BR: Wilhelm geht... Wildermuth kommt

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 2. Februar 2021 um 00 Uhr 48 Minutenzum Post-Scriptum

 

I.

Zunächst in der Anlage über den bisherigen Intendanten Ulrich Wilhelm [1] ein Past’nCopy vom 19. Jänner 2021 von dieser Internetseite:
https://www.br.de/unternehmen/inhalt/organisation/bayerischer-rundfunk-intendant-ulrich-wilhelm-v2-102.html

Denn es ist sicher, dass dieser Eintrag alsbald ganz verschwinden wird - nachdem er schon seit dem 1. Januar 2018 keine Aktualisierung mehr erhalten hatte.

II.

Hier zur Erinnerung auch dieses Video, das bislang auf dieser hier zitierten Seite eingestellt worden war:

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III.

Als aktuelles Pendant dazu das BR extra Gespräch vom Chefredakteur Christian Nitsche mit Ulrich Wilhelm zum Thema: Herausgeforderte Demokratie [2] und dessen Ankündigung [3] PNG

Bilanz nach zehn Jahren BR-Intendanz
Ulrich Wilhelm, Jurist und Journalist, hat sich nach zwei fünfjährigen Amtszeiten als BR-Intendant dafür entschieden, nicht wieder anzutreten. Was ihn dazu bewogen hat, wie gut der BR in der sich digitalisierenden Medienwelt aufgestellt ist, was der vorläufige Stopp für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages bedeutet – auch dazu wird BR-Chefredakteur Christian Nitsche den Intendanten, der noch zwei Arbeitswochen im Amt vor sich hat, heute Abend befragen. Zum 1. Februar übernimmt dann seine Nachfolgerin, Katja Wildermuth.

IV.

Dazu passend, dieses twitter-Zitat vom 22. Oktober 2020:

V.

Dass der Wechsel - nicht nur inhouse - fast wie ein Staatsakt inszeniert und kuratiert wird, mag ja schön und gut sein. Und auch einer gewissen Berechtigung nicht entbehren, da Wilhelm - zumal in seiner Zeit als ARD-Vorsitzender - auch immer wieder mit Engagement Position für den Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk (ÖR) bezogen und neu zu definieren versucht hat.

Aber dieses hier ist der Kommentar, der zu diesem Beitrag von allen im Nachgang veröffentlichten mit 11 "Gefällt mir" - Stimmen die höchste Zustimmung erhält:

Der BR Chefredakteur befragt der BR Intendanten im BR. So geht unabhängiger Journalismus in der Echokammer des ÖR.

VI.

Also: Auch nach dem Abschied des Intendanten aus der Dachetage des Rundfunkhauses (die er sich nach seiner Wahl zunächst dort neu hat einrichten lassen), werden die Probleme damit nicht kleiner werden - wohl aber die Budgets.

Und: Die Bedeutung und Rolle der ARD insgesamt in der digitalisierten Medienlandschaft wird sich deutlich ändern, sie wird weiter zurückgedrängt werden. Gestern noch durch den (im Grunde immer noch nicht ausgestandenen) Streit mit den deutschen Verlegern um die journalistischen Freiheiten im Netz, heute (mehr denn je) die Konkurrenz mit den US-amerikanischen Plattformen [4]:

Was die Situation gefährlich macht ist, dass die digitale Infrastruktur, in der sehr viel Meinungsbildung stattfindet, Demagogie begünstigt. Sie ist nicht dafür geschaffen worden, dass sie ausgleichend wirkt, dass sachliche Inhalte besonders stark verbreitet werden, sondern sie ist im Gegenteil durch die Unternehmen, die damit ihr Geld verdienen, so geschaffen worden, dass emotional aufgeladene und zuspitzende Inhalte sich verlässlicher und schneller verbreiten.

Dazu hier als pars pro toto der Hinweis auf diesen DIGITAL-TV-Artikel vom 14. Jänner 2021, dessen Überschrift klar und deutlich sagt, welchen Herausforderungen sich die traditionellen öffentlich-rechtlichen Medien zu stellen haben: Netflix overtakes ARD to become the second largest TV group in Europe [5].

Ampere principal analyst Tony Maroulis [...] said: “While Netflix has enjoyed success across the continent, local broadcasters are facing increased pressures.

VII.

Heute, sozusagen zum Start des Übergangs-Wochenendes, ist auf den Webseiten des BR bereits das erste Interview mit der neuen Intendantin als Pre-Podcast der Medienmagazin-Sendung zu hören, die am Sonntag ab 14:05 on air geht [6]. Hier also das zum Download freigegebene Interview von Nina Landhofer, anmoderiert von Linus Lüring und eingeführt von Ihren - nunmehr ehemaligen - mdr-KollegInnen Torsten Peuker, Chefredakteur und Claudia Müller, Gleichstellungsbeauftragte:

Neue BR-Intendantin: Die Pläne von Katja Wildermuth

P.S.

Am Montag, den 1. Februar 2021, gibt es in der Sendung FAZIT im Deutschlandfunk Kultur einen Nachklapp von Tobias Krone, an- und abmoderiert von Vladimir Balzer:

Parteilos, willensstark: die neue BR Intendantin Katja Wildermuth

Anmerkungen

[1

Der Intendant
Ulrich Wilhelm

Seit 1. Februar 2011 ist Ulrich Wilhelm Intendant des BR. Am 19. März 2015 wählte ihn der Rundfunkrat mit großer Mehrheit für eine zweite Amtszeit, die am 1. Februar 2016 begonnen hat. Am 1. Januar 2018 hat er außerdem den Vorsitz der ARD für zwei Jahre übernommen.

Der Intendant wird vom Rundfunkrat auf fünf Jahre gewählt. Eine Wiederwahl - auch mehrfach - ist zulässig.

Ulrich Wilhelm ist seit 1. Februar 2011 Intendant des Bayerischen Rundfunks. Am 19. März 2015 wählte ihn der Rundfunkrat mit großer Mehrheit für eine zweite Amtszeit, die am 1. Februar 2016 begonnen hat.

Journalismus als "erste berufliche Leidenschaft"

Der gebürtige Münchner ist Journalist und Jurist. Von 1981 bis 1983 studierte er an der Deutschen Journalistenschule in München und erwarb dort das Redakteursdiplom. Während seines Studiums der Rechtswissenschaften an den Universitäten Passau und München und seiner Referendarzeit arbeitete Wilhelm als freier Journalist unter anderem für den Bayerischen Rundfunk und als Congressional Fellow beim US-Kongress in Washington D. C.

Staatsdienst mit den Schwerpunkten Medien und Kultur

1991 trat er in den Staatsdienst ein, zunächst im Bayerischen Staatsministerium des Innern, später wechselte er in die Bayerische Staatskanzlei. 1999 wurde er Pressesprecher des Ministerpräsidenten und der Bayerischen Staatsregierung, 2004 Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Im November 2005 wurde Wilhelm Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung sowie Regierungssprecher im Rang eines beamteten Staatssekretärs.

Am 6. Mai 2010 wählte der Rundfunkrat Wilhelm zum Intendanten des Bayerischen Rundfunks. Seit seinem Amtsantritt treibt er den umfassenden Umbau des BR hin zu einem trimedialen Sender voran, in dem Hörfunk, Fernsehen und Internet eng vernetzt sind.

In der Europäischen Rundfunkunion (EBU) vertritt er ARD und ZDF im höchsten Entscheidungsgremium, dem Executive Board. Er ist u.a. Mitglied im Hochschulrat der Technischen Universität München und der Kuratorien der BMW AG und der Roland-Berger-Stiftung.

2013 wurde Wilhelm mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet sowie mit dem "Tutzinger Löwen" der Evangelischen Akademie Tutzing. 2016 erhielt er den Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik.

Am 20. September 2017 wurde der BR in der Sitzung der ARD-Hauptversammlung in Köln auf Vorschlag der Intendantinnen und Intendanten einstimmig zur neuen geschäftsführenden ARD-Anstalt gewählt. Damit ist BR-Intendant Ulrich Wilhelm seit dem 1. Januar 2018 auch Vorsitzender der ARD.

[2

Die demokratischen Systeme stehen weltweit unter Druck: Die USA sind zu Beginn der Amtszeit des neuen Präsidenten Joe Biden tief gespalten, die Corona-Pandemie versetzt die Gesellschaften auf der ganzen Welt seit einem Jahr in einen permanenten Ausnahmezustand und mit den sozialen Netzwerken gibt es völlig neue Herausforderungen im öffentlichen Meinungsstreit. Droht der freien Gesellschaft eine Zerreißprobe? Vor welchen Herausforderungen stehen Medien, Staat und Gesellschaft?

[3

Nicht nur die Entwicklung der Medien, sondern auch die Herausforderungen für Demokratie und Gesellschaft sind Themen, die BR-Intendant Ulrich Wilhelm umtreiben. Heute Abend um 22 Uhr wird er im BR Fernsehen Chefredakteur Christian Nitsche aktuelle Fragen beantworten.

Corona: Wie gut reagieren Politik und Medien?

Gefahren für die Gesundheit, Lockdowns, massive wirtschaftliche Eingriffe, Familien am Limit: Wie lange hält unsere Gesellschaft das noch aus? Was können die Medien beitragen, um einerseits die Corona-Politik verständlich zu machen, und um andererseits Falschmeldungen und Propaganda von sogenannten Corona-Gegnern zu entlarven? Um das Vertrauen der Bevölkerung in die Maßnahmen zu stärken, aber auch, um berechtigte Kritik zu üben, dafür sieht Wilhelm vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender in der Verantwortung.

USA: Spaltung der Gesellschaft und die Folgen

Wie sehr einseitige Berichterstattung eine Gesellschaft spaltet und die Auswirkungen der Pandemie noch verschlimmert, zeigt sich in den USA. Unabhängige, ausgeglichene Berichte zu finden, ist bei polarisierten TV-Programmen kaum möglich.

Noch mehr aber tragen Social-Media-Kanäle dazu bei, dass sich weite Teile der US-amerikanischen Gesellschaft unversöhnlich gegenüberstehen. Dass Twitter, Facebook, YouTube und andere Plattformen die Accounts von Präsident Trump nach dem von ihm unterstützten Sturm auf das Kapitol gesperrt haben, kommt für viele zu spät – andere kritisieren die von privaten Unternehmern verfügte Einschränkung der Meinungsfreiheit.

Für eine eigene europäische Plattform

Wilhelm kritisiert seit langem die Abhängigkeit Europas von den Tech-Giganten in den USA und plädiert für eine eigene europäische Infrastruktur, auf der Inhalte entsprechend der europäischen Werte wie Transparenz, Offenheit und Schutz der Privatsphäre veröffentlicht werden sollen. Und zwar nicht nur von den Öffentlich-Rechtlichen, sondern auch von Kulturinstitutionen wie Museen, Stiftungen, Hochschulen, von anderen Qualitätsmedien – und unter Einbeziehung des Publikums. Wie weit die Pläne für eine solche "European Public Sphere" vorangekommen sind, welche Unterstützer es in Kultur und Politik gibt, welche Länder sich dazu bekennen – darauf wird der scheidende Intendant heute Abend Antworten geben.

[4zitiert nach: BR-Intendant: Gestaltungshoheit über digitalen Raum behalten von Sissi Pitzer, 19. Januar 2021, 06:38 Uhr

[5

The streamer has overtaken German pubcaster ARD, which accounted for 5.7% of the 2020 TV group market share by revenue, with the BBC in fourth at 4.2%. Vivendi-owned Canal+ Group was the fifth largest with 3.2%.

[6Wird der BR damit was die Repräsentanz der Innenwelt gegenüber der Aussenwelt betrifft, wieder ein first mover?


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