I.
In der online einsehbaren Publikation des Verbands Freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater e.V. schreibt die Heilpraktikerin für Psychotherapie, Yogatherapeutin, Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin (M. A.) und Buchautorin Cornelia ("Conny") Thaler im Heft 2/2018 einen Text mit der Überschrift So was von ... kreativ .
Darin heisst es:
Feingeist Roger Willemsen trug stets eine kleine Schreibkladde im Jackett, in der er seine flüchtigen Impulse sofort festhielt.
Ihr "Tipp für den Anfang" lautet:
[...] sich ein leeres Blatt schnappen und ungebremst etwas zu Papier bringen ...
II.
So ist auch dieser Text zu lesen. Mit einem Schwerpunkt auf der Frage, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Vergessen und Kreativität?
Die These: Vergessen und Kreativität stehen in einem engen, bidirektionalen Zusammenhang: gezieltes Vergessen kann mentale Fixierung lösen und so neue Ideen ermöglichen, während kreatives Denken selbst bestehende Erinnerungen schwächt oder umorganisiert und dadurch Raum für Neues schafft
Ausgangspunkt ist dafür eine Arbeit von Storm, B. C., & Patel, T. N. aus dem Jahr 2014:
Forgetting as a consequence and enabler of creative thinking. im Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition, 40(6), 1594–1609.
Danach sei das Vergessen kein blosser Fehler des Gedächtnisses, sondern ein kognitiver Hebel für Kreativität. Das Abschwächen dominanter Erinnerungen könne mentale Räume für neue Kombinationen freilegen.
III.
Frage wir die KI (GPT-4 Omni):
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Vergessen und Kreativität?Ja, es gibt tatsächlich einen interessanten Zusammenhang zwischen Vergessen und Kreativität. Vergessen wird oft als etwas Negatives betrachtet, aber es kann auch eine wichtige Rolle dabei spielen, kreativ zu sein und neue Ideen zu entwickeln. Hier sind einige Aspekte, die diesen Zusammenhang erklären:1. Reduktion von mentalem "Ballast"Vergessen hilft, irrelevante oder überflüssige Informationen loszulassen, die das Gehirn überfordern könnten. Wenn das Gehirn nicht ständig mit alten, unnötigen Informationen beschäftigt ist, hat es mehr Kapazität, um neue Verbindungen herzustellen und kreative Lösungen zu finden.2. Förderung von FlexibilitätKreativität erfordert oft, dass man alte Denkmuster durchbricht und neue Perspektiven einnimmt. Wenn das Gehirn nicht an festgefahrenen Erinnerungen oder Konzepten "klebt", kann es flexibler auf neue Ideen reagieren und ungewöhnliche Verknüpfungen herstellen.3. Abstraktion durch Vergessen von DetailsWenn wir uns nicht mehr an jedes Detail erinnern, können wir uns auf größere Zusammenhänge oder Muster konzentrieren. Diese Abstraktion ist ein wichtiger Teil des kreativen Prozesses, da sie uns erlaubt, komplexe Probleme auf eine neue Art und Weise zu betrachten.4. Förderung von OriginalitätDas bewusste oder unbewusste "Vergessen" alter Lösungen oder konventioneller Ansätze kann dazu führen, dass wir origineller denken. Ohne die Einschränkungen durch bestehende Erinnerungen oder vertraute Lösungswege können wir innovativere Ideen entwickeln.5. Schaffung von Raum für neue IdeenVergessen schafft buchstäblich Platz im Gehirn. Wenn wir alte Informationen loslassen, können neue Eindrücke und Ideen leichter verarbeitet und integriert werden.6. Die Rolle des "kreativen Vergessens"In der Psychologie wird manchmal von "kreativem Vergessen" gesprochen, bei dem das Gehirn gezielt unwichtige Informationen ausblendet, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dies kann besonders in Phasen der Ideenfindung hilfreich sein.7. Vergessen als Teil des InkubationsprozessesIn der Kreativitätsforschung wird oft der sogenannte Inkubationsprozess beschrieben, bei dem eine Person ein Problem für eine Weile "ruhen" lässt. Während dieser Zeit vergisst man oft bestimmte Details oder Einschränkungen, wodurch das Unterbewusstsein freier arbeiten und neue Lösungen finden kann.Fazit:Vergessen ist nicht nur ein passiver Prozess, sondern kann aktiv zur Förderung von Kreativität beitragen. Indem wir uns von alten Informationen lösen, schaffen wir Raum für Neues und ermöglichen unserem Gehirn, unkonventionelle Verbindungen herzustellen. Es ist also durchaus möglich, dass das Vergessen eine Schlüsselrolle in der Entstehung kreativer Gedanken spielt.
IV.
Es gibt einen Zusammenhang: **bestimmte Formen des Vergessens und des „Loslassens“ können Kreativität fördern**, während **breite oder krankhafte Gedächtnisverluste komplexes kreatives Denken eher behindern**.[1][3][4][10]
### 1. Philosophische und psychologische Perspektive
– In einer philosophischen Analyse wird **Vergessen** als *Gelingensbedingung für Kreativität* beschrieben: Kreativität entsteht, wenn festgefahrenes Wissen, Gewohnheiten und Erwartungen „aufgegeben“ werden.[1]
– Das gilt etwa für Denk‑ und Sprachgewohnheiten: Wer jahrelang nur einen Autor liest, dessen Denken prägt jeden eigenen Gedanken; einen Ausweg zu finden „ist mit dem verbunden, was wir ‚Vergessen‘ nennen, als Voraussetzung für neue und kreative Gedanken“.[1]
– Neben Vergessen wird auch **Absichtslosigkeit** (kein starrer Ergebnisfokus) als Voraussetzung genannt, weil Routine und bloß aus Gewohnheit ausgeführtes Handeln Kreativität behindern.[1]
– In dieser Sicht ist Vergessen kein Defekt, sondern eine **produktive Form des Loslassens**, die gedanklichen Raum öffnet, damit Neues entstehen kann.[1][10]Diese Idee findet sich auch populär formuliert: Kreativität „lebt von Vergessen, von selektivem Vergessen, von ‚Raum für Neues‘“ – wäre alles perfekt gespeichert, wäre der Kopf „vollgestopft“ und weniger frei für neue Kombinationen.[10]
### 2. Kognition, Gedächtnis und Kreativität
Die Forschung zur **Kreativität und Kognition** zeigt ein komplexes Bild:
– Kreativität hängt mit kognitiven Fähigkeiten wie **Gedächtnis und logischem Denken** zusammen; eine Studie des DZNE untersucht genau, welche dieser Funktionen für Kreativität notwendig sind und wie sie sich im Alter und bei Demenz verändern.[4]
– Erste klinische Befunde:
- Personen mit **kognitiven Beeinträchtigungen** (z.B. Demenz) können von kreativen Aktivitäten profitieren.[4]
- Es gibt Fälle, in denen Menschen mit **reduzierter Hirnmasse** trotzdem ausgezeichnete künstlerische Fähigkeiten zeigen.[4]
- Malen und Musik in der Demenztherapie verbessern Wohlbefinden und Symptomschwere.[4]Das deutet darauf hin:
– Kreativität benötigt zwar bestimmte Gedächtnis‑ und Kontrollfunktionen, ist aber **nicht deckungsgleich mit „gutem Gedächtnis“**.
– Auch bei deutlichen Gedächtniseinbußen können **ästhetische und Ausdrucks‑Kreativität** erhalten oder sogar auffällig stark sein, während komplexes problemlösendes Kreativdenken eher leidet.[4]### 3. Vergessen im Alter: förderlich oder hinderlich?
Beim **Alterungsprozess** verändert sich sowohl Gedächtnis als auch Kreativität:
– Untersuchungen zeigen, dass Verarbeitungsgeschwindigkeit, Kurzzeitgedächtnis und flexibles Urteilsvermögen mit dem Alter abnehmen; dies kann zu einer **Reduzierung kreativen Denkens und kreativer Leistungen** führen.[3]
– Die Fähigkeit zur **Originalität** (viele unterschiedliche Möglichkeiten für ein Problem zu sehen) nimmt ab etwa 40 Jahren messbar ab.[3]
– Gleichzeitig bleiben Langzeitgedächtnis, sprachliche Ausdrucksfähigkeit und Wissen über die Lebensspanne relativ stabil und können Kreativität in anderen Formen (z.B. weise Urteile, erfahrungsbasierte Lösungen) tragen.[3]Ein Fachautor kommt daher zu dem Schluss, dass Kreativität im Alter **sowohl ab- als auch zunehmen** kann – je nachdem, welche kognitiven Komponenten betrachtet werden.[3]
Im Hinblick auf Vergessen heißt das:
– **Diffuses, unkontrolliertes Vergessen** vieler Inhalte (etwa bei starkem kognitivem Abbau) erschwert vor allem komplexes, problemlösendes kreatives Denken.[3][4]
– **Selektives Vergessen und Loslassen** von überholten Routinen, Erwartungen und Detailfixierung kann dagegen kreative Neuorientierung begünstigen.[1][10]### 4. Wie lässt sich „kreatives Vergessen“ praktisch verstehen?
Verallgemeinert lassen sich zwei Formen unterscheiden:
– **Hinderliches Vergessen**
- Weitreichende Gedächtnisverluste oder starke Einschränkungen von Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis erschweren das bewusste Kombinieren und Neuordnen von Wissen – eine zentrale Grundlage für viele Kreativleistungen.[3][4][8]– **Förderliches, funktionales Vergessen**
- Abstand von gewohnten Denkmustern (z.B. nicht immer dieselben Vorbilder, Methoden oder Antworten nutzen).[1]
- „Aufgeben des Gewohnten“: sich erlauben, Zwischenergebnisse, feste Erwartungen oder Routinen zu vergessen, um unerwartete Lösungen zu sehen.[1]
- Inkubation und Pausen: das Problem zeitweise beiseite legen, wodurch Details verblassen und neue Assoziationen entstehen können (psychologisch als eine Form funktionalen Vergessens verstanden).Zusammengefasst: **Kreativität braucht Erinnerung, aber auch gezieltes Vergessen.** Sie lebt davon, dass wir nicht alles festhalten, sondern Gewohntes, Überflüssiges und Blockierendes loslassen, um Wahrnehmung und Denken für neue Möglichkeiten zu öffnen.[1][4][10]
[1] [...] [10]:
3
https://www.dzne.de/forschung/studien/projekte-der-versorgungsforschung/kreativitaet-und-kognition/5
https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/46805688
https://nationalgeographic.de/wissenschaft/2024/08/hirnforschung-wo-entsteht-unsere-kreativitaet/9
https://www.instagram.com/p/DR0kG-biN6s/10
https://www.dgpp-online.de/post/alter-kreativit%C3%A4t-und-weisheit
V.
Aus diesem kurzen Kurs in die Online-Welt lässt sich zumindest festhalten, dass
– es mit den Mitteln dieser neuen Technologie zumindest möglich ist, in kürzester Zeit einen ersten Einblick in die Diskussion dieses Themas zu gewinnen
– es umso wichtiger erscheint, jetzt noch einmal zu überprüfen, ob die hier fast einhellige Meinung zu diesem Thema, dass einen solchen Zusammenhang gäbe, als gültig ausgewiesen werden kann
– es möglich sein könnte, das eigene Leiden an einem geradezu beeindruckenden Mangel an Erinnerungsfähigkeit mit eben einer geradezu überkompensierenden Bereitschaft zur Neugier kompensiert wird
– es gefährlich sein könnte, im gesellschaftlichen Kontext ein solches Vergessen zu nutzen, um damit selbst solche Aufforderungen wie die eines "nie wieder" ungehört verschallen zu lassen.