Eine Steh- Sammel- Ordner Affäre

VON Dr. Wolf SiegertZUM Mittwoch Letzte Bearbeitung: 23. Juni 2005 um 21 Uhr 47 Minuten

 

Von den Geschenken musste in diesem Jahr nur eines umgetauscht werden. Das war bei Karstadt in der Wilmersdorfer Strasse in Berlin. Und das verlief reibungslos.

Aber dann gab es doch noch einen heftigen Disput, der fast in einem Krach ausgeartet wäre, hätte der Klügere (und sei es durch den Rücktritt von seinen Ansprüchen ;-) nicht nachgegeben.

Auf einer Aktionsfläche im Erdgeschoss wurden in einem offenen Regal Stehlsammelordner angeboten. Die Teile waren allesamt nicht einzeln ausgespreist, wohl aber darüber mit einem darüber aufgehängen Schild als besonders wohlfeil angekündigt: € 1.50 anstatt € 1.95 war da geschrieben.

Unter der verschiedenen Sorten und Farben gab es auch noch vier transparente Ordner. Diese gefielen besonders und wurden daher sofort als Spontankauf mit zum Verkaufstisch genommen. An der Kasse werden die insgesamt vier Teil eingescannt - und dann mit einem Preis in zweistelliger Höhe annonciert.

Auf meine Nachfrage, dass vier mal Einsfünfzig den Bruttopreis von sechs Euro ausmache, gibt es keine befriedigenden Antwort. Die Kassiererin deligiert meine Frage an eine Fachverkäuferin, die erklärt, dass diese vier Ordner laut Auskunft des Scanners zuvor noch teurer gewesen seien als Einsfünfundneunzig.

Die Sache eskaliert. Ich bitte die Verkäuferin mit mir und der Ware zurück an das Regal zu gehen, stelle die Ordern dort zurück und bitte sie, sich selbst von der Auslage und der Präsentation des Angebots zu überzeugen. Sie tut dies - und holt ihrerseits die Vorgesetzte.

Aber auch die Ausflüchte dieser Dame sind alles andere als überzeugend. Der Einstandspreis der transparenten Ordner würde sich von dem der anderen farbigen Ordner unterscheiden und diese könnten daher auch nicht zu dem oben ausgewiesenen Preis verkauft werden. Nachdem ich mir dergleichen lang genug angehört hatte, mache ich darauf aufmerksam, dass sich das Haus mit einem solchen Vorgehen strafbar mache.

Endlich - aber erst jetzt - kommt Bewegung in die Sache: ja, man würde ja nur noch von einer Aktion in die nächste taumeln und hätte für nichts mehr richtig Zeit und... so weiter und so weiter.

Gut, sage ich, dass Sie von dem aktuellen Druck offensichtlich überfordert sind, mag ich persönlich gerne gelten lassen, aber dass mir die Sache nicht zu dem Preis zu verkauft wird, der angekündigt wird, das nicht.

Als dann dennoch die Chefin die Steh-Sammel-Ordner wieder so in die Regale einräumen will, als wenn dieser Dialog nicht stattgefunden hätte, fordere ich sie auf, diese nunmehr definitiv von dort zu entfernen und drohe im Falle der Zuwiderhandlung mit weiteren rechtlichen Schritten.

Und so "einigen" wir und dann doch: Die vier Klarsichtsammelordnern werden mir nicht zu dem ausgewiesenen Preis verkauft, aber auch nicht wieder ins Regal zurückgestellt.

Nach dieser unvorhergesehenen Verspätung eile ich zur nächsten S-Bahn-Station um einen Zug in Richtung Mitte zu erwischen. Auf dem Weg dorthin prangt mir ein Plakat entgegen: "Karstadt" ist dort zu lesen, sei "mehr als Sie erwarten".

Na dann: "Prosit [1] Neujahr!"

WS.


Anspruch und Wirklichkeit [2].

Nachfolgend ein Auszug aus Texten der Karstadt Quelle AG über und für die "Mitarbeiter" zum Thema
"Nachhaltigkeit" . [3] [4]

Erfolg wird von Menschen gemacht

Nachhaltige Personalpolitik muss die Voraussetzungen schaffen, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Exzellente Leistungen erfordern heute ganz besonders die Fähigkeit, mit dem schnellen Wandel der Gesellschaft Schritt zu halten. Kundenbedürfnisse und Trends verlangen ständig neue Lösungen. Dabei gilt es insbesondere auch, andere Kulturen zu verstehen, um internationale Märkte erfolgreich zu erschließen. Darüber hinaus hat auch unsere jüngere Unternehmensgeschichte - die Verschmelzung der Unternehmen Karstadt, Quelle und Neckermann zum KarstadtQuelle-Konzern - einige Veränderungen gebracht, die unseren Mitarbeitern ein hohes Maß an Anpassungfähigkeit abverlangen.

Wir wollen ihnen die Chance bieten, diese Dynamik in einem motivierenden, sicheren und fairen Arbeitsumfeld in Kreativität und Kompetenz umzuwandeln. Integration und Internationalisierung, Leistungsmotivation und -förderung, flexible Arbeitszeiten sowie die Gewährleistung von Sicherheit und Fair Play am Arbeitsplatz sind für uns daher zentrale Themen.

- Integration fördern: KarstadtQuelle agiert auf internationalen Märkten, vereint verschiedene Unternehmenskulturen und Nationalitäten. Menschen integrieren und Internationalisierung fördern ist daher wesentlich.

Verbindungen herstellen

Unser Konzern besteht aus Unternehmen mit ganz eigenständigen Historien, die spezifische Werte und Strukturen ausprägten. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen arbeiten jetzt zusammen. Dies gilt vor allem für die seit 2002 gemeinsam geführten Mitarbeiter von Quelle und Neckermann. Wir unterstützen den Integrationsprozess durch Seminare und Workshops. Ergänzend stellen Mitarbeiterveranstaltungen und insbesondere die Berichterstattung über unsere Intranets und die Mitarbeiter­zeitung „ma:z“ Verbindungen her, die den Konzern zu einer vielfältigen Einheit zusammen wachsen lassen.

Übergreifende Koordination

Auch die zentrale Koordination der Personalpolitik fördert die Integration im KarstadtQuelle-Konzern. Zwar obliegt die Personalverantwortung den Unternehmen, doch koordiniert der Bereich Human Resources Management auf Holdingebene gemeinsam mit den Fachbereichen die Projekte, die integrierte An­sätze der Personalpolitik verfolgen. Dazu zählen Führungskräfte-Management, Altersvorsorge oder Arbeits- und Gesund­heitsschutz.

Internationalisierung erfahrbar machen

Die Internationalität unseres Unternehmens verlangt Integrationsbereitschaft und Toleranz. Auslandserfahrung ist der beste Weg, um andere Kulturen und Mentalitäten wirklich kennen zu lernen. Im Versandhandel arbeiten daher bereits rund 500 Beschäftigte als sogenannte „Expatriates“ eine gewisse Zeit in einer Auslandsniederlassung. Der Umgang mit anderen Menschen und deren Arbeitsweisen vermittelt Erfahrungen aus erster Hand, die auch später in der Zusammenarbeit und für das Verständnis internationaler Märkte entscheidende Vorteile bringen.

- Leistung motivieren: Um motivierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden, setzen wir auf ergebnisorientierte Leistungsanreize, Potenzialentwicklung und Nachwuchsförderung.

Potenziale entwickeln

Leistung soll sich rechnen. Unsere Versandsparte setzt daher auf ein erfolgsabhängiges Vergütungsmodell mit Zielvereinbarungen und Bonusperspektive. Es gilt seit 2004 für alle außertariflichen Mitarbeiter. Zeitgleich startete auch Karstadt Warenhaus ein analoges Modell.

Leistung belohnen setzt voraus, sie zu erkennen. Potenziale der Mitarbeiter müssen identifiziert und gefördert werden. Quelle und Neckermann entwickelten im Rahmen der „Strategischen Managemententwicklung und -planung“ (SMEP) gemeinsam ein Modell, um die Potenzialeinschätzung und die Mitarbeiterjahresgespräche koordiniert und einheitlich durchzuführen. Leistungs- und Managementpotenziale werden so versandweit systematisch identifiziert.

Führungsqualitäten stärken

Führungsqualitäten sind entscheidend für die Mitarbeitermotivation. Daher müssen sich auch die Führungskräfte konstruktiver Bewertung stellen. Bei Karstadt Warenhaus etwa durchliefen 70 Führungskräfte ein Managementaudit, das mit Konzentration auf Management-Kernkompetenzen die Basis für konkrete individuelle und teambezogene Entwicklungsmaßnahmen bildete. Die Versender setzen außerdem auf Führungskräfte-Feedback anhand von Online-Fragebogen, mit denen die Mitarbeiter anonym ihre Meinung darstellen können. In persönlichen Gesprächen mit der Personalentwicklung werden auf dieser Basis Verbesserungsansätze diskutiert und gemeinsam entwickelt.

Nachwuchs fördern

Im Jahr 2003 investierten die Unternehmen des KarstadtQuelle-Konzerns knapp 70 Millionen Euro in Aus- und Weiterbildung und gehören mit rund 3.500 Auszubildenden zu den großen Ausbildungsbetrieben Deutschlands. Um Führungskräftenachwuchs zu fördern, arbeiten wir mit Berufsakademien und Fachhochschulen zusammen. Wir entwickeln spezielle Ausbildungsgänge und Trainee-Programme, die vakante Führungsstellen für qualifizierte Mitarbeiter aus den eigenen Reihen zugänglich und attraktiv machen. Mit Qualifizierungsprogrammen für Methoden-, Sozial- und Fachkompetenz schulen wir die Mitarbeiter im Ein- und Verkauf. Fachlehrgänge und Einzelmaßnahmen der regionalen Personalentwicklung runden das Schulungsangebot ab.

- Flexibilität ermöglichen: Die moderne Gesellschaft verlangt Flexibilität. Wir entwickeln daher Wege einer individuelleren Planung von Familie und Beruf.

Absprachegebundene Arbeitszeiten

Die Arbeitswelt muss mit gesellschaftlichen Trends ebenso Schritt halten wie mit den Lebensphasen und -stilen der Mitarbeiter. In allen Vertriebsformen haben wir daher individuellen Arbeitszeitlösungen Spielräume eröffnet. Die „absprachegebundene flexible Arbeitszeit“ setzt bei Karstadt Warenhaus auf variable Absprachen zwischen Mitarbeitern, ihren Teams und Vorgesetzen. Plus- und Minusstunden können im Rahmen eines individuellen Jahresarbeitszeit-Kontos ausgeglichen werden. Im Versandhandel löste das flexiblere Modell der variablen Arbeitszeit die Gleitzeitvereinbarungen ab. Bis Ende 2004 wird dies auch in allen Verwaltungsbereichen von Quelle umgesetzt. Für die Einführung bei Neckermann laufen Pilotmaßnahmen.

Teilzeitmodelle und Telearbeit

Der Anteil der weiblichen Beschäftigten liegt konzernweit durchschnittlich bei rund 70 Prozent. Als größter Arbeitgeber der Region Nürnberg und mit einer Frauenbeschäftigungsquote von 62 Prozent leistet Quelle mit Teilzeitmodellen und Telearbeit einen Beitrag zur Flexibilisierung der Arbeit zugunsten der Familienplanung. Das Projekt „Beruf und Familie“ soll darüber hinaus Plätze in Kindergärten oder -tagesstätten vermitteln und bei der Suche nach geeigneten Schul- und Nachhilfeeinrichtungen helfen. Die Planung hierfür ist angelaufen. Auch Karstadt hat im Jahr 2002 die Höchstdauer der Elternzeit, des tariflichen Elternurlaubs sowie der Familienpause auf acht Jahre erhöht. Die über den Elternurlaub hinausgehende Familienpause kann - losgelöst von der Elternzeit bzw. dem tariflichen Elternurlaub - bis zum 14. Lebensjahr des zu betreuenden Kindes genommen werden.

- Fair Play leben: Fair Play bedeutet für uns Sicherheit am Arbeitsplatz, moderne Altersvorsorge, Chancengleichheit und fairer Umgang miteinander.

Gesundheitsschutz und Sicherheit

Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz sind für uns selbstverständlich. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit unterstützen konzernweit das Management bei Planung, Ausführung und Unterhaltung unserer Arbeitsstätten, der Gestaltung von Arbeitsplätzen sowie in Fragen der Arbeitshygiene.
In regelmäßigen Sitzungen der Arbeitsschutzausschüsse, in Gesundheitszirkeln und Audits diskutieren Mitarbeiter und Führungskräfte über arbeitsplatzspezifische Gefährdungen und Belastungen, um Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln. Chronisch kranke oder suchtgefährdete Mitarbeiter erhalten spezifische Beratungsangebote.

Chancengleichheit

KarstadtQuelle beschäftigt in Deutschland Menschen aus mehr als 100 Nationen. Respekt und Toleranz sind Bestandteil der Führungsleitlinien sowie auch das Prinzip der Chancengleichheit und der Nichtdiskriminierung. Als erstes großes Einzelhandelsunternehmen Deutschlands setzte Karstadt Warenhaus im Jahr 2003 Mitarbeiter mit eingetragenen Lebenspartnerschaften ihren verheirateten Kollegen gleich und tritt damit aktiv für die Nichtdiskriminierung Homosexueller ein. Die Regelung betrifft unter anderem die betriebliche Altersvorsorge.

Mit 4,6 Prozent ist die Schwerbehindertenquote bei KarstadtQuelle vergleichsweise hoch. Zwar sind gesetzlich fünf Prozent festgelegt, doch wird diese Marke von den meisten Unternehmen weit unterschritten. Um die geforderte Quote zu erreichen, haben wir 2002 im Stationären Einzelhandel eine Rahmenvereinbarung zur Integration Behinderter in den Berufsalltag getroffen. In Abstimmung mit dem Integrationsamt definierten wir Ansprüche und Ziele, die den Bedürfnissen behinderter Menschen gerecht werden. Um gerade jungen Menschen Ausbildungswege zu eröffnen, suchen wir Kontakt zu Berufsbildungswerken, Berufsförderwerken und Arbeitsämtern. Offene Arbeitsplätze schreiben wir künftig mit dem Zusatz „Behinderte Menschen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt“ aus.

Altersvorsorge

Im Dezember 2002 beschloss KarstadtQuelle eine Neuordnung der betrieblichen Altersversorgung. Ziel ist es, vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine zukunftsorientierte und sichere Versorgung zu bieten. Voraussetzung dafür war die Umstellung der verschiedenen Versorgungssysteme im Konzern auf ein einheitliches Modell in Form einer beitragsorientierten Zusage. Die bis Jahresende 2002 individuell erworbenen Versorgungsansprüche werden in das neue System überführt. Seit Januar 2003 zahlen wir unsere Beiträge in eine Pensionskasse ein und haben unsere Pensionsverpflichtungen zusätzlich über ein so genanntes Treuhandmodell durch Vermögensmittel abgesichert.

Anmerkungen

[1"Prosit kommt aus dem Lateinischen und lautet ins Deutsche übersetzt in etwa: "möge es nützen"

[2Nachtrag: das Thema hat inzwischen auch andere "Kommentatoren" auf den Plan gerufen: Gerald Fränkl zum Beispiel. Oder auch den neuen Chef höchstpersönlich, wie am Abend des 23. Juni 2005 in der Bauchbinde bei n-tv zu lesen war.

Die Bild-Text-Zusammenhänge sind dabei ebenso "frappant" wie "rein zufällig" ;-)

[3die zumindest unter der bisherigen ASP#4732 nicht mehr nachgelesen werden können

[4Hier erweist es sich einmal mehr als richtig, warum es sinnvoll war, die Originalquellen wirklich zu studieren und diese Textzitate nicht nur als Link, sondern als "Urtext" mit einzubinden. Quod erat demonstrandum.


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