Sprechen statt tippen - hören statt lesen?

VON Dr. Wolf SiegertZUM Freitag Letzte Bearbeitung: 2. September 2025 um 01h04minzum Post-Scriptum

 

I.

Von: Dr. Wolf Siegert
Gesendet: Freitag, 29. August 2025 12:59
An: huang@typeless.com
Cc: Typeless Team
Betreff: AW: Are U better than Dragon?

To SONG Huang

Sorry, but I’m not an ape but a real “Wolf”, a journalist and editor-in-chief.

We are following all your stories …

https://x.com/i/status/1951402794801627343

https://www.linkedin.com/posts/huang-song-33122743_were-now-rolling-out-a-limited-number-of-activity-7362219662782205952-otES/

… but where’s the meat?

There are lots of questions.

Starting with a quest concerning your imprint up to nitty-gritty-questions like: can I import my Dragon library in your system?

Let’s chat.

Wolf

Von: Typeless Team
Gesendet: Montag, 25. August 2025 08:50
An: Dr. Wolf Siegert
Cc: huang@typeless.com
Betreff: Re: Are U better than Dragon?

Hello Dr. Siegert,

Thank you for reaching out and for your interest in our services! It’s wonderful to hear that a colleague from Stanford recommended us to you.

For detailed discussions about our capabilities, I recommend reaching out directly to our Founder & CEO, who would be the best person to address your specific needs and discuss the next steps.

You can connect with him through:
Email: huang@typeless.com
X/Twitter: https://x.com/huang_song_

He’ll be able to provide you with comprehensive information about our services and discuss how we can support your requirements in detail.

Thank you again for your interest, and we look forward to the opportunity to work with you!

Best regards,
Amber

On Sun, Aug 24, 2025 at 12:31 PM Dr. Wolf Siegert wrote:

Hallo und einen guten Tag,
ein Kollege aus Stanford hat mich auf Ihren Dienst aufmerksam gemacht und mein Interesse geweckt.
Habe bereits mehrfach über die aktuellen Herausforderungen und neuen Möglichkeiten geschrieben.
Mit wem in Ihrem Hause kann ich das weitere Vorgehen besprechen?
Vielen Dank für Ihre / Eure Aufmerksamkeit.
Wolf Siegert

II.

Aus der Sendung "Fazit" vom 29. August 2025 Eckhard Roelcke im Dialog mit Christoph Engemann: Über die Zukunft des Lesens in Zeiten der Mündlichkeit

Über die Zukunft des Lesens in Zeiten der Mündlichkeit

Es geht um ein Buch im Verlag MSB Matthes & Seitz das u.a. auf der Webseite wie folgt angeteasert wird:

[...] Damit läuft das Lesen Gefahr, eine Kulturtechnik der Wenigen zu werden.
In Die Zukunft des Lesens zeigt Christoph Engemann, wie die neuartige Plattform-Oralität von Podcasts, Onlinevideo und TikTok nicht nur das Lesen verändert, sondern deren KI-gestützte Monopolisierung auch die Offenheit der Sprache infrage stellt.

III.

Eine der Schlussfolgerungen für die eigene Arbeit könnte sein, sich doch solchen - wenn auch weniger dubiosen - Speech-to-Text-Systemen zuzuwenden. Und die eigene Textproduktion auf diese neuen Herausforderungen auszureichten.

Copilot auf die Frage:

Kann Speech to Text das Lesen fördern?
Ja – richtig eingesetzt kann Speech-to-Text tatsächlich die Leseförderung unterstützen, und zwar auf mehreren Ebenen. Es geht dabei nicht nur um Barrierefreiheit, sondern auch um Motivation, Sprachbewusstsein und den Zugang zu Texten.

P.S.

Bemerkenswerte Auszüge aus den ersten Seiten von:

Christoph Engemann
Die Zukunft des Lesens

Inhalt
1. Krise des Lesens 7
Lesen beobachten 15
Exkurs: Graphen – die Ordnungsozialer Daten 35
2. Schreibzeug & Plattform-Oralität 47
Schreibzeug – Sprechzeug 53
KI des Sprechens 60
Plattform-Oralität 62
3. Virtuelle Universitäten: Drosten,Žižek, Peterson 75
Die neue Vorlesung & das Intellectual Dark Web 81
4. Plattformcharisma 105
Krisenauthentizität 113
5. Ein Neues Latein 124
Das Neue Latein 130
Anmerkungen 137

Dass das Lesen in der Krise ist, ist ein Topos, der so alt ist wie das Lesen selbst. Gerade in den
letzten Jahren gibt es aber Anhaltspunkte dafür, dass an diesem Topos tatsächlich etwas dran sein
könnte und sich die Krise des Lesens noch verschärfen könnte. Mit ChatGTP und den Large Language Modelbasierten KI-Chatbots ist unlängst die Frage in den Raum getreten, warum überhaupt noch gelesen werden sollte. Maschinen nehmen viel schnellere und weitreichendere Lektüren vor, als das
je ein Mensch vermöchte. 20 000 Bücher, so lautet die üblicherweise kolportierte Zahl, könne ein Mensch in seinem Leben sich erlesen. ChatGTP hat sich das Hunderttausendfache und vielleicht Millionenfache dieser Zahl einverleibt und in Sekundenbruchteilen auf eine Anfrage hin zu einer
Zusammenfassung destilliert. Derzeit sind die von Large Language Models (LLMs) ausgegebenen Texte aus ökonomischen Gründen noch auf wenige hundert Wörter begrenzt. Technisch steht aber der automatisierten Produktion von ganzen Journalbeiträgen, Zeitungen und sogar von Büchern kaum etwas im Weg. Die auf experimentellen Plattformen zugänglichen oder händisch zusammengestellten LLMs
liefern bereits sehr überzeugende längere Texte, die mit wenig manueller Nachpflege überzeugende Publikationen abgeben können.
Der Umgang und die Relevanz von Texten und Textproduktion wird sich mit dieser neuen Medientechnik radikal ändern. Durch die Bildungsinstitutionen, Verlage und Autorenschaften laufen derzeit entsprechende Erschütterungswellen, die die Krisendynamiken der letzten Jahre verstärken: Die Auflagen von Printmedien schrumpfen, und der Buchmarkt verliert Jahr um Jahr Käufer:innen.
Gleichzeitig nehmen die Lese­kompetenzen empirischen Studien zufolge ab. In Deutschland ist zwischen 2017 und 2022 der Anteil der leseschwachen Schüler:innen von 17 auf 25 Prozent
angestiegen. Drastischer noch stagniert die Zahl der kompetent lesenden Kinder und Jugendlichen.
Der Buchmarkt befindet sich in einem lang anhaltenden und international wie national zu beobachtenden Schrumpfungsprozess. Den Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zufolge hat die Zahl der Buchkäufer:innen in Deutschland zwischen 2013 und 2023 von 37 auf 26 Millionen abgenommen. 11 Millionen weniger Menschen, die regelmäßig Bücher kaufen, bedeutet den Verlust von fast einem Drittel des Buchmarkts.
[...]
Aber auch dort, wo solide Lesekenntnisse und habituierte Lesepraxen vermutet werden, an den Hochschulen, ist die Klage über das sinkende Niveau von Textverständnis bei Studierenden nicht nur Folklore. Jedem Lehrenden an einem Institut höherer Bildung ist die Situation bekannt: Auf die Frage, wer denn die Texte für die heutige Sitzung gelesen hat, heben die üblichen zwei bis drei Studierenden ihre Hand, der Rest guckt betroffen oder indifferent in die Gegend.
»Wer von Ihnen hat ein Bücherregal?«, entfuhr es mir vor nicht allzu langer Zeit in einem solchen Moment. Etwa die Hälfte der versammelten circa dreißig Studierenden verstand die Frage nicht, und einige wollten irritiert wissen, was das denn mit dem Seminarthema zu tun habe.


3174 Zeichen