10.Jänner: Start für CyberArts 2005

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 25. Januar 2005 um 12 Uhr 08 Minuten

 

Aus unserer offenen Sympathie für die ARS ELECTRONICA in Linz haben wir nie ein Hehl gemacht. Und das nicht erst jetzt, wo diese Veranstaltung selbst mit ihrem Weitblick auf die nächsten 25 Jahre dabei ist, Geschichte (auf-) zu schreiben.

Plötzlich aber stehen wir selber mit in der Diskussion, nachdem zu Beginn des Jahres die Anregung kam, sich mit diesem Weblog zumindest um eine der 12 ausgeschriebenen Anerkennungen im Rahmen des "Digital Communities" Award zu bemühen.

Diese Anregung kam trotz der guten Kenntnis um diese Institution überraschend. Denn im Vergleich zu den meisten anderen "Bloggern" wird hier der gesamte Diskussionprozess immer nur durch eine presserechtlich verantwortliche Person zusammengefasst und dargestellt.

Dann aber setzte das Nachdenken und Zuhören ein: Denn gerade die Spiegelung der Diskussionsprozesse an einer Person sei das Besondere dieser Arbeit, hiess es. Die Kontinuität dieses Bemühens und gerade der Nachvollzug der sich über diese Kontinuität nachvollziehbaren Veränderungen sei überzeugend. Wichtig sei auch die besondere Art der Software-Community, die sich kaum sichtbar hinter diesem Projekt verbergen werde und witzig sei der aus der Not heraus geborene Versuch, Ende 2004 einen erstes Web-Log-Art-Text zu präsentieren - und so hat ein interner Diskussionprozess begonnen, der an dieser Stelle ebenso "öffentlich" gemacht wird wie all die anderen Themen, die uns hier beschäftigen und zu Re-Aktionen veranlassen.

Daher wird also heute nochmals für alle Mit-Leser und -Denker und "Sympathiesanten" der Text der ab dem 10 Januar 2005 gültigen Ausschreibung nachfolgend wiedergeben und zur Diskussion gestellt. Und sei es auch "nur", um sie selbst anzuregen, sich mit weiteren Projekten ebenfalls zur Diskussion zu stellen:

"DIGITAL COMMUNITIES"

Die Kategorie "Digital Communities" des Prix Ars Electronica wird im Jahr 2005 zum zweiten Mal ausgeschrieben. "Digital Communities" berücksichtigt die weit reichenden gesellschaftlichen Wirkungen des Internet ebenso wie die aktuellsten Entwicklungen im Bereich von Social Software, mobiler Kommunikation und drahtloser Netzwerke. Bei "Digital Communities" geht es um mutige und inspirierte Innovation im menschlichen Zusammenleben, um die Überbrückung des geografisch, aber auch Gender-bedingten "Digital Divide" sowie um herausragende soziale Software und die Verbesserung der Zugänglichkeit technologisch-sozialer Infrastrukturen. "Digital Communities" würdigt das politische Potenzial digitaler und vernetzter Systeme und spricht damit ein breites Spektrum von Projekten, Programmen, Initiativen und Phänomenen an, in denen soziale Innovation gewissermaßen in Echtzeit stattfindet. 2005 werden in der Kategorie "Digital Communities" eine Goldene Nica, zwei Auszeichnungen und bis zu 12 Anerkennungen verliehen.

Worum geht es bei Digital Communities?

Kennzeichen der hier angesprochenen Digital Communities ist, dass sie dazu beitragen, das Leben der Menschen weltweit unter Nutzung digitaler und vernetzter Technologien zu verbessern. Die Verringerung des Digital Divide, die Förderung von "Emergent Democracy" und die Befähigung der Menschen, ihre Rechte und Freiheiten wahrzunehmen, gehören zu den Zielen, die hier angestrebt werden.
Digital Communities lassen Gemeinschaft, konstruktiven Kontext und soziales Kapital entstehen und treiben die gesellschaftliche Innovation voran. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, die jeweils relevanten Technologien und Infrastrukturen zugänglich zu machen oder überhaupt erst zu entwickeln. Digital Communities setzen sich für eine umfassende menschliche Entwicklung ein, zu der auch die Neugestaltung des Machtgefüges zwischen BürgerInnen und Politik, Staat, Verwaltung und Wirtschaft im Sinne von größerer Teilhabe, einer Stärkung der Rolle des zivilen Sektors und der Gestaltung lebendiger Demokratie gehören.

Einreichung

Die Kategorie "Digital Communities" ist offen für politische, soziale und kulturelle Projekte, Initiativen, Gruppen und Szenen aus aller Welt, die mit dem angemessenen Einsatz digitaler Technologie gesellschaftliche Initiative ergreifen und soziale Verantwortung beweisen. Sie wendet sich an Initiatoren und Betreiber von Communities ebenso wie an die Entwickler relevanter Technologien und würdigt Beiträge, die der Verbreitung und Etablierung sowie dem Verständnis und der Erforschung von Digital Communities dienen.
Sie richtet sich an die unterschiedlichsten EinreicherInnen: an private Initiativen genauso wie an öffentliche Einrichtungen. Relevante Projekte können von Grassroot-Initiativen bis zu professionellen Lösungen reichen und ein breites Spektrum von Zugängen und Schwerpunktsetzungen in "Community Innovation" und "Social Software" illustrieren. 2005 werden in der Kategorie "Digital Communities" eine Goldene Nica, zwei Auszeichnungen und bis zu 12 Anerkennungen verliehen.
Besonders bewertet werden die "Community Innovation" von Projekten, deren Nachhaltigkeit sowie die jeweils sinnvollste und am besten an den Endnutzern orientierte technologische Umsetzung. Dies kann - je nach Situation - durchaus auch die schlichte intelligente Verknüpfung vorhandener Tools und die Nutzung gegebener Infrastrukturen bedeuten.
Ebenso speziell gewürdigt werden zukunftsweisende technologisch-soziale Lösungen, Social-Software-Tools und Infrastrukturen und deren herausragende Umsetzung. Die Jury wird bei ihrer Bewertung die visionäre Weitsicht eines Projektes, den höchst möglichen gesellschaftlichen und technologischen Innovationsgehalt sowie dessen erfolgreiche Umsetzung und Etablierung würdigen. Dabei kommt jeweils der Angemessenheit und Offenheit der Lösungen besondere Bedeutung zu. Den Menschen soll durch solche Digital Communities-Projekte ein möglichst breiter Zugang zu Technologie, Netzwerken und Digital Commons ermöglicht werden. Die prämierten Projekte sollen Modellcharakter besitzen und durch ihre Zukunftsorientierung als Inspiration, Ermutigung und Enablement für andere dienen.

Die Kategorie "Digital Communities" bezieht unter anderem Projekte, Phänomene und Tätigkeitsbereiche wie diese ein:

Soziale Software

Emergent Democracy

Kollektive Weblogs, soziale Networking-Systeme

Filtering- und Reputationssysteme

Soziale Selbsthilfegruppen

Lern- und Wissens-Communities

Computergestützte kollaborative Prozesse

Gaming-Communities

Digitale Nachbarschaften, Community-Netzwerke

FreeNet-Initiativen, Wireless-LAN-Projekte

Digitale Städte bzw. Stadtentwicklungsprojekte

Bürgerbeteiligung, Bürgerkonferenzen

Telecenter

eGovernment, eDemocracy, eGovernance

Open-Source-, Creative-Commons-Content, P2P

Wer kann einreichen?
Teilnahmeberechtigt sind Einzelpersonen, Gruppen, Institutionen, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen. Es muss sich um zum Zeitpunkt der Jurierung aktive und durch eine Online-Repräsentanz bzw. Dokumentation nachvollziehbare Communities handeln. Community-Projekte müssen durch einen ermächtigte(n) VertreterIn eingereicht werden. Publizistische, wissenschaftliche oder künstlerische Arbeiten müssen vom Urheber bzw. Werknutzungsberechtigten oder deren legitimiertem Vertreter eingereicht werden. Bei Software muss es sich um im Echtbetrieb laufende und dokumentierte Software handeln, die durch die Entwickler unter Angabe der Lizenzform eingereicht wird. Alle EinreicherInnen müssen eine Person als StellvertreterIn für den Fall der Verhinderung bei der Präsentation der Gewinner nominieren. Ausschließlich kommerziell orientierte Projekte sind von der Teilnahme ausgeschlossen.


Mit hoffentlich "freundlicher Genehmigung" der Redaktion sei diesem Text nachfolgende "Anzeigentafel" angefügt, die sich die Grafik im Heft 3 der "c’t" auf S. 146 zur Illustration eines Artikels von Nico Jurran und Stefan Porteck über "Display-Module und -Software" haben einfallen lassen.
Auch wenn in der hier "angewedelten" und fürs Web aufbereiteten Darstellung nur schemenhaft erkennbar, werden auf dem Display die Wetterdaten von Berlin Tegel vom 10. Januar 2005, 10:20 Uhr, mit 10 Grad Celsius angezeigt.
Zwar hat die im Hintergrund einskizzierte "Skyline" nur wenig Ähnlichkeiten mit den berliner Vor-bildern, die thematische Nähe des PC-Towers zur "berliner Hungerharke" vor dem Flughafen in Tempelhof ist aber wohl dennoch nicht ganz zufällig - oder?

WS.


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