, DDR) im Jahre 1956. Im Endstadium der Arbeit verstarb Brecht, die Uraufführung erlebte er nicht mehr. In den folgenden Jahren arbeiteten Wekwerth, Besson und Joachim Tenschert an einer neuen Fassung, die dann 1962 in Berlin auf die Bühne kam, die sogenannte Fassung des Berliner Ensembles, auf die sich auch die Konstanzer Inszenierung stützt. Offiziell fand das Stück jedoch weder im Osten noch im Westen wirklich Anklang. Für die BRD war der Hauptkritikpunkt die bei Brecht vermeintliche Verherrlichung der Gewalt, welche die Kommune nicht anwenden wollte, aber hätte anwenden sollen, und die DDR bemängelte, dass sowohl in der Realität als auch im Stück die Partei bei der Kommune keine Rolle gespielt hat.

P.S.

JPEGHier eine persönliche Reaktion auf diesen oben eingestellten tweet, in der der Name des Autors mit einem anderen "C" verknüpfte wurde: dem der Commune de Paris 1871. Samt dem Hinweis, dass noch einige wenige Exemplare des einst bei Suhrkamp verlegten Materialein-Bandes zu diesem Stück bei Amazon zu bekommen seien.

Von VOLKAN AĞAR verfasst, wurde uns dieser Bericht aus der "taz" vom 4. April 2020 unter der Überschrift Corona-Hilfen für freie Journalist*innen: Das Geld fließt. Meistens zugespielt. Danke!

Anmerkungen

[1Ramona Pop: „Es handelt sich um einen beispiellosen Kraftakt. Wir danken allen Akteuren und ganz besonders den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der IBB für das gemeinsame Engagement. Die Unternehmerinnen und Unternehmer in Berlin werden jedoch weitere Hilfen brauchen. Wir werden die Berliner Wirtschaft auch zukünftig nicht alleine lassen. Gut, dass nun auch der Bund einsteigt. Denn die Krise bewältigen wir nur als gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und den Bankinstituten.“

Dr. Matthias Kollatz: „Wir sind als Bundesland finanziell in Vorleistung gegangen, auch aufgrund der besonderen Struktur Berlins mit einem überproportional hohen Anteil an Soloselbstständigen. Unsere zugesagten Hilfen für den Schutzschirm werden wir auf rund eine Milliarde Euro aufstocken. Weitere Mittel des Bundes stehen zudem künftig zur Verfügung, die wir auch in Anspruch nehmen werden.“

Dr. Klaus Lederer: „Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der IBB und unseren Verwaltungen für das herausragende Engagement in den letzten Tagen. Für viele Künstlerinnen und Künstler ist die Unterstützung überlebenswichtig – und damit auch für den Erhalt des Kulturstandortes Berlin.“

[2Mit Stefanie Reinsperger (als Grusche Vachnadze), Ingo Hülsmann (als Sänger), Tilo Nest (als Azdak, Mönch), Nico Holonics (als Simon Chachawa), Sina Martens (als Natella Abaschwili, Schwägerin der Grusche u.a.), C. P. Zichner (als Maro, Panzerreiter), Veit Schubert (als Die Alte, Sterbender Bauer, Der Fürst u.a.), Sascha Nathan (als Lavrenti Vachnadze, Bruder der Grusche, Adjudant), Peter Luppa (als Schwiegermutter, Polizist Schauwa u.a.) und Kalle Kalima (Live-Musik)
Regie: Michael Thalheimer
Kostüme: Nehle Balkhausen
Musik: Bert Wrede
Musiker: Kalle Kalima
Licht: Ulrich Eh
Dramaturgie: Bernd Stegemann


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