Baerbock vs. Habeck | Laschet vs. Söder

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 26. April 2021 um 10 Uhr 53 Minutenzum Post-Scriptum

 

Das Kommentieren tagespolitischer Ereignisse findet auf dieser Seite nur selten statt. Und auch an diesem Tag werden wir diese den dafür prädestinierten Quellen überlassen (siehe unten).
JPEG
Aber es geht hier mehr als um Tagespolitik, es geht um die Frage, wer ab Herbst 2021 die Nachfolge von Frau Dr. Merkel antritt - es sei denn sie liesse sich angesichts der Entscheidungskamalitäten der beiden Fraktionen von CDU und CSU dazu bewegen, doch nochmals für eine Kanzlerkandidatur anzutreten.

Bei Bündnis 90 / Die Grünen ist die Entscheidung heute verkündet worden; sie lautet: Annalena Baerbock [1] JPEG

In der Fraktions"gemeinschaft" von CDU / CSU heisst es dagegen immer noch: Dr. Markus Söder vs. Armin Laschet: JPEG

Dazu die folgenden Pressestimmen:

HANDELSBLATT :

„Der Schaden, den der Machtkampf von Armin Laschet und Markus Söder in der Union anrichtet, steigt mit der Zeit exponentiell. Je länger er schwelt, desto härter wird er von den beiden Unterstützerlagern geführt, und desto schmerzlicher sind die Verletzungen auf beiden Seiten, die bleiben. Wer auch immer am Ende Kanzlerkandidat wird, startet mit einer Bürde.“

HEILBRONNER STIMME:

„Der Moment für eine friedliche Einigung ist verstrichen. Schaden nehmen jetzt beide Bewerber. Was die Konkurrenten allerdings nicht frohlocken lassen sollte. Es sind noch fünf Monate bis zur Wahl. Und im September fragt niemand mehr, wie die Union zu ihrem Kanzlerkandidaten gekommen ist. Dann geht es nur darum, warum der Scholz-Zug bei der SPD genauso vor sich hin bummelt wie bei Martin Schulz vor vier Jahren. Und ob die Zeit für eine grüne Kanzlerin reif ist. So gesehen war Politik schon spannungsärmer.“

NÜRNBERGER NACHRICHTEN:

„Söder zieht mit einer Brutalität ins Feld, die ihresgleichen sucht in der Geschichte der Union [...] Der CSU-Vorsitzende hat seine Schwesterpartei überrumpelt. Jetzt drückt er ihr die Luft ab. Wozu das gut sein soll, weiß wohl nur er allein.“

REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER:

„Die CDU kommt nicht mehr zur Ruhe. Personalfragen beschäftigen sie über das erträgliche Maß hinaus. Zuerst bei der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Chefin, dann die ihres Nachfolgers – und nun die Frage, wer Spitzenkandidat der Union wird. Das alles ist eine ungeheure Belastung für die Christdemokraten. Es sät Unfrieden, spaltet und lässt kaum noch Raum für politische Arbeit.“

SCHWÄBISCHE ZEITUNG, Ravensburg:

„Das Land wird derzeit Zeuge einer Selbstzerfleischung, die als ein Akt der Selbstzerstörung nur unzureichend beschrieben ist [...] „Die ausgleichenden Stimmen werden immer leiser, die lauten fordern eine Abstimmung in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wohl wissend, dass eine Entscheidung in diesem Gremium eine Spaltung der größten Fraktion und somit der Union als Ganzes zur Folge haben könnte. Wer am Ende die Nase vorne haben wird, ob CDU-Chef Laschet oder sein Gegenspieler, der CSU-Parteivorsitzende Söder: Beide haben sich nicht nur persönlich entzaubert, sie haben Christdemokraten und Christsoziale gegeneinander aufgebracht und das nur knapp fünf Monate vor einer schwierigen Bundestagswahl. Wie die Union in den kommenden Wochen eine den Wahlsieg versprechende Kampagne bei all den entstandenen Verletzungen und Kränkungen organisieren will, ist das Geheimnis der Streithähne“

STUTTGARTER ZEITUNG:

„In einem so selbstvergessenen wie fahrlässigen Schauspiel der Verantwortungslosigkeit liefert sich die Union einen erbitterten Machtkampf auf offener Bühne. Das ist nicht nur grob unangemessen, da in diesen Tagen die Corona-Inzidenzen Stände erreichen, die alle Aufmerksamkeit der Politik erfordern. Die immer wilder werdenden Töne dieser Auseinandersetzung sind auch deshalb so deplatziert, weil in der Union gerade viel mehr zu Bruch geht, als es den handelnden Akteuren klar zu sein scheint“

VOLKSSTIMME, Magdeburg:

„Mittlerweile dürften sich die beiden nicht mehr viel zu sagen haben [...] Das ganze Wochenende sollen Markus Söder und Armin Laschet ‚intensive Gespräche‘ geführt haben. Dass dennoch noch kein weißer Rauch aufstieg, verhindert jetzt schon, dass eine Einigung zwischen diesen beiden Männern als einvernehmlich verkauft werden kann. Dabei zeigt sich, dass der Stillstand nach den Voten von Parteipräsidien und Vorständen beider Unionsparteien eher Söder nützte. Von der Parteibasis geschoben meldeten sich immer mehr CDU-Stimmen auch aus dem Präsidium für den Bayern. Und der wartet ab. Dass derweil die Führungsriege in der Schwesterpartei immer mehr an Autorität verliert, scheint den Franken nicht zu kümmern. Was aber, wenn am Ende das Wort von Parteigranden wie Schäuble, Bouffier, Kramp-Karrenbauer, Merz oder Grütters nichts mehr gilt? Die große CDU-Kanzlerin hat sich bereits in die Büsche geschlagen. Söder stünde als Kandidat ziemlich allein da“

P.S.

Im Medienmagazin des Bayerischen Rundfunks wird gefragt, warum die Frage nach der nachfolgenden Führungspersönlichkeit mit der Frage nach der Anzahl ihrer Kinder in Verbindung gebracht wird:

In der Ausgabe vom 26. April 2021 heisst es in der TAGESZEITUNG aus BERLIN:

„Laschet muss sich auf weitere Querschüsse aus München einstellen. Söder ist zu klug, um sie direkt auf den CDU-Chef abzufeuern. Er streut sie geschickt in seine Warnungen vor einem Rückfall der Union in Politik ‚aus den 90er-Jahren‘ ein. Die Begriffe ‚altmodisch‘ und ‚Old School‘ platziert er so, dass auch ohne den Namen Laschet jeder weiß, wer damit gemeint ist. Aber man merkt daran auch, dass Söder eben doch beleidigt ist und auf Rache sinnt. Also hängt er die Messlatte für Laschet möglichst hoch. ‚Deutlich über 30 Prozent‘ müsse die Union erreichen, eigentlich sogar ‚näher an 35 Prozent‘. Söders Abrechnung mit Laschet folgt nach der Wahl. Darauf kann sich Laschet verlassen. Zu hundert Prozent.“

Anmerkungen

[1vs. Robert Habeck


4914 Zeichen