WW’s Film-Bilder

VON Dr. Wolf SiegertZUM Sonntag Letzte Bearbeitung: 20. Februar 2022 um 14 Uhr 00 Minuten

 

Anders als geplant, wurden auch die vorangegangenen Abendstunden in den immer noch neuen Räumen verbracht, um u.a. einen TV-Zugang auszutesten, zu installieren und zu programmieren.

Also weder Arbeit noch Freizeit, sondern notwendiges Tun.

Dabei fiel der Blick auf dieses 3-sat-Abend-Programm, das im Verlauf dieser Bemühungen zunächst als Testsignal. dann aber als beitragszahlungspflichtiges Angebot [1] genutzt wurde.

Während der bekannte Film "Paris, Texas" zunächst noch en passant beim Auspacken weiterer Kisten mitverfolgt wurde, nahm die nachfolgende Doku von Eric Friedler und Andreas Frege "Wim Wenders, Desperado" dann doch die volle Aufmerksamkeit in Anspruch ...

... und soll an dieser Stelle ausdrücklich zur Nachschau empfohlen werden, die bis zum 15. Mai 2022 online angeboten wird [2].

An dieser Stelle sollen aber zumindest an diesem Sonntag diese beiden in der Nacht während der Erstausstrahlung aufgenommenen Screenshots gezeigt werden, als pars pro toto:


Wobei dieses Foto zugleich eine Erinnerung an das immer noch in statu nascendi begriffene und ständig anwachsende Projekt ist, die Sammlung von "Selfie-Shadows" endlich online zu stellen und für eine Ausstellung vorzubereiten.

Weiterhin zu sehen ist der eigene Beitrag vom 9. Oktober 2008 "Pop? Komm!", in dem in einem Videomitschnitt die Antwort von Wim auf die Frage nach den Herausforderungen während und nach der Digitalisierung dokumentiert wurde:

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Hier der Versuch, diese Antwort so gut [und mit so wenig Annotationen als irgend möglich] ins Deutsche zu übertragen:

[…] Es ist seltsam [„funny“], dass Du [„you“] mir diese Frage über das Digitale Zeitalter stellst, und dass dies mit einer digitalen Kamera aufgezeichnet wird – [ja, ja,] ich habe das wohl gesehen [3]. Schau: Ich kann mir die Kontaktstreifen jener Bilder ansehen, die ich als kleiner Junge von sieben, acht Jahren gemacht hatte. Ich hatte eine Rollei-Kamera.

Und diese Kontaktstreifen sprechen zu mir und sagen: Schau, an diesem Tag bist Du in den Zoo gegangen. Und ich habe viele Fotos gemacht. Von den Lamas und den Guerillas und all diesem Getier ["stuff"]. Und dann und wann siehst Du meine Mutter oder jemand der mit mir war. Und Du siehst die Autos, so wie sie damals ausgehen haben und die Spiegelungen in den Scheiben. Und Du siehst den kleinen Jungen als Photographen. Und das ist alles in einer Anordnung, weil es auf dem Kontaktstreifen ist. Und die Negative haben Nummern: Und so kannst Du den Verlauf eines [ganzen] Tages im Jahr [– sagen wir - ] 1954 verfolgen.

Heute tun die Kinder das[selbe] mit ihren digitalen Kameras. [Aber] Es wird gelöscht sein oder verloren gegangen sein, wenn es eine neue Kamera gibt oder ein neues mobiles Telefon – denn viele dieser Bilder werden [heute schon] auf mit einem mobilen Telefon aufgenommen – oder aber sie werden auf irgend einer Festplatte verschwinden und niemand wird mehr in 10 Jahren noch in der Lage sein, diese Platte noch zu laufen zu bringen oder das Format auszulesen [in dem diese Bilder gespeichert wurden]. Von daher glaube ich, dass vieles von diesem überdokumentierten Zeitalter von selbst dabei ist, sich andauernd [auch wieder] zu löschen.

Auch die Idee von Erinnerung ist schon so gut wie ausgelöscht [„going“]. Wenn wir heute von „Memory“ sprechen, dann denkt keiner mehr daran, dass damit das Erinnerungsvermögen im Kopf gemeint sein könnte, sondern „Memory“, das bedeutet: Speicherplatz [„storage space“]. Ist es nicht so? Und das wird noch so weitergehen. Und das ist unverantwortlich. Denn diese Art [technischer] Speicherplatz kennt uns nicht. Und so wird etwas verschwinden. Unser Erinnerungsvermögen ist dabei sich [mehr und mehr] auflösen.

Also, einige Philosophen werden mit dieser Frage [noch] sehr viel radikaler vorgehen als ich.

WS.

Anmerkungen

[1An dem neuen Standort wurden von der ehemaligen GEZ-Verwaltunge zwei Rechnungen zugeschickt: eine für die berufliche Nutzung als Selbstständiger und eine als Bewohner in der neuen Bleibe.

[2... auch wenn Wenders im Gespräch mit Herzog sagt, dass er sich selbst diesen Film nicht anschauen werde.

[3Lacher im Publikum


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