BP JUMP: "Human Written"

VON Dr. Wolf SiegertZUM Samstag Letzte Bearbeitung: 13. Januar 2026 um 02h23minzum Post-Scriptum

 

In den vorangegangenen beiden Beiträgen haben wir nochmal zusammengefasst, welche Anstrengungen seit 2024 und im Jahr 2025 unternommen wurden, um endlich einen Zugang Für dieses Buchprojekt zu finden, der dafür sorgt, dass die nun anstehende Publikation auch über tagesaktuelle Themen hinaus von Bedeutung ist.

Wir haben lange darüber reflektiert, welche Möglichkeiten und Methoden es dafür gibt, um diesem Ziel angesichts einer sich ändernden Leserschaft und veränderter Rezeptionsbedingungen zu entsprechen.

Das erste Jahr 2024 wurde mit dem Thema „Hopp“, das zweite 2025 mit dem Thema „Step“ und dieses jetzt anstehende Thema mit der Überschrift „Jump“ überschrieben. Das bedeutet, dass es,nunmehr notwendig ist, wirklich zu springen, alles neu zu schreiben und zu performen: "Hic 2026 - hic salta".

Diese lange Vorbereitung hat aber auch ihren Preis. Die Entscheidung, bei dem Verfassen des Buches auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zu verzichten, wurde bereits an anderer Stelle wirkungsvoll inszeniert, zumindest im Bereich der Belletristik. Hier wird diese Idee in dem Beitrag KI-Klärungen und -Erklärungen einem Roman von Sarah Hall zugewiesen, deren Buch mit dem Bepper „Human Written“ erscheint.

Wie schon an anderer Stelle gesagt:

In dem ersten Entwurf einer Einleitung für ein eigenes, in einem Wissenschaftsverlag erscheinendes neues Buch hätte man sich noch vor zwei Jahren an diesem Thema vorbeischleichen können. Heute ist auch dieses Thema nicht mehr auszuklammern. Mehr noch: Neben dem Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit und die Erfüllung ethischer Grundsätze wird – beim Schreiben ebenso wie bei der Vermittlung – noch ein anderes Kriterium immer mehr in den Vordergrund rücken, das der Authentizität.

Angesichts dessen ist es von Bedeutung, festzuhalten, dass die hier in diesem nachfolgend Stück für Stück vorgestellten Zeilen die Texte ausschließlich von einem Menschen verfasst und in dieser Umgebung zur Kenntnis gebracht wurden.

Das lag in der Luft und der Coup ist - nicht nur marketingtechnisch – legitim. Dennoch bleibt die Herausforderung für die eigene Arbeit bestehen.

Immer noch liegen im benachbarten Raum neben dem Arbeitszimmer ganze Kartons, bestückt mit Karteikästen, in denen Hunderte von Karteikarten stecken, die im Rahmen der Vorbereitungen früherer Publikationen angefertigt worden waren.

Diese wegzuwerfen, das ist bis heute nicht gelungen. Im Gegensatz zu den Lochkarten, mit deren Hilfe nach dem Einsatz des Programms Fortran die ersten Textanalysen haben durchgeführt werden können.

Hier geht es nicht um Nostalgie, hier geht es auch nicht darum, auf die Vorteile hinzuweisen, die ein Arbeiten in der analogen Welt noch mit sich gebracht hat, sondern hier geht es darum, darauf hinzuweisen, dass die Frage, was nach der Digitalisierung als eine der größten Herausforderungen kommen mag, sich bereits im konkreten Tun dadurch zu beantworten bemüht ist, dass in der alltäglichen Praxis versucht wird, in jene Bereiche zuschauen, die jenseits der Einführung der sogenannten künstlichen Intelligenz den Menschen noch als eigenständige Handlungsfelder zur Verfügung stehen werden [1].

Nein, weder bei der Vorbereitung noch bei der Genese dieses Buches werden wir auf die Möglichkeiten der digitalen Tools verzichten. Wir werden sie bewusst und zieltstrebig einsetzen, und uns dich zugleich darüber bewusst machen, welche Folgen ein solcher Einsatz mit sich bringt. Wir werden auch bei der Automatisierung des Produktionsprozesses, insbesondere beim Erstellen der Literaturlisten und anderer technischer Umstände, darauf nicht verzichten. Aber eben diese Hilfestellung soll mit dazu beitragen, dass der Kern dieser Arbeit in der Tiefe der eigenen wissenschaftlichen Erkenntnis, ihren Möglichkeiten und Grenzen beheimatet ist.

Wohlwissend, dass der Bezug auf das durch die externen Quellen erweiterte Ich zugleich einen Aufruf zum Dialog mit dem Wir [2] erfordert und einfordert.

P.S.

Dieses Beispiel aus der Belletristik findet sich auch hier in dieser Kompositionsklasse wieder.

Wovon reden wir, wenn wir vom Komponieren reden?

Steins, Hubert | 04. November 2025, ab 00:05 Uhr

Michael Beil ist Komponist multimedialer Werke und seit 2007 Kompositionslehrer und Leiter des elektronischen Studios an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Welche Diskurse prägen seinen Unterricht?

Am Ende dieses Auszugs führt Beil durch ’seine’ Studios und sagt:

„Ich dachte ja, wir brauchen nie wieder Geräte; aber jetzt sind wir in der Situation, dass diese Digitalisierung abgeschlossen ist, wir leben in einer postdigitalen Zeit - und schon geht es los mit dem Interesse am Analogen. Und vieke wollen jetzt wieder mit alten Geräten arbeiten."

Anmerkungen

[1Als Teaser und kontrapunkt zu diesem wahrlich langen Satz dieser Beitrag von David Wurzer in Spektrum.de am 23. Juli 2025 :
 KI ist out: der biologische Computer ist da.

[2Peer-Review - People - Population.


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