DaybyDay: Retro-Reminiszenz & ResponsiveRoadmap

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 8. August 2020 um 12 Uhr 11 Minuten

 

In diesem Beitrag ist nachzulesen: Ein State-of-the-Art-Report, eine Skizze mit Ausblicken und ein qualifizierter Rückblicke auf die Geschichte dieser hier aktuell genutzten Onlinepublikation.

Prolog

Es ist richtig, dass in den letzten Wochen und Monaten Artikel mit technischen Bezügen auf die Themen IT, EDV, Netze, Hard- und Software... stärker vertreten waren als davor.

Bei einigem Nachdenken ist aber auch klar, warum das so ist, ja warum sich das fast zwangsläufig so entwickelt hat. Der - für vielen sogar aus der Not geborene - Zwang, unter den Folgen einer Pandemie die digitalen Dienste in den Mittelpunkt ihres Lebens (und nicht nur ihrer Arbeit) rücken zu lassen, hat eine Reihe von so nicht erwarteten Folgen gezeitigt.

Dazu gehört nur, dass diese neuen Dienste installiert und in ihren Möglichkeiten entdeckt wurden, sondern auch, dass es in diesem Zusammenhang immer häufiger zu Blicken "in den Motorraum" dieser digitalen Systeme kommt.

Sei es, aus dem Zwang heraus, dass etwas nicht so funktioniert wie versprochen oder erwartet, sei es, weil das Interesse an diesem Thema oder auch eines einzelnen Gadgets zugenommen hat.

State-of-the-Art

Aus der Sicht dieser Redaktion, Programme und Programmierung haben diese veränderten Bedingungen zunächst kaum Auswirkungen auf die eigene Arbeit gehabt. Ausser, das das Interesse an den schon seit jeher in dieser Publikation gewachsenen Themen noch weiter zugenommen hat und wir unsererseits oft auf diese noch deutlicher reagiert haben.

Artikel wie diese schon im März veröffentlichte Recherche über die aktuell nutzbaren Dienste der Videokommunikation, beruhten auf einer konkreten Anfrage von einer sehr spezifischen Klientel, die kurzfristig und dringlichst auf die Nutzung solcher Möglichkeiten angewiesen war, damit aber zumeist keine Erfahrung hatten. Ja, die diesen sogar mit mehr oder wenigen guten Gründen bis dahin ablehnend gegenübergestanden hatte.

Wenige Tage zuvor hatten wir auf die Nutzerzahlen und Profile geschaut - siehe: Zahlen - Daten - Zählpixelchen - und mit Erstaunen und Freude festgestellt, dass der Eindruck einer gewissen "Beliebtheit" des Angebotes nicht nur subjektiver Natur war, sondern von den statistischen Daten deutlich untermauert wird.

Long-Term-Challenge

In diesem Zusammenhang sind aber nochmals zwei Herausforderungen deutlich geworden, die bislang nach wie vor nicht zufriedenstellend bearbeitet, beantwortet und gelöst werden konnten:
- nach wie vor ist es nicht möglich, in der Abstimmung mit der VG Wort die zum Tel für unsere Verhältnisse beeindruckenden Nutzerzahlen in konkrete Auszahlungen zu verwandeln, selbst bei Artikeln mit fünfstelligen Zugriffszahlen und den darin eingefügten Zählpixelchen nicht [1].

- nach wie vor war es bislang der DNB nicht möglich, einen der wesentlichen Antriebe für eine frühe ISSN-Zertifizierung [2] in eine konkrete und auch technisch erfolgreiche Praxis zu überführen: Das "Crawlen" und "Caschen" dieser Seiten, um sie auch über den Tag hinaus dann noch einer interessierten Öffentlichkeit bereitzustellen, wenn mit dem Ende der eigenen Wirkungs- / Lebenszeit eine Fortführung dieses Projektes unmöglich geworden ist. [3]

Hotfolder oder Crawler?

Ein bereits seit Jahren eingeübtes Verfahren wäre es, von jeder der hier publizierten Seite ein PDF-File zu erstellen und dieses zur Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Dem standen aber zumindest diese zwei Argumente entgegen. Erstens hätte dies einen erheblichen technischen Aufwand nach der Erstellung einer jeder dieser Seiten bedeutet [4]. Und zweitens könnten nach diesem Verfahren spätere Änderungen, die an einem Eintrag vorgenommen werden - Aktualisierungen, zusätzliche Bezüge, Korrekturen - nicht mehr ohne Weiteres in die schon bei der DNB dann hinterlegten Files mit eingebracht werden.

Oder aber, man baut das grafische Interface so um, dass die üblichen, von der DNB aber auch von archive.org eingesetzte Verfahren direkt auf die einzelnen Seiten zugreifen können. Das bisher seit Jahr und Tag eingeführte Titelbild eines auf JQuery - Basis programmierten Monatskalenders als "Landingpage" bietet dafür aber keine entsprechenden Zugänge.

Also doch die zweitbeste Lösung akzeptieren und von jeder Seite eine PDF-Fassung mit dem sogenannten Hotfolder-Verfahren erstellen und abliefern? Oder sich doch von dem Kalender gut ebablieren Form verabschieden?

Technisch gesehen, würde auch die Wahl eines anderen Designs den Zugang zu den vielen, vielen bislang erstellten Seiten nicht verhindern. Aber damit laufen wir Gefahr, dass der entscheidende "Erste Blick" auf dieses Projekt dieses nicht mehr von anderen Publikationen dieser Art unterscheidbar machte. Denn im Verlauf aller bislang unternommenen Recherchen, Nachfragen und Vergleichen wurde uns bislang keine andere Publikation genannt, die sich mit so einem einfachen wie sinn-fälligen Intro den LeserInnen vorstellt.

Die Entscheidung...

... wurde getroffen, nachdem es nach einer ganzen Reihe von Anläufen und Anfragen sowohl bei der DNB als auch deren Dienstleister nun endlich möglich war, dass dort dieses Thema nochmals in einer grösseren Runde diskutiert und uns ein für das weitere Vorgehen zuständiger Ansprechpartner genannt wurde.

Wir werden also den Kalender in seiner bisherigen Form aufgeben müssen. Es wird eine zweite, neue weiterentwickelte Form geben, die wir unter dem Hostname "NG.daybyday.press" entwickeln und über diesen Link schon öffentlich gemacht haben.

Dass sich ein Zitieren oder Verlinken dieser Seite derzeit noch verbietet, ist - hoffentlich - selbstredend [5].

"NG" steht für Next Generation, ist auf der Basis von ’reinem’ html5-Code aufgebaut und nutzt alle derzeit inzwischen von dem Redaktionssystem SPIP neu entwickelten Möglichkeiten [6]

Warum SPIP?

Die Entscheidung für dieses Redaktionssystem beruhte auf zwei sehr einfachen Voraussetzungen. Zu dem Zeitpunkt, als diese Seiten konzipiert wurden, hatte SPIP bereits zweieinhalb Jahre lang seine Tauglichkeit und Stabilität in tausenden von grossen und kleinen WWW-Auftritten unter Beweis gestellt. Ausserdem gab es keine vergleichbaren Angebote auf dem Markt. Das heute sehr viel populärere WordPress erreichte erst im Augenblick des Starts dieser Publikation einen stabilen Zustand.

In Frankreich hatten sich zu diesem Zeitpunkt nicht nur viele Einzelpersonen, sondern sebst grosse Redaktionen wie die von Le Monde Diplomatique für den Einsatz von SPIP entschieden [7]. Und das aus guten Gründen: Schon damals konnten die Redaktionsmitglieder auch intern über diese Software über den jeweiligen Stand eines noch unveröffentlichten Textes diskutieren und so transparent und doch gesichert den Fortschritt seiner Genese nachvollziehen. Ein Prinzip, das bis heute Bestand hat und die Authentizität und Qualität der eigenen Arbeit mitbestimmt.

SPIP, das von uns eingesetzte «Système de Publication Pour l’Internet» ist in den letzten zwei Jahrzehnten von einer Spezialsoftware für Online-Redaktionen zu einer technologischen Plattform - bis vor nicht so langer Zeit sagte man dazu noch Framework - geworden, die die Webentwicklung immer noch vergleichweise leicht macht, und dennoch dabei die grosse Vielfahlt aller aktuellen Schnittstellen, Normen und Protokolle abdeckt .

SPIP heute

Vor 20 Jahren als Redaktions- und Publikationssystem entwickelt, löste SPIP eine kleine Revolution im frankophonen Internet aus. Bereits ein halbes Jahr nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2001 informierten über 500 Kommunalverwaltungen, Zeitschriften, Bürgerintiativen und Einzelpersonen über ihre Anliegen mit SPIP.

Seitdem wurde SPIP permanent weiterentwickelt und ist heute eine Plattform, auf der alle vorstellbaren Internetanwendungen entwickelt werden können. Dabei erleichtert SPIP seinen Anwendern den Einstieg in eigene Gestaltungen und Programmierungen wie kein zweites System seiner Art. Die Aufteilung von SPIP in einen Betriebssystem-ähnlichen "Kernel, der durch zusätzliche Plugins seine nutzbaren Funktionen erhält, unterscheidet das heutige SPIP von seinen ersten Versionen, deren monolithische Architektur nur noch Geschichte ist.

SPIP-Websites können heute mit wenigen Klicks vollkommen umgestaltet werden. Design- und Layoutvorlagen können als Plugin eingebunden und durch Hinzufügen von eigenen Gestaltungen im Verzeichnis, sogenannten squelettes, modifiziert werden.

Die von der SPIP-Community entwickelten und unter der GPL-Lizenz frei zur Verfügung gestellten Module verwirklichen die besonderen Fähigkeiten von SPIP:

  • Verwaltung mehrsprachiger Websites und ihrer Workflows,
  • Einbindung beliebiger Datenquellen,
  • Geolocation- und Telematik-Anwendungen,
  • Analyse-Tools für Datenjournalismus,
  • Webshops,
  • Vereinsverwaltungen, und mittlerweile
  • Angebote für alle möglichen Freizeitaktivitäten, für
  • Bedürfnisse von Forschern, Bibiothekaren und politisch Aktiven.

Die SPIP-Architektur erlaubt die Modifikation aller Funktionen und Gestaltungen dank eines durchdachten und erprobten Systems von Vererbung, die das Überschreiben von Funktionen, Werten und Gestaltungen erlaubt, ohne den zugrunde liegenden SPIP- oder Plugin-Code zu modifizieren. Mit diesem System wird sichergestellt, dass Updates keine von Anwendern gestalteten Elemente zerstören und diese keine Sicherheitslücken in SPIP einfügen, so lange sich alle an die einfachen SPIP-Konventionen halten.

Wer sich noch eingehender informieren will, möge diese Seite aufrufen: http://www.spip.de/33.

Retro und Responsive

Damit uns der Abschied von der eigenen, anno 2003 entwickelten Design-Umgebung nicht ganz so schwerfallen wird, werden wir diese auch in Zukunft als "RETRO.DaybyDay.press"-Version im Hintergrund weiterführen, aber seit Mitte 2020 wird sich die weitere manpower für Konzeption, Design, Programmierung und Funktionsprüfungen auf die New Generation- Version konzentrieren.

Auf die Frage, wie ein solcher "Kalender 2.0" aussehen könne, auch wenn dieser dann nicht mehr so aussehen könne wie der bisherige, sind bereits eine ganze Reihe von Vorschlägen eingegangen, wurden viele andere Webseiten gesichtet, Freund und Bekannte, Spezialisten und viele Brancheninsider zurate gezogen. Das ist auch der Grund, warum der jeweilige Entwicklungsstand schon vor diesem Datum über den oben genannten Link eingesehen und nachverfolgt werden konnte - und weiter als Verlaufs-Skizze online bleiben wird.

Denn einerseits ist klar, dass es notwendig ist, jenseits aller Nostalgie und allem Festhaltenwollen an einem bislang so erfolgreichen Design-USP, den zukünftigen Auftritt ganz und gar neu zu denken. Es hat sich andererseits aber auch gezeigt, dass die dem Kalender innewohnende Metaphorik, jeweils Repräsentant eines Zeitabschnitts zu sein, weiterhin von Bedeutung sein sollte.

Also: Wurde aus der monatlichen Kalenderseite mit all ihren all-täglichen Kalenderblättern ein Zeitstrahl, eine dynamische Zeitachse, auf der all jene Elemente von Zeit und Zeit-Räumen wieder zum Vorschein kommen, die wir schon aus der Kalenderdarstellung kannten. Nun aber in einer eher "liquiden" Form der Darstellung.

Exkurs. Das "Analoge" im "Digitalen"

Dass es zu einer solchen konzeptionellen Wende gekommen ist und dass sie Sinn macht, ist in ihrer Konsequent eigentlich "logisch": Solange wir in der analog determinierten Welt von einem Zeitkontinuum ausgehen konnten - selbst wenn wir uns dessen nicht bewusst waren - war es auch folgerichtig, diesen ununterbrochenen Ablauf in Form dieser Zeit-Abschnitte aufzuteilen und zu fixieren.

Jetzt aber, wo - um es in aller Kürze und Dramatik so zu formulieren - im Verlauf der Digitalisierung die Wahrnehmung von Zeit und Raum immer mehr in den kursorischen Momentaufnahmen einer diskontinuierlichen Kontinuität fixiert wird, ist es eigentlich folgerichtig, dafür ein neues Gegenbild zu finden, eine Landingpage zu definieren, die in ihrer Anmutung dazu beiträgt, wieder - zumindest sinn-optisch - eine Ganzheitlichkeit von Zeit-Räumen erlebbar zu machen - oder dieses zumindest zu versprechen.

Das NewGeneration-Design

Wir werden uns also darauf konzentrieren, Wege und Mittel herauszuarbeiten, die es den potenziell Interessierten möglich macht, mit ihrer Neugier, mit ihrem Interesse - oder auch schlicht und einfach vom Zufall gesteuert - auf einen Text (und gelegentlich auch Ton- und Bewegt-Bild-Angebote) zu stossen, der mit seinen jeweiligen Inhalten efüllt, wass die Überschrift und der Triggertext an erster Assoziationsfreude wachrufen.

Das klingt banal. Und ist doch das nur scheinbar Einfache, das so schwer zu machen ist.

Da wir bei der Umgestaltung der Seite weder in die Inhalte noch in deren formale Aufbereitung der bisherigen Publikationen eingreifen werden müssen (und dieses auch nicht sollten!), können wir uns voll und ganz der Ausgestaltung dieser ersten Seite zuwenden. Und diesen Vorgang und Fortschritt auch weiterhin transparent dokumentieren.

Look’n Feel ...

Das Ausgangskonzept entstand an Bildschirmen, die (einst noch mit Röhrentechnologie augestattet, fest) in den Büros installiert waren. Es gab seitdem mehrere Entwicklungsschritte, die hier nicht im Einzelnen dokumentiert werden, aber auf Anfrage gerne auskommentiert werden. Viele einst hochmoderne Konzepte wie Frames oder objektorientieres Arbeiten sind heute weitgehend obsolet. Das gilt auch für Formate, die einst einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hatten, dass überhaupt multimediale Elemente eingeführt und in Bewegung versetzt werden konnten, wie zum Beispiel Flash und Quicktime.

Heute gilt mobile first als "Leitmotiv", alles soll in einem responsive mode zur Verfügung gestellt werden können. Dieses Paradigmenwechsel gilt es auch im Zusammenhang mit den weiteren Entwicklungen dieser Seite nicht nur zu akzeptieren, sondern produktiv auszugestalten- und sich dabei dennoch von all jenen vordergründig operierenden Reizmechanismen fernzuhalten, die vergleichbar mit der Gewalt eines Maschinengewehrs die NutzerInnen zu erobern streben.

Aber viele liebgewonnenen Nutzungsgewohnheiten, wie zum Beispiel die durch das Rad an der Computermaus ausgelösten Funktionen, gilt es über Bord zu werfen. Und an neuen Verfahren zu arbeiten, die das Lese-Erlebnis zu einem erlesenen Vergnügen werden lassen, die das Einspielen von Tönen und bewegten Bildern in einer Qualität zulassen, die uns zumindest im Ansatz wieder-erleben lässt, was es heisst, eine Kirchorgel zu hören [8] oder einen 3D-Film sehen zu können.

Anmerkungen

[1Hier als pars pro toto drei weitere Artikel zu diesem Thema allein aus dem Monat April 2020:
- METIS: Meine Editorische Theorie In Scherben?
- METIS VerlagsZusatzFunktionen für Urheber
- Zählpixelchen, oh kommet...

[2

ISSN-Zuteilungs-Urkunde vom 25.01.2005

[3An diesem Punkt auf jeden Fall dieser

Programmhinweis für den 3. September

auf eine Veranstaltung in Leipzig, die mit dem Titel: „Der unsichtbare Pianist" überschrieben ist. Und die damit zugleich an das Intro eines in diesen Tagen fertiggestellten Films zu der Frage erinnert, was denn nach der Digitalisierung komme: "DIGITALISIERUNG Was kommt danach?" Abnahme .

[4PDF-Versionen der DbD-Artikel werden bereits automatisch generiert. Um diese der DNB zur Archivierung bereitzustellen, müssen sie zusätzlich in eine Verzeichnis- und Metatdatenstruktur eingebunden, das Ganze als Archiv gespeichert und dieses in einen so genanten Hotfolder bei der DNB hochgeladen werden. Das Verfahren ist im Kontext traditioneller Bibliothekarsarbeit nachvollziehbar, besteht jedoch aus so vielen Einzelschritten und -funktionen, dass bisher die Zeit fehlte, ein Plugin/Modul zu programmieren, das diese Aufgaben automatisiert.

[5Auch wenn wird sie schon für die externen Suchdienste haben freischalten müssen, um auch im Versuchsstatium voll funktionsfähig zu sein.

[6...einige der Stichworte lauten: Ajax, Jason, JavaScript,, MySQL, PHP, Python.

[8Ein Versuch dazu aus der eigenen Film-Werkstatt findet sich hier: "DIGITALISIERUNG Was kommt danach?" Abnahme.


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