Startseite > Kalender-Artikel > Meckel und Merkel im Dialog

Meckel und Merkel im Dialog

Mittwoch 9. September 2026, von Dr. Wolf Siegert

Wir zitieren aus LinkedIn

"Wir sind nicht aufgeregt genug" von Prof. Dr. Miriam Meckel

Das ist der Satz, der mir aus meinem Gespräch mit Angela Merkel bei der #DigitalX am längsten nachgeht. Nicht aufgeregt im Sinne von nervös oder panisch, sondern neugierig, in Bewegung, hellwach dafür, dass hier gerade mit der Künstlichen Intelligenz etwas Großes geschieht.

Merkel sagte es so: „Ich habe manchmal den Eindruck, wir sind nicht aufgeregt, dass wir das alles ganz schnell verstehen müssen. Wenn wir genug aufgeregt sind und wenn alle die Dringlichkeit davon spüren, dann glaube ich, können wir noch was machen."

Und genau da liegt für mich der Punkt. Aufregung ist ein zutiefst menschliches Gefühl – etwas, das die KI (noch) nicht kann. Sie ist der Antrieb, hinzuschauen statt wegzuscrollen, zu fragen statt nachzuquatschen. Das Prinzip der europäischen Aufklärung, Kant, 1784: „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen." Aufgeregt sein heißt, diesen Mut heute neu aufzubringen und auch die darin liegende Verantwortung zu erkennen.

Was mir dabei besonders auffällt: Es ist nicht nur die Gesellschaft, die noch zu ruhig bleibt. Es ist auch die Politik. Merkel war da schonungslos mit den eigenen Reihen: Wer heute schon weiß, wozu man KI alles nutzen kann, „dann sind’s die extremen Parteien links und rechts, und nicht die Parteien der Mitte. Wir sind vielleicht ein bisschen zu behäbig geworden."

Dabei liegt in dieser Technologie eine echte demokratische Chance – wenn wir sie nicht nur nutzen, um unsere Gesellschaft weiter in Informationsblasen zu zersplittern, sondern um Demokratie zu erneuern. Taiwan hat vorgemacht, wie das gehen könnte: Unter der damaligen Digitalministerin Audrey Tang wurde die heikle Uber-Regulierung mithilfe einer KI-Plattform gelöst, indem über 400 repräsentativ ausgewählte Bürger:innen miteinander diskutierten. Und daraus entstand ein echter, tragfähiger Konsens, der Politik wurde.

Solche Werkzeuge könnten uns helfen, wieder näher an die Menschen heranzukommen, ihnen besser zuzuhören, direkte Beteiligung und Feedback zu ermöglichen, denn all das braucht unsere Demokratie dringen. Merkel knüpft daran an, wenn sie an die Bürgerräte erinnert, wie Winfried Kretschmann sie in Baden-Württemberg praktiziert hat: „Dieses Konzept würde ich zum Beispiel weiterverfolgen, und da kann man KI nehmen."

Wie dringend das ist, hat sich am Sonntag in Sachsen-Anhalt gezeigt. 43,8 % für die AfD. Merkel nannte es unumwunden „einen wirklich wahrhaftigen Einschnitt" in der Geschichte der Bundesrepublik – und fügte hinzu: „mir als CDU-Mitglied blutet das Herz."

Die Antwort darauf ist kein Rückzug hinter Brandmauern, sondern der Mut, wieder eigene Geschichten zu erzählen, Menschen dort abzuholen, wo sie sind, und die neuen Werkzeuge zu nutzen, um Demokratie lebendiger und direkter zu machen, statt sie der Empörungslogik der Plattformen zu überlassen.

Kurz: Wir sollten alle ein bisschen aufgeregter sein. Ich bin es nach diesem Gespräch jedenfalls und freue mich, dass ich diesem Thema in den nächsten drei Monaten besondere Aufmerksamkeit widmen kann.

Wie zitieren aus Meckel & Matthes vom 9. September 2026:

Stichworte Dr. Merkel:

Wie weit wird unsere im Rahmen der Aufklärung erworbene Freiheit durch die KI wieder eingeschränkt?
Wie kann der Mensch weiterhin Herr oder Frau über diese Technologie werden?
Wir werden Eruptionen in den Berufsaufstiegskarrieren erleben.
"Womit wollen Sie denken, wenn Sie nichts im Kopf haben?"
Was besteuern wir eigentlich, wenn wir keine menschliche Arbeit mehr haben?
Freiheit ist - auch gerade nach der Deutschen Einheit - immer auch an Verantwortung gebunden.
Wird das Gefühl wieder genauso wichtig wie das Faktum? Wir müssen den Kontakt zum Bürger suchen.
Die KI, das ist ein geistiges Enteignungsprogramm, das hat die Menschheit so noch nicht gesehen.
"Ja, ich bin Feministin auf meine Art..." nicht konfrontativ, für gleichberechtigte Teilhabe, ohne diesen Kampf und diesen Hass ...


Altkanzlerin zu Potenzial von KI: Merkel wünscht sich einen KI-Roboter - für den Haushalt
zdf-heute/panorama: 08.09.2026 | 22:38

Auch Angela Merkel beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz: Die Altkanzlerin hofft auf helfende Hände in der Küche - und warnt vor globalen Abhängigkeiten in der KI-Welt.

Hier Frau Dr. Merkel, als sie am 18. August 2018 einen damals neuen Digitalrat einzusetzen ankündigte:

Hier Prof. Dr. Miriam Meckel auf der Digital Southwest am 4. Mai 2018: