The Green Grass of Home

VON Dr. Wolf SiegertZUM Dienstag Letzte Bearbeitung: 22. Juni 2006 um 13 Uhr 01 Minuten

 


Das letzte Pressegespräch, das Herr Beckenbauer in Berlin noch vor dem Pfingswochenende in der Aufwärmhalle des Berliner Olympiastadion [sic!] gegeben hatte, war eigentlich keines. Seine Präsenz sei es, die bei einem so wichtigen Thema wie dem "Green Goal" von Bedeutung sei. Darüber sprechen - jo mai - das sollen lieber andere: Sein OK-Kollege Horst R. Schmidt zum Beispiel,

der sich bislang so gut in der Zusammenarbeit mit ihm bewährt habe, oder der Herr Klaus Töpfer.

Der sei ja mal selber Umweltminister in Deutschland gewesen - so wie der Herr Wallmann vor ihm und die Frau Merkel "danach".

Heute, 20 Jahre nach der Gründung des ersten Umweltministeriums muss es "natürlich" die TAZ sein, wenn es darum geht, die Geschichte des "Ministeriums zur Rettung der Welt" zu schreiben - und Gerd Rosenkranz tut dies in einem Kommtar im Rahmen der taz-Debatte [1].

Walter Wallmann, der erste im neuen Amt, hinterließ so wenig Spuren wie nach ihm [Töpfer] nur Angela Merkel. Bei ihm lag es daran, dass ihn die Macht in Hessen mehr interessierte als Verpackungsverordnungen. Bei ihr, dass sie ihre Rolle und die ihres Hauses als Leichtgewicht akzeptierte. Das Mädchen aus dem Osten sollte üben, üben, üben. Das tat es, allerdings ganz anders als es der dicke Mentor und alle anderen gedacht hatten.

Klaus Töpfer aber, Merkels Vorgänger, arbeitete strategischer als seine weniger schlauen Kritiker - der Autor inbegriffen - ahnten, denn er habe die Fundamente für eine Kreislaufwirtschaft gelegt, auf denen andere bis heute aufbauen. In Stichworten: Dosenpfand, Altautoverordnung, Deponieverordnung, Elektrogesetz ...

Töpfer setzte 1990 den Kabinettsbeschluss durch, der eine Minderung der nationalen Kohlendioxidemissionen um 25 Prozent bis 2005 zum Ziel hatte und an dem Trittin und Rot-Grün schließlich scheiterten. Möglich wurde der Beschluss, weil Wahlkampf war, eine Chance für jeden Umweltminister im Dauerclinch mit dem jeweiligen Kollegen vom Wirtschaftsressort. Denn Umweltpolitik ist in Deutschland beliebt, Kohlepolitik taugt allenfalls zum Lokalkolorit.

Vielleicht Trittins größte Tat, so Rosenkranz weiter, sei es gewesen, dass er bei den Grünen nach deren Bundestagswahlsieg 2002 den Verzicht auf ein viertes Ministerium durchsetzte - um sich vom Kollegen Wolfgang Clement die Erneuerbaren Energien zu greifen. Das waren nur ein paar Referate, aber vielleicht die wichtigsten für die Zukunft des Hauses überhaupt.

Das heute von Sigmar Gabriel bezogene Haus sei immer noch ein Häuschen im Vergleich zu anderen - aber es sei ein Zukunftsministerium für Abwicklung, Innovation und Rettung der Welt.

Fotos: AP
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Egal, wer die WM gewinnen wird, in der FIFA Green Goal Broschüre wird viel von der erstmaligen Umsetzung einer geschichtsträchtigen Leistung gesprochen: von der ersten klimaneutralen WM. Wenn schon die ganze Welt auf Deutschland schaue sagt Herr Franz Beckenbauer - in dieser Broschüre - "Da wollen wir natürlich auch beim Umweltschutz vorbildlich sein".

"Wenn", so in der Broschüre weiter, Deutschland auch in der FIFA-Weltrangliste etwas zurückgefallen ist, bei der Abfallvermeidung wurde die Vorreiterrolle behauptet." Mit FKW-freien Cola-Kühlschränken und den Stadionwürsten in Brötchen statt auf Pappdeckeln sei "Deutschland auf dem Weg zum UmWeltmeister".

Am Deutschen Wesen wird die Welt - zu Gast bei Freunden - eben doch von ihrem Umweltübeln genesen. Jetzt geht es bald um die Wurst. 20 Jahre nach seiner Gründung: Das Ministerium wird’s schon richten.


Hierzu berichtet Andreas Huppert in der Abendausgabe des
ZDFheute Journals . Und danach, live auf dem Sender, eine Interview mit Herrn Klaus Toepfer.


In einem Leserbrief vom 22. Juni 2006 wurde uns der folgende Link mit einem Video-Beitrag von Spiegel-Online zugespielt:
http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,11825,00.html

Anmerkungen

[1taz Nr. 7988 vom 6.6.2006, Seite 11


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