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*90: Bazon Brock

Dienstag 2. Juni 2026, von Dr. Wolf Siegert

Hier stehen jene Zeilen, die auch in dem nächsten eigenen Buch im Kapitel zu Luther und Leibniz hätten stehen können:

Das Verhältnis von kollektiver Autorität zu individueller Urteilsfähigkeit ist in Europa durch die christliche Vorstellung bestimmt, dass jeder einzelne Mensch unmittelbar zu Gott sei, also der Gewissheit nicht nur durch Vermittlung des Kollektiven versichert werden könne. Ab 1400 wurde von Norditalien ausgehend die weit hinter anderen Kulturen, zum Beispiel die der chinesischen, zurückgebliebenen europäischen Kulturen plötzlich so weltbeherrschend effektiv, weil die durch kollektive Beschlüsse gedeckten Autoritäten erkannten, welchen Nutzen sie von den bisher unbekannten, irritierend neuen Kenntnissen der Individuen als Wissenschaftler und Künstler ziehen konnten. Die im 15. Jahrhundert vollendete Abkoppelung der Künste und Wissenschaften von den Kulturen und Traditionen überzeugte vor allem, weil sie ganz eigentümliche Urteilskriterien zur Verfügung stellten. Etwas wurde nützlich, weil es individueller Erfahrung entsprang und nicht durch als ewig geltende Sitten und Gebräuche bedeutsam erschien. Individuelle Autorschaft bewährte sich in der Praxis leichter und umfassender als kollektiv übermitteltes Wissen.

Deutsche Ikonografie: Das flammende Bild an der Wand
{non,non} Bazon Brock

Dieser Text war zu hören am 31. Mai 2026 in der Reihe "Essay und Diskurs" im Deutschlandfunk in :
Politische Extreme
Deutsche Ikonografie: Das flammende Bild an der Wand

Deutsche Ikonographie - Das flammende Bild an der Wand

Im Deutschlandfunk Kultur folgt dann am Montag, den 1. Juni 2026, in der Sendung "Fazit" ein Gespäch von Britta Bürger mit Wolfgang Ulrich:

Wortgewaltiger Philosoph im Kunstbetrieb – Bazon Brock wird morgen 90

Wortgewaltiger Philosoph im Kunstbetrieb - Bazon Brock wird morgen 90

Deutsche Ikonografie: Das flammende Bild an der Wand
{non,non} Bazon Brock