WS_2026-03-23

VON Dr. Wolf SiegertZUM Montag Letzte Bearbeitung: 23. März 2026 um 23h02minzum Post-Scriptum

 

Das war der Anspruch:

Und das ist die Wirklichkeit:

Barbara Reeder auf tagesschau.de am 14.03.2026 • 10:36 Uhr

Ginge es nach der Arbeiterschaft in Baden-Württemberg, wäre die AfD stärkste Kraft im neuen Landtag. "Sie befeuert die Sorgen", so der Wissenschaftler Brettschneider zu den Gründen.

18,8 Prozent der Stimmen hat die AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg bekommen. Laut Infratest dimap lagen die Stimmanteile von Arbeitern sogar fast doppelt so hoch - bei 37 Prozent. Die CDU würde dahinter mit 21 Prozent landen, die Grünen bei 18 Prozent und die SPD bei 5 Prozent. FDP und Linke hätten 5 beziehungsweise 4 Prozent.

Und jetzt auch in Rheinland-Pfalz: " [1] der Top-Score bei den Arbeitern [2] ...

Auszug aus dem phoenix vor ort - Statement von Jan Bollinger (AfD, Spitzenkandidat Rheinland-Pfalz) zum Ausgang der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 23. März 2026: "Wir sind jetzt die Arbeiterpartei"

... UND jetzt auch bei den Jugendlichen:

Am Abend dieses Tages sendet das ZDF nach den heute-Nachrichten ein "Spezial" samt einem Interview mit dem Politikwissenschaftler Benjamin Höhne.
Daraus dieser Ausschnitt als Audio-Track:

P.S.

Um das politische Gleichgewicht zu wahren, heute vorwiegend Zitate aus der "WELT"-Gruppe des Springer-Konzerns:

.

Und zu guter Letzt diese Strategie(?!)-Papier vom Ex-Juso-Chefs Benjamin Mikfeld:

Ein neues politisches Modell
© Benjamin Mikfeld

[...] Erforderlich ist zunächst ein auch symbolischer „Neustart“. Die SPD muss das Signal senden, dass sie ausbrechen will aus der Politik (oder eben nur Wahrnehmung) des hyperventilierenden Stillstands und dass sie eine gute Zukunft für alle neu denken will. Dies ist eine Führungsaufgabe. Wenn dies nicht „von oben“ vorgelebt wird, wird sich auch nichts verbessern.
Es gilt wieder vom „Grundsätzlichen“ ausgehend auf das “Konkrete“ zu denken. Was sind die grundlegenden Prämissen und was folgt dann daraus an konkreter Politik? Die Ausgangsfrage sollte nicht sein: Was denken wir so als Partei? Sondern: Was wäre ein neues sozialdemokratisches Paradigma für unser Land? Ein neues Programm sollte nicht einfach den schon bereits vorhandenen fachpolitischen Programmvorrat addieren und dann die übliche Grundwerteschleife („Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität“) drumherum binden. Die SPD muss sich zunächst fragen, was ihre Mission ist und was die
Grundprinzipien eines neuen Paradigmas sein müssten.

Anmerkungen

[1Selbst in Ludwigshafen hat die SPD beide Wahlkreise verloren:
Zwei SPD-Wahlkreise gingen an die CDU in Ludwigshafen. Was bedeutet das? Eine Einschätzung von SWR-Studioleiter Ludwigshafen Hartmut Reitz":

[2Laut den Ergebnissen einer Umfrage von Infratest dimap vom 1. September 2024 war es den AfD-WählerInnen »egal«, dass diese Partei »in Teilen als rechtsextrem gilt, solange sie die richtigen Themen anspricht«.
Mehr dazu bei Richard Detje, Dieter Sauer, Ursula Stöger und Hilde Wagner in der Zeitschrift LUXENBURG vom Dezember 2024 in:
Die AfD – eine »Arbeiterpartei« ohne betriebliche Basis?

Mehrheitspartei unter Arbeiter*innen

In den Nachwahlbefragungen von Infratest dimap gaben bei den jüngsten Landtagswahlen zwischen 45 und 49 Prozent derjenigen, die AfD gewählt haben, ihren beruflichen Status als »Arbeiter« an. Dass Arbeiter*innen im Vergleich zu allen anderen Teilen der ­Bevölkerung in Ost wie West in höherem Maße AfD wählen, ist seit Langem bekannt. Doch kaum jemand hatte erwartet, dass sie damit im politischen Ranking die führende Arbeiterpartei werden würde. Dies öffnet ihr ein wichtiges Tor zur Arbeitswelt. Das gilt auch, wenn man ihre deutlich geringere Verankerung unter Angestellten in Rechnung stellt (33 Prozent).Befragungen von AfD-Erstwähler*innen deuten darauf hin, dass die Wählbarkeit der radikalen Rechten unter Beschäftigten mit mittleren Bildungsabschlüssen ebenso wie unter Frauen leicht zugenommen hat (Hövermann 2023). Steffen Mau (2024, 102) hat für spezifische lokale Kontexte in den ostdeutschen Bundesländern bereits eine Tendenz zur »schleichenden Volksparteiisierung der AfD« ausgemacht. Für Teile der Arbeitswelt lässt sich das ebenfalls nachweisen.


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