"ELSTER" eingeMEINden?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 22. April 2020 um 22 Uhr 18 Minutenzum Post-Scriptum

 

Trotz aller besonderen Einschränkungen und Hemmnisse, die Umsatzsteuervoranmeldung für das erste Quartal 2020 noch (fast) rechtzeitig auf den Weg gebracht: inhouse...

... aber als es dann darum ging, diese Erklärung auch online über das ELSTER-Formular abzugeben kommt die Nachricht:

Steuererklärungen und Steueranmeldungen für das Jahr 2020 werden NICHT mehr in ElsterFormular angeboten.

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Stattdessen die Aufforderung, nunmehr ein Produkt zu nutzen, das "mein Elster" heisst

Auf der zur Verfügung gestellten Seite kann man die Suche nach dem Betriebssystem


- Windows

und nach den Formularen einschränken


- Antrag auf Fristverlängerung
- Datenübernahme aus ElsterFormular
- Einkommensteuererklärung
- Umsatzsteuer-Voranmeldung
- Umsatzsteuererklärung

Als Ergebnis wird nur eine einzige Möglichkeit genannt:

Verfügbare Freeware für Windows
Mein ELSTER | Steuerverwaltung | www.elster.de

Verfügbare Produkte kommerzieller Anbieter für Windows
Es wurden leider keine Ergebnisse im Bereich Kommerzielle Programme für Windows gefunden.

Du hast keine Alternativen? Also nutze sie!

Auf der Seite https://www.elster.de/eportal/start gibt es das Angebot, ein Benutzerkonto zu erstellen. Und es wird gefragt, wie man sich in "mein ELSTER" einloggen wolle:

Da inhouse nicht nur ein Personalausweis für den sogenannten "Komfortzugang" vorliegt, sondern auch ein Kartenlesegerät und eine AusweisApp2- Anwendung wird diese Option ausgewählt.

Und es wird versprochen:

Sie erhalten in wenigen Minuten ein Konto und können sofort loslegen.

Dafür wird dieser Link zur Verfügung gestellt - und angeklickt::

https://www.elster.de/eportal/registrierung-auswahl/kontotyp#

Die Meldung lautet:

Diese Seite ist nicht erreichbar

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Das ändert sich auch nicht, wenn die Webadresse http://127.0.0.1:24727 eingegeben wird.

Auf dem Forum:
https://forum.elster.de/anwenderforum/forum/allgemein/allgemein-und-projekt/22098-ausweisapp2
wird dieses Problem bereits anno 2016 (sic!) angesprochen.

Und es gibt dafür immer noch keine Lösung???

Um hierzu eine Frage zu stellen, müsse man sich zunächst einmal mit einem Microsoft-Konto anmelden, heisst es...

Wovon war da doch die Rede?
Ja, richtig, von einem "Komfortzugang".

P.S.

Der Kommentar:

Ja, wir haben gelernt, dass heute nur noch das live-long-learning eine Perspektive habe, dass agiles Denken und Handel die Voraussetzung sei, zu überleben und Disruption eh’ das Beste sei, was uns passieren könne.

Wenn aber die staatlichen Einrichtungen nicht in der Lage sind, diese Prozesse so zur Durchführung zu bringen, dass die Staatsbürger auch die Chance haben, mitgenommen zu werden, dann wird es Zeit, auch "der Politik" ein "Ticket" auszustellen (ein "Ticket" ist im EDV-Jargon eine Meldung an den oder die Entwickler/Supporter/Admins, dass da etwas nicht so klappt, wie es eigentlich sollte...).

Schon die Tatsache, dass der Bürger auch in diesem Beispiel einmal mehr in eine do-it-yourself-Schleife abgestellt wird, geht so nicht in Ordnung. Der Bürger als "Staatsdiener", meinetwegen selbst das, aber dann bitte an der Seite eines Staates, der sich als "Dienstleister" gegenüber dem Bürger verpflichtet sieht.

Heute mag ein solches "Ticket" nur auf das Versagen eines EDV-Systems hinweisen, aber irgendwann wird jene Zahl der "Tickets" ausgeufert sein, in denen von einem "Systemversagen" die Rede sein wird, das nicht länger nur die EDV zum Gegenstand der Kritik hat, sondern den Staat selbst auch.

Wehret den Anfängen, akzeptiert Anfängerfehler - auch die der digital natives - aber erklärt diese nicht zur public domain, solange wir nicht verstanden haben, was solch ein solch kollektives Design Thinking zu Wege bringen soll: Denn sie könnten sonst aus dem Gesichtspunkt ihrer verlorenen Zukunft genauso gegen den Staat schiessen, wie es die Reichsbürger aus ihrer Sicht auf die Vergangenheit es heute schon tun.

Auch der sogenannte Wohlfahrts-Staat braucht das, was die EDV hier und heute as hoc gerade verweigert hat: einen "Komfortzugang".


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