Lese- & Hörtipp

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 9. April 2021 um 22 Uhr 48 Minutenzum Post-Scriptum

 

DER LESETIPP :

Der Streit um die öffentlich-rechtlichen Kulturradios.
Ein Beitrag zur aktuellen Diskussion von Steffen Grimberg: [1]

DER HÖRTIPP :

heute ab 20:05 im Deutschlandfunk das Feature
von Fritz Tietz: Alte Lieben

Liebesgeschichten aus Zeiten des Festnetztelefons
Regie: Matthias Kapohl
Es sprachen: Lisa Bihl und der Autor
Redaktion: Tina Klopp
Produktion: Deutschlandfunk 2021

DER NACHHÖRTIPP:

SWR 1 Leute :

- von A- Z

- nach Datum

- zum Thema: Digitales und Computer

- zum Thema: ALS [2] die Sendung vom 23. November 2020:

Syd Atlas | Kommunikationstrainerin | Pflegte ihren ALS-kranken Mann

- ein weiterer Beitrag von heute wurde bereits auf der Seite vom 31. März 2021 mit dem Titel "Die Spritze... und ihre Folgen" eingestellt. Aus der Vielzahl "Covid 19" - Beiträge und Meinungen gibt es diesen Verweis im Zusammenhang mit dem schon in "Mann sucht Spritze..." angesprochenen Thema der sogenannten Verschwörungs’theorien’ in einem Gespräch von Wolfgang Heim mit Rüdiger Maas, Gründer des Instituts für Generationenforschung, in der SWR1-Leute-Sendereihe vom 9. April 2021:

Untersuchte die Corona-Akzeptanz in Deutschland | Rüdiger Maas | Psychologe | SWR1 Leute

HIer vor allem ist der zweite Teil des Gesprächs von Interesse, in dem von den Folgen der Digitalisierung die Rede ist, auch in Deutschland,

P.S.

Natürlich, die Zusammenstellung dieser hier aufgeführten Beiträge mag für die, die darauf jetzt schauen oder reinhören mögen, eher aleatorischen Charakter haben. Für denjenigen aber, der diese kleine Sammlung zusammengestellt hat, ist jeder dieser Beiträge verbunden mit einem prägenden Stück der eigenen Lebensgeschichte. Dass diesem so ist, war aber zum Zeitpunkt der Genese dieser Sammlung so überhaupt noch nicht klar. Im Nach herein sind diese Konnotationen aber offenkundig, als da wären:

Die Vorstandsarbeit beim Berliner Journalistenverband, das aktuelle Engagement für ein Kunst-Im-Bau-Projekt beim Kulturradio des rbb, die frühe letztendlich immer platonisch gebliebene Liebesgeschichte mit einer jungen Frau, die in der Vermittlung des Fernmeldeamtes der Deutschen Bundespost arbeitete, die immer wieder neu aufflammende Neugier an der Lebensgesichte anderer Mensen und deren Bereitschaft darüber zu berichten, sei es in eigenen Interviews oder sei es in einem noch persönlicheren Umfeld, die eigene An-Sammlung von Beiträgen im Umfeld des Themas der Digitalisierung, die inzwischen den Zeitraum einer ganzen Generation umfasst, die Studien eines Psychologen im Allgemeinen und seine Erkenntnisse über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Generation Z und noch Jüngere, und schliesslich die eigenen Alltagserfahrungen und Bedrohungen mit und durch das Thema ALS.

Aber all das soll nicht im Mittelpunkt dieser Betrachtung stehen, sondern vielmehr die Frage, was uns dazu motiviert, solche Beiträge wie die hier heute zusammengestellen überhaupt zusammenzustellen und wie auch in diesem Falle, Dritten weiterzuempfehlen?

Aus dem zuvor ’Gesagten’ schält sich eine Antwort eigentlich schon heraus: Es ist der Umstand, dass jeder dieser als "empfehlenswert" gekennzeichneten Beiträge etwas mit uns macht: sei es nun emotional oder intellektuell. spontan oder im Nachherein, dass er in uns auf jeden Fall eine Resonanz auslöst, die uns nicht neutral bleiben lässt. Und dass dadurch das Bedürfnis ausgelöst wird, diesen Moment der - nennen wir es mal - "reziproken Energie" auszulösen und uns über diese Auswahlempfehlung(en), wie es das Wort ja selbst schon sagt: mit-zu-teilen.

Texte, audiovisuellen Eindrücke, die uns ansprechen, motivieren uns, andere anzusprechen, sei es im direkten persönlichen Umfeld, sei es auch in einem veröffentlichten Kontext wie zum Beispiel dieser Plattform hier, sei es in noch weiter ausgearbeiteten Strukturen einer Empfehlungsplattform wie der von piqd. Diese wirbt für sich mit dem Satz: "Kluge Köpfe filtern die besten Beiträge aus dem Netz" und knüpft damit, wahrscheinlich nicht ganz zufällig an an das Zeitungsmotto: "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf", setzt mit diesem neuen Slogan an an die Herausforderungen einer neuen Zeit mit neuen Rezeptionsmustern und -Gewohnheiten.

All diese Kompetenz und Qualifikation wird für die hier getroffen Auswahl weder behauptet noch bewusst in Anspruch genommen. Für die hier und heute zusammengestelle Liste von Beiträgen ist vielmehr zu sagen, dass sie sich zunächst wie zufällig eingefunden und aneinandergereiht hatte. Und erst danach in einer nochmaligen Gesamtschau fällt auf, dass dieser scheinbaren Zufälligkeit ganz offensichtlich eine eigene ’innere Logik’ zugrunde lag, die sich einem aber erst jetzt in der Rückschau - und im Verlauf der Redaktion dieses Textes - erschliesst.

Das Ganze nochmals in einem Schillerzitat:
"Willst du dich selber erkennen, so sieh, wie die andern es treiben!"
Und damit soll es auch gut sein.

WS.

Anmerkungen

[1

Kulturoptimismus statt -pessimismus!

Das Radio hat als Medium ein paradoxes Schicksal. Einerseits hören wir wohl alle täglich Radio. Morgens beim Frühstück, im Auto oder zwischendurch auch mal bei der Arbeit. Radio ist das Medium mit der größten Reichweite. Trotzdem führt es in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein. Berichtet wird ganz überwiegend über den großen Bruder Fernsehen, über die Entwicklungen bei den Zeitungen und Zeitschriften und natürlich über alles, was im Netz passiert.

Die Kulturwellen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks machen hier keine Ausnahme. Auch sie sind höchstens dann mal in der Diskussion, wenn es bei ihnen schwierig wird - wie aktuell bei den Umbaumaßnahmen im rbb und anderen ARD-Anstalten.

Die FAZ sieht bereits einen „Kahlschlag im Rundfunk“ drohen und schreibt vom „Mobbing gegen Bildungsbürger“. Die Zuständigen für die Kulturwellen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk würden einen Generationenabriss fürchten, konstatiert das Blatt für kluge Köpfe. Und planten nun, ihre Inhalte an Hörerprofilen auszurichten, „die empfindlich mit den Interessen des Stammpublikums kollidieren“. Ja, aber da liegt bei einer Reichweite von um oder unter ein Prozent auch das Problem.

Seien wir mal ehrlich: Veränderungen gehen denen, die mit dem Ist-Zustand zufrieden sind, immer zu weit und/oder auf den Geist. Das Radio ist nicht erst in den letzten Jahren vom „Einschaltmedium“ zum „Begleitmedium“ geworden. Wie oft schaltet ihr das Radio ein, um ganz bestimmte Sendungen zu hören? Ist es von daher verwerflich, auf veränderte Nutzungsgewohnheiten einzugehen und die Kulturwellen, wie die Fachleute sagen, „durchhörbarer“ aufzustellen?

Um mal eine pointierte Meinung dagegen zu halten: Die Kulturwellen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben über Jahrzehnte den Kulturbegriff einer Elite bedient, der mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr viel zu tun hat und einen zunehmenden Prozentsatz der Bevölkerung ausschließt. Wenn dem nun entgegengewirkt wird, ist das grundsätzlich begrüßenswert.

In der aktuellen aufgeregten Debatte begleichen Kulturpessimisten dabei auch alte Rechnungen. Dieselben Kreise, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerne seine Starrheit und mangelnde Flexibilität vorwerfen (wie die FAZ), sehen jetzt den Untergang des kulturellen Abendlandes heraufziehen.

Klar, nicht alle neuen Konzepte überzeugen. Bei Anstalten wie dem WDR und NDR sind Reformen im Hörfunk - um es mal vorsichtig zu formulieren - nicht in allen Teilen geglückt. Der Sparzwang sorgt dafür, dass an wichtigen Formaten wie „Zeitzeichen“ (rbb) oder „Stichtag“ (WDR) gesägt wird.

Ich plädiere für mehr Gelassenheit. Wenn jetzt Weltmusik, Neoklassik und Filmmusik in den kulturellen Kanon aufgenommen werden, passt das. Wenn jüngere Menschen gezielter mit kulturellen Inhalten und Formaten angesprochen werden sollen, passt das auch. Und bedeutet notwendigerweise, dass sich das Programm dann anders anhört als bisher.

Auch stärkere Kooperationen zwischen den vielen verschiedenen Kulturwellen der ARD und des Deutschlandfunks sind zunächst mal nicht per se schlecht. Sie müssen aber dem Programm, den Inhalten dienen und dürfen nicht reines Spardiktat sein.

Außerdem sollten wir diese Debatte nicht verengt auf die (je nach Zählart) neun Kulturwellen führen. Die Digitalisierung hat für beinahe unendliche neue Möglichkeiten gesorgt. Ein früher im Radio auf einem engen Sendeplatz ausgestrahltes Spezialthema kann heute in Podcasts in voller Breite und Schönheit für die „Hardcore-User“ präsentiert und abonniert werden. Das ZDF ist Hörfunk-Umtrieben qua Auftrag eigentlich gänzlich unverdächtig, bietet auf seiner Plattform ZDFkultur heute aber jede Menge nicht nur Seh-, sondern auch Hörbares. Arte mischt hier ebenfalls kräftig mit.

Geben wir den Macherinnen und Machern die Chance, Neues auszuprobieren. Das heißt nicht, dass wir auf eine kritische Begleitung verzichten. Was für die einen aber eine schlimme „Verflachung“ ist, kann für andere die Chance sein, überhaupt erstmal mit der wunderbaren Welt der Kultur tiefer in Berührung zu kommen. In diesem Sinne oute ich mich hier ganz klar als Kulturoptimist.

[2ALS ist eine degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems und die Diagnose ist gleichbedeutend mit einem Todesurteil. ALS ist nicht heilbar, der Astrophysiker Stephen Hawking und der Maler Jörg Immendorff starben daran. Auch Theo.

Theo war Filmemacher in Berlin und seine Witwe, Syd Atlas, hat jetzt ein Buch darüber veröffentlicht, wie der Verlauf der Krankheit war, wie schwer der gemeinsame Weg war und dass es trotz allem auch ein Danach gibt. Titel des Buchs: „Das Jahr ohne Worte“.


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