B (Neuer DJV-Berlin Vorstand)

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 28. September 2020 um 14 Uhr 40 Minutenzum Post-Scriptum

 

Dieser Text entstand schon vor dem Zeitpunkt der Ankündigung der Mitgliederversammlung vom 26. September 2020

Ankündigung der Mitgliederversammlung

und wird auch jetzt in diesen Urlaubstagen nicht mehr geändert. Er erschien bereits in Folge dieser nachfolgend zitierten Presseerklärung des Vorstandes vom DJV Berlin-JVBB vom 28. Juli 2020:

Vorstand des DJV Berlin-JVBB tritt zurück

Neuwahlen im Herbst

Der Vorstand des DJV Berlin-JVBB hat seinen kollektiven Rücktritt zum 1. September 2020 erklärt und entschieden, für den Herbst Neuwahlen anzustreben. Dem war die Veröffentlichung internen Post- und Mailverkehrs sowie von Gesprächsinhalten aus Vorstandssitzungen vorausgegangen. Dieser Vertrauensbruch wie auch bereits seit Langem bestehende Differenzen im Vorstand haben einer vertrauensvollen Zusammenarbeit die Grundlage entzogen.

Mit den Neuwahlen im Herbst soll dem Verband die Chance für einen personellen Neuanfang eröffnet werden, nachdem im vergangenen Jahr die Fusion von DJV Berlin und Journalistenverband Berlin-Brandenburg vollzogen wurde.

und dieser "Medienmacher"-Kolumne von Kai-Hinrich Renner in der Berliner Zeitung vom Abend des 16. Juli 2020:

Wie das Kalbitz-Interview des RBB den DJV Berlin JVBB entzweite

Da der Vorstand also Anfang August noch im Amt war, wird es interessant sein zu verfolgen, ob er zumindest im Umfeld zu den Demonstrationen vom Samstag, den 2. August 2020 [1], öffentlich eine gemeinsame Position bezogen haben wird.

Auf jeden Fall wird er sich weiteren Meinungsäusserungen sowohl aus dem Verband als auch in der öffentlichen Meinung [2] zu stellen haben.

Hier als pars pro toto:

- ein von Stefan Fries anmoderierter Beitrag von Michael Meyer aus der Mittwochsausgabe vom 5. August 2020 in der Sendung @mediasres des Deutschlandfunks:

- ein Auszug aus dem Medienmagazin-Podcast von Daniel Buhs und Jörg Wagner vom 1. August 2020, in dem zunächst die aktuelle Lage in zwei parallelgeschalteten Interviews beleuchtet wird. Und dann, als "Bonus-Track", die Geschichte vom Auseinanderbrechens das "Altverbandes", über einen Zustand mit bis zu vier Verbänden in derRegion, bis zur nunmehr angekündigten Neuwahl:

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Und zu guter Letzt: Hier der volle Wortlaut der Ankündigung des Wahlergebnisses auf der Webseite des Verbandes am Abend dieses Tages [3]:

Ergebnisse der Mitgliederversammlung
Steffen Grimberg neuer Vorsitzender des DJV Berlin-JVBB

23.09.2020

Die Mitglieder des DJV Berlin-JVBB haben entschieden: Das ist der neue Vorstand.

Der freie Medienjournalist Steffen Grimberg ist zum neuen Vorsitzenden des DJV Berlin-Journalistenverband Berlin-Brandenburg gewählt worden. Auf der heutigen Mitgliederversammlung, die unter Coronabedingungen im Berliner Hotel Estrel stattfand, wurden Susanne Stephan, Redakteurin und Betriebsrätin beim FOCUS Magazin, und Andreas Oppermann, Redaktionsleiter im Studio Frankfurt des rbb, in den stellvertretenden Vorsitz gewählt.

Künftiger Schatzmeister ist Thorsten Keller, Redakteur der Märkischen Allgemeinen, Schriftführer der freie Journalist Ismail Cevik. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Negin Bekham (Volontärin Ev. Journalistenschule), Stefanie Michallek (Studierende und freie Journalistin), Nils Michaelis (Redakteur Berliner Abendblatt), Tong-Jin Smith (freie Journalistin und Hochschuldozentin).

Eine Woche nach diesem Eintrag werden wir überprüfen, welche weiteren Details von dem Verlauf dieser Versammlung bekannt gegeben wurde, welche KanditdatInnen zur Wahl standen, mit welchen Argeumenten sie sich bewarben und wie abgestimmt wurde.

Nur eines vorweg: Eine Aufgabe wird für alle jetzt Neugewählten unabdingbar sein: ein höheres Interesse an der Arbeit des Verbandes, seiner Bedeutung und - ja - der Verpflichtung wachzurufen, daran auch aktiv teilzunehmen. Nach den bislang vorliegenden Hinweisen waren weniger als einhundert Mitglieder anwesend, weniger als einhundert von weit mehr als dreitausend... (potztausend!).

P.S.

In nunmehr offenkundig ’weiser’ Vorhersehung einer solchen Entwicklung nach dem erfolgreichen Zusammenschluss der beiden Berliner Verbände auf die Fortführung der langen eigenen Vorstandsarbeit verzichtet, ist es nunmehr möglich, die während dieser Zeit eingeübte notwendige Zurückhaltung ein Stück weit aufzugeben.

Und auf die eingegangenen Fragen nach eigenen Positionen folgendes festzuhalten:

- Unterschiedliche Positionen, ja auch Streit, innerhalb eines Vorstandes sind Teil der Verbandsarbeit und sollten ggf. auch offen ausgetragen werden können. Aber dass es ausgerechnet der AfD gelingt, mit einer Diskussion über den Umgang mit ihren Positionen den Vorstand eines Landesverbandes von JournalistInnen zu sprengen, ist nicht nur eine Blamage, es ist eine Katastrophe für die politische Reife jener, die es nicht vermocht haben, aus dieser Auseinandersetzung eine vertretungsfähige Position abzuleiten.

- Daraus folgt: Jene, die als Vorsitzender oder Stellvertreter dafür die Verantwortung tragen, haben die Legitimation verloren, nochmals erneut für eine Vorstandsposition zu kandidieren.

- Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen für - als auch der persönlichen Nöte von - vielen Mitgliedern ist der Wirkmächtigkeit eines grossen Hauptstadtverbandes eine adäquate Rollenzuschreibung zuzuweisen. Diese ist mit neuem und jüngeren, qualifizierten und möglichst auch weiblichen Personal zu vertreten.

- Die hohe historische Verankerung der Arbeit des mehr als siebzigjährigen Verbandes darf sich nicht auf das Namedropping ’berühmter’ Mitgliedernamen von Brandt bis Loebe beschränken, sondern diese Tradition ist Verpflichtung für eine repräsentative Dynamik zur Verteidigung der zunehmend infrage stehenden Kompetenz einer "vierten Gewalt".

WS.

Anmerkungen

[2Hier Marina Weisband in ihrem Dlf-@mediasres-Kommentar vom 8. Juli 2020 zum RBB Sommerinterview. Plattform für Rechtsradikale?.

[3Die hier als Zitat wiedergegebenen Zeilen werden original mit dem Datum des "23. September 2020" gekennzeichnet. (Erstaunlich, dass die Ergebnisse schon so früh feststanden ;-) und der irrtümliche Eintrag bis zum 28. September 2020, 14:39 Uhr nicht korrigiert wurde...


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