Preview: "Stell Dir vor, es ist IFA..." und wir sind die Zukunft!

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 22. Mai 2021 um 12 Uhr 00 Minuten

 

Stell Dir vor

Du hast die Chance, Dir selber einen Plan zu machen für das, was die IFA in diesem Jahr massgeblich hätte ausmachen können. Wie hätte der ausgesehen?

Die Frage ist einfach zu beantworten und dann doch ungleich schwerer umzusetzen.

Packen wir’s an.

Die Antwort

Die Tatsache, dass es in diesem Jahr überhaupt keine IFA geben wird, ist seit dem 19. Mai 2021 offiziell [1] Bis Ende April hatten die potenziellen Aussteller noch die Möglichkeit gehabt, ihre Buchungswünsche free-of-charge zu stornieren. Und von dieser Möglichkeit haben sie im Grossen und Ganzen auch Gebrauch gemacht.

Aber was bedeutet das. wenn es in diesem Jahr keine IFA gibt? Anstatt hierüber lange zu spekulieren, gleich eine Antwort, die hier zunächst als Hypothese behauptet und dann als Arbeitsthese ausgeführt werden wird:

Die Absage der IFA - für dieses Jahr - bedeutet die Chance darüber nachzudenken, welches der nächste grosse Paradigmenwechsel ist, der für die Consumer-Electronics-Branche insgesamt bevorsteht, bzw. schon längst begonnen hat.

Die Absage der IFA bedeutet die Möglichkeit, die Chance, ja, die Verpflichtung, darüber nachzudenken, welchen Herausforderungen wir gewachsen sein müssen,

"Wir": Und das sind auch jene, die gerade erst dabei sind, erwachsen zu werden.

Die richtigen Fragen stellen.

Die IFA-Aussagen (fast) aller Hersteller und Dienstleistenden bestand darin, das an den Ständen und auf den Podien Antworten präsentiert werden, auf Fragen von potenziellen Konsumentinnen, die damit beantwortet werden könn(t)en.

Diese vielfältigen Szenarien sind uns alle über Jahre hinweg bekannt und bedürfen wohl an dieser Stelle keiner weiteren Re-Präsentation.

Die Abkündigung aller IFA-Ausstellungen und -Veranstaltungen bietet in diesem Jahr die ganz aussergewöhnliche Chance, nicht die Antworten, sondern Fragen in den Mittelpunkt eines Geschehens zu stellen, dessen Rahmen erst noch zu definieren und zu finanzieren sein wird [2].

So viel steht dabei fest: um die richtigen Fragen richtig stellen zu können, ist es unvermeidlich, zunächst noch einmal in die Vergangenheit zu schauen. Die These, die dahinter steht lautet: Mit zunehmender Digitalisierung und Disruption wird das "Auf Sicht Fahren" - mit Schlagworten wie "Agilität" und "Flexibilität" propagiert - zur Norm: Und dabei vergessen, ja missachtet, dass auch in Zukunft das Neue aus deM Zerstören des Alten erwachsen wird - solange denn "das Alte" überhaupt noch erkannt wird.

Das Alte im Neuen

Ohne von der hier gestellten Aufgabe zu weit abzuweichen, sei daran erinnern - oder auch nur wieder darauf aufmerksam gemacht - wie sehr wir uns und er Symbolsprache von Bild und Ton der Elemente des Alten bedienen, weil wir für die Ausprägungen der gleichen Leistungen und funktionen in der neuen Welt noch keine Entsprechungen gefunden haben. Sei es nun das in einer animierten Grafik leise vor sich hin vibrierende Wählscheibentelefon oder das Klick-"clack"-Geräusch eines Kameraverschlusses auf unseren portablen IT-/AV-Geräten.

Gerade in Zeiten eines Paradigmenwechsels wie diesen ist ein back-to-the-roots wichtig und not-wendiger denn je. Und das nicht aus Nostalgie, oder weil wir noch keine Symbol- und Formensprache für das "Neue" gefunden haben, sondern weil das Thema der Zukunft, das sich die IFA ja in den letzten Jahren auf ihre Marketing-Fahnen und -Banner geschrieben hat, mehr ist als nur die symbolhafte Anknüpfung an historische Ereignisse der Rundfunk-Geschichte.

Ein Programm-Entwurf

"Die Frage ist einfach zu beantworten und dann doch ungleich schwerer umzusetzen" so haben wir oben geschrieben. Wenn es also noch vergleichsweise einfach war eine Antwort zu formulieren und zu behaupten, dass der Ausfall der IFA in diesem Jahr die Chance beinhalten, von diesem "Nullpunkt" aus dem nächsten Paradigmenwechsel "ins Auge" zu schauen, so mag es in der Tat ungleich schwerer sein, eine Antwort darauf zu finden, wie dieses zu machen sei.

Wir versuchen es an dieser Stelle dennoch und skizzieren diesen Programm-Entwurf für einen solchen Dialog, der auf diesen vier Säulen aufgebaut ist: Geschichte - Retro - Futuro - Zukunft.

GESCHICHTE

Die Rundfunk-Geschichte: Ihr Anfang vor 100 Jahren und ihr Anfang vom Ende heute.

Der Rundfunk aks Massen-Kommunikations-Instrument zur Aufrüstung zu Krieg und der Rundfunk als Demokratisierungs-Instrument der Siegermächte.

Das Ende des Rundfunks - und der staatlichen Kontroll- und Einflussmöglichkeiten.

RETRO

Die Wellenreiter begegnen den Internetsurfern. Eine Altherrenrunde der Technikdirektoren spricht über die Zukunft. Die Generation X,Y & Z schaut zurück.

Warum heisst ein reines Internet-’Fernsehen’: "Funk"?
Warum macht eine BILD Zeitung in Zukunft "Live"-TV?

FUTURO

"... außergewöhnliche Ideen von Wissenschaftlerinnen mit Abschlussarbeiten zu medientechnologischen Themen" [3]

ZUKUNFT

"Beyond Broadcast" "One-to-Manny" in analogen und digitalen Welten

- in Deutschland, Österreich und der Schweiz

- in Europa

- in den USA,

- in Russland

- in der ’Arabischen Welt"

- in Lateinamerika

- in S.O.-Asien

Vom Nach-Denken zum Probe-Handeln

Vom Kräftemessen auf Messen zum Vermessen der Konsum-Potenziale

Vom Broadcast zum IP-cast

Was bedeuten Individualisierung, Interaktivität, Interoperabilität konkret?

Was schon längst ’funk’tioniert...

...und was nicht funktionieren darf.

Anmerkungen

[1Siehe dazu den ersten an diesem Tag verfassen Beitrag Jetzt ist es raus: KEINE "IFA" IN 2021 !.

[2Dieser Beitrag wird Mitte Mai verfasst und es ist zu wünschen, dass aus dem Futurum zu diesem Zeitpunkt der Veröffentlichung eine Vergangenheitsform ohne ein "Preview" gewählt werden kann :-)

[3ARD/ZDF Förderpreis FRAUEN + MEDIENTECHNOLOGIE
- Lisa-Marie Bauer:Kulturerbe in AR: Evaluation eines AR-Erlebnisses zur Entdeckung einer Dokumentarreihe zum UNESCO-Welterbe. Ludwig-Maximilians-Universität München
- Meike Cruz Leon:Eine qualitative Studie über den Einsatz von audiovisuellen Lernangeboten auf dem Tablet zum Erlernen von Gebärden bei Kindern mit kognitiven und kommunikativen Beeinträchtigungen und deren Eltern. Donau Universität Krems
- Pelin Dogan Schönberger:Automatic Alignment Methods for Visual and Textual Data with Narrative Content. Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Pressemitteilung 01/2021vom 21.05.2021Seite 2/3
- Jelena Kitanovic: Evaluation der Ton-Wiedergabesysteme von Virtual Reality-Brillen mit besonderem Fokus auf den Einsatz extraauraler Kopfhörer. Hochschule Düsseldorf
- Laura Laugwitz: Qualitätskriterien für die automatische Inhaltsanalyse. Zur Integration von Verfahren des maschinellen Lernens in die Kommunikationswissenschaft. Technische Universität Berlin
- Ina Matthes:Herangehensweise und Besonderheiten bei der Produktion von Bewegtbild für den Einsatz im Social Media Marketing auf Facebook und Instagram. Technische Hochschule Deggendorf
- Elena Pelzer:Living with Cultivating Messages. What Are the Constructs that Compose Media Messages in Cultivation Theory? Westfälische Wilhelms-Universität Münster
- Pia Probst: Distanzen im "Cinematic Virtual Reality".Ludwig-Maximilians-Universität MünchenDaniela Rieger: Objektbasierte Musikproduktion. Entwicklung eines kombinierten Workflows für Dolby Atmos Music und 360 Reality Audio auf Basis einer bereits bestehenden Stereo-Mischung. Hochschule der Medien Stuttgart
- Silvia Rothe: Konzepte und Guidelines für Applikationen in Cinematic Virtual Reality.Ludwig-Maximilians-Universität München


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