WS_2026-01-19

VON Dr. Wolf SiegertZUM Donnerstag Letzte Bearbeitung: 23. Februar 2026 um 19h38min

 

Alle Monate wieder führt der Weg zu einer eher kleinen Lidl-Filiale in der Sophie-Charlottenstrasse in Berlin-Charlottenburg. In der gleichen Strasse gibt es weitere Geschäfte dieser Art, darunter von Rewe und Netto. Dennoch ist dieses das bevorzugte Geschäft. Und das liegt an dem dort beschäftigten Personal.

Bei dem an diesem Tag durchgeführten Einkauf kam es zu einem Gespräch mit einer der Mitarbeiterinnen, die bisher zumeist an der Kasse gesessen hatte, jetzt aber mit der Kontrolle der Bestände in den Regalen beschäftigt war.

Die bisher eingerichteten Kassen wurden bis auf eine inzwischen auf Selbstbedienungsterminals umgestellt, an denen sich die Menschen selbst Ihre Waren scannen und dann die Gesamtsumme per Karte bezahlen.

Ob sich dieses neue System bewährt und dadurch die Anzahl der Mitarbeiter in dieser Filiale verringert habe, so die Frage. Nein, die Anzahl der Mitarbeiter sei nicht gesunken, die Aufgaben wurden teilweise neu verteilt, und die Besetzung zumindest einer Kassel mit dem Personal sei nach wie vor unumgänglich. Vor allem für jene Menschen, die nicht mit der Karte bezahlen können oder wollen und die zumeist nicht in der Lage seinen, die deutsche Sprache zu sprechen [1].

Auf die Frage, ob sich durch diese Maßnahme die wirtschaftliche Lage dieser kleinen Filiale verbessert und sich damit die Gefahr ihrer potenziellen Schließung verringert habe, war die Antwort eindeutig. Nein, mit dem neuen Verfahren sei die Betrugsabsicht an den Kassen eher noch gestiegen und die monatlichen Bilanzen würden daher ja noch größere Defizite ausweisen als bisher.

Selbst zum ersten Mal an einem solchen Terminal angekommen, war die Entscheidung zunächst, auch dorthin zu gehen, wo es noch eine persönliche Bedienung gibt. Dann aber stand auf der Gegenseite eben jene vorher angesprochene Mitarbeiterin, die gerade dabei war, Waren für den eigenen Bedarf zu scannen und einzukaufen. Sie bietet an, dies ist auch für die erstmalige Einführung mit den eigenen Waren zu tun.

Dieses Angebot wird angenommen. Dabei zeigt sich insbesondere die Möglichkeit als vorteilhaft, die Waren nicht zum Scannen über ein Glas zu führen, sondern mit einer Scan-Pistole zu avisieren und durch Knopfdruck zu markieren. Erstaunlich dabei, dass selbst jener Artikel, die bei einem mehrfachen Erwerb mit einem Rabatt angeboten werden, entsprechend von den Geräten erkannt und von der Software adäquat eingepreist werden.

Nachdem alle Waren markiert und über den Bildschirm ausgewiesen wurden – das galt auch speziell für jene Teile, die nicht mit einem Strichcode versehen waren, wie Artikel aus dem Backshop – nachdem also all diese Waren erkannt und bezahlt wurden, wird eine entsprechende Quittung ausgedruckt. Danach musste der dort ebenfalls ausgedruckte Strichcode vor dem Verlassen des Geschäftes durch ein weiteres Lesegerät identifiziert werden.

Wird diese Identifikation positiv durch ein Signal bestätigt, öffnet sich eine weitere Schranke und der Weg in den Vorraum des Geschäftes ist frei.

So verlassen die Mitarbeiterin und der Kunde - beide von den Systemen positiv gescannt und entlastet - fast zur gleichen Zeit die Filiale - in der sie, wie zuvor im Gespräch mitgeteilt, schon mehr als ein Jahrzehnt gearbeitet habe. Wir sind hier, sagte sie lachend, wie eine Familie, und das werde hoffentlich auch noch weiter so bleiben.

Anmerkungen

[1Dass genau an dieser Kasse, wie schon beim vorangegangenen Einkauf, ein Mensch mit dunkler Hautfarbe sitzt - ein Zufall?


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