"Gnade sei Gott..." in den USA: Thanksgiving-Rituale

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 27. November 2020 um 14 Uhr 50 Minutenzum Post-Scriptum

 

1. Korinther (Lutherbibel) 1:3:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem HERRN Jesus Christus!

1. Corinthians (King James Bible) 1:

Grace be unto you, and peace, from God our Father, and from the Lord Jesus Christ.

Alles hängt irgendwie mit Allem zusammen, ohne dass wir dafür bis in das Jahr 1621, vielleicht sogar noch früher, zurückgehen oder den Kindern heute erklären [1] müssen.

Und zwar wie folgt:

Bei der Begnadigung der 2018 durch White-House-Onlinewahlen bestimmten Truthähne "Peas" und "Carrots" durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump,

sprach er davon, dass diese in einem fairen Verfahren ausgewählt worden seien - und dieses Ergebnis auch dann Bestand haben werde, falls es dennoch zu Einsprüchen vonseiten der Demokraten kommen würde:


Nach der Begnadigung des Truthahns "Corn" in diesem Jahr 2020, ruft ein Reporter beim Abgang des Präsidenten ihm die Frage zu, ob er vorhabe, sich auch selber zu begnadigen.

So zu sehen und zu hören in einem Video von SPIEGEL Politik vom 25. November 2020, 10:45 Uhr: "Ob er auch plane, sich selbst zu begnadigen, fragt ein Reporter. – - Fast scheint es so, als wolle Trump antworten" aber dann... dann ist ausser dem Applaus nichts (mehr) zu hören, sodass nur noch dieses Bild in Erinnerung bleiben wird: JPEG

Und dann kommt es so, wie es schon in dem hier zitierten Beitrag angesprochen worden war: die "Begnadigung von Ex-Sicherheitsberater Flynn", aus Sicht des Dlf-Kommentars von Doris Simon "Ein schwerer Angriff auf den Rechtsstaat":

Wer zu Trump steht, darf lügen und die Justiz behindern

Dass Michael Flynn zugegeben hatte, das FBI angelogen zu haben über seine Kontakte zu Russland, das ist aus Sicht des Präsidenten kein Problem. Im Gegenteil: Mit seiner Falschaussage zu seinen geheimen Gesprächen hat der frühere General an erster Stelle nicht sich, sondern den Präsidenten geschützt – die Untersuchung betraf schließlich Trump und die mutmaßliche Einmischung Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016. [...]

Und später:

Umstrittene Begnadigungen gab es auch unter früheren Präsidenten. Es ist das System Trump, das gefährlich ist an dieser und an anderen Begnadigungen. Es ist ein schwerer Angriff auf den Rechtsstaat, auf das Amt des US-Präsidenten, aber vor allem auf das Vertrauen der Bürger in die Institutionen des Landes.

Was die Tradition der Begnadigung von Truthähnen betrifft, so geht diese bis auf die Präsidenten John F. Kennedy und George H.W. Bush zurück. Darauf hatte der Spiegel am 27. November 2013 in diesem Beitrag hingewiesen: Obama begnadigt "Popcorn" und "Caramel"

"Du wirst vor Preiselbeersauce und Füllung bewahrt": US-Präsident Barack Obama hat zwei Truthähne vor dem Thanksgiving-Tod gerettet. "Popcorn" und "Caramel" müssen sich aber anscheinend auch revanchieren - einer von ihnen ist schon für das Wahlkampfteam des Demokraten eingeteilt.

P.S.

Dass mit diesem Tag die Trump-Administration letztendlich dann doch damit beginnen musste, die Übergabe der Regierungsgeschäfte und Ämter an den President Elect vorzubereiten, ist die eine Seite - die zeigt, wie letztendlich stabil das demokratische Gefüge in den USA immer noch funktioniert - die andere aber findet sich ein diesem Aufsatz von Ana Palacio wieder.

Ana Palacio, ehemalige spanische Außenministerin und Vizepräsidentin der Weltbank, ist Mitglied im spanischen Staatsrat, im Global Agenda Council des Weltwirtschaftsforums und Gastdozentin an der Georgetown University in Washington D.C. Sie schreibt, hier in der Übersetzung ins Deutsche:

Dieser Wahlgang war alles andere als eine umfassende Absage an Trump und den Trumpismus und er hat gezeigt, dass sich Trumps Einfluss weit über seine Präsidentschaft hinaus erstrecken wird.

Anmerkungen

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