Ab heute: "Digitale Souveränität und Resilienz"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 10. November 2020 um 13 Uhr 33 Minutenzum Post-Scriptum

 

I.

Zu diesem Thema beginnt heute gleich eine ganze Veranstaltungsreihe der Gesellschaft für Informatik e.V., die uns wie folgt angekündigt wurde:

Ringvorlesung Digitale Souveränität

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder der GI,
wir dürfen Sie ganz herzlich zu unserer Ringvorlesung einladen.
Die Vorlesungen finden zwischen dem 9. November 2020 und dem 8. Februar 2021 statt.
Veranstalter sind die Universitätsgesellschaft Potsdam e.V. und das Senior Fellows Network-Kapitel (SNF).
Mit der Ringvorlesung wird der Versuch unternommen, die Sichten unterschiedlicher Betroffener kennenzulernen und Ansätze für praktikable Lösungen für die Koexistenz beider Anforderungen, für digitale Resilienz und digitale Souveränität, zu finden.
• Jeweils Montag um 18.00 Uhr
• Hybridformat: Seminar-Raum S18, H6, Campus Griebnitzsee
• Online-Zugriff im Live-Stream
Details und Ablaufplan der Ringvorlesung auf der Webseite und/oder im Flyer zur Veranstaltung.

II.

Und zu der über DIESEN LINK eine Registrierung möglich ist.

Das hier angekündigte Thema ist in dem eigenen Rezeptions- und Kommunikationszusammenhang seit langem präsent.

- Bereits zu Beginn des Jahres 2016, konkret am 16. Februar, wurde der eigene Beitrag zu der Frage Digitale Souveränität? in einem Buchbeitrag gleichen Namens angekündigt.

- Im Oktober 2019 wurde das Thema auf einer Veranstaltung aus der Microsoft-Reihe "Explained" in Berlin diskutiert.

- Im Juli 2020 wurde dieses Thema erneut in einem eigenen Film unter der Frage: "DIGITALISIERUNG Was kommt danach?" Abnahme aufgegriffen.

- In der Ausgabe 09/2020 wurde im September 2020 in der c’t auf das Thema "Digitale Souveränität" im c’t uplink 34.3 hingewiesen.

- Im Zusammenhang mit den Medientagen in München #MTM20 stand des Thema dann am 28. Oktober 2020 erneut zur Diskussion und wurde auch an dieser Stelle zur Sprache gebracht: "Digitale Souveränität".

III.

Die Teilnahme ist u.a. über das ZOOM-Portal möglich, allerdings erst, wenn der übermittelte Zugangslink aktiviert und sodann die Zugangsanfrage mit einem Password bestätigt wird. Ob damit aber die bereits vor Monaten diskutierten Fragen nach den undokumentierten Zugriffen dieser Software auf die Innereien des eigenen Rechners inzwischen haben geklärt werden können? Denn insgesamt sind die angebotenen technischen Zugangsmöglichkeiten sehr mannigfaltig. Und es wird deutlich, dass man dort vor Ort bereits eine Menge Erfahrungen mit der Nutzung solcher Onlinetools haben sollte.

Dann aber das blanke Erstaunen, als der an diesem Tag vortragende Professor für Informatik gleich zum Eingang seiner Einführungsvorlesung erklärt, dass dieses für ihn heute die erste Online-Veranstaltung dieser Art sei.

Gut, jede(r) fängt irgendwann damit an und es war auf jeden Fall ein Vorzug, wenn dieser newbee-Status offen ausgesprochen wird. Denn nur so ist es zu verkraften, dass man sich nach einer solchen Vortragsrunde von gut eineinhalb Stunden wie in einem virtuellen Hörsaal der alten Schule vorkommt. Eine(r) spricht, zeigt sein Tafel- bzw. nunmehr elektronischen Wandbilder, und alle schweigen [1].

Das Ergebnis: Weder im Verlauf des Vortrags noch nach dessen Ende wurde auch nur eine einzige öffentliche Frage oder Anmerkung im Chat abgesetzt. Ein Gespräch fand nicht statt. Und das, obwohl fast 70 HörerInnen bis zum Schluss durchgehalten - oder wie es dann hiess, besonders viel Resilienz gezeigt - hatten.

Nach dieser Veranstaltung wird es schlagartig klar, warum an vielen Bildungseinrichtungen letztendlich der Transfer aus dem Hörsaal hin zum EDV-Screen so gut geklappt hat. Der Umstieg in die Welt der digitalen Transmission der Vorlesungen war in vielen Fällen eine nachgeschobene Online-Leistung, die zuvor in vielen Fällen längst durch die MOOC--Angebote erfolgreich umgesetzt werden konnten [2]. Und die - technisch gesehen - umso besser funktionierten, desto traditioneller die offline-Unterrichtsform zuvor gewesen war.

Anfang Juni 2020 wurde bereits ein erster Schreibversuch zu diesem Thema unternommen: ZOOM: Play-Fatique or -Fiction?!, heute ist die virtuelle Videopräsenz längst Teil unseres Alltags geworden, aber die daraus erwachsenden Herausforderungen sind immer noch alles andere als alltäglich...

P.S.

Vielen Dank für die Rückmeldungen zu dem Thema! Hier als pars pro toto diese Verweise:
- auf den heise online - Artikel 10/2020 : Warum die Bahn jetzt ihre Daten bei Microsoft und Amazon speichert.
- auf den Online-Beitrag von Winfried Wolf vom 30. Oktober 2020: Deutsche Bahn wird ab sofort über eine US-Cloud gesteuert
- als ’Gegenentwurf’ dazu, auf die Pressemeldung aus dem BMVI über das

Digitale Testfeld Erzgebirge


- dieses Anschreiben, in dem u.a. zu lesen ist:

Ganz und gar nicht fein (und wahrscheinlich auch nicht wendig) war das Zoom-Tool. Heute morgen musste ich erst wieder meinen Rechner von Unmengen hinterhältiger Elemente und Umkonfigurationen befreien, die ich mir mit Zoom eingehandelt hatte. Aber selbst schuld, ich hatte es ja geahnt (proaktiv), trotzdem teilgenommen (dumm geschaut) und danach Resilienz (reaktiv) zeigen müssen.

Anmerkungen

[1... und das ist vielleicht auch besser so, da in einer eigenen, an den Professor gesandten Chat-Nachrichten eine Korrektur angemeldet wurde, der es nicht bedurft hätte. Es ging darum, dass wir als Privatpiloten die älteren Flugzeuge immer noch "am Draht" geflogen und alle Leitwerke auf diesem Wege mechanisch bedient hatten. Während im Englischen mit dem Begriff Fly-on-wire gemeint ist, dass diese Steuer-Systeme durch computergesteuerte Eingriffsmöglichkeiten ergänzt oder sogar abgelöst werden.

[2So bietet zum Beispiel, ebenfalls erstmals am 9. November 2020, die Linux-Foundation diesen Einführungskurs an: Introduction to Hyperledger Sovereign Identity Blockchain Solutions: Indy, Aries & Ursa.


5045 Zeichen